BZÖ-Chef Bucher sieht "Mandatskauf", Stronach dementiert

Bucher bezeichnet Abgeordnete, die wechseln, als "politische Söldner"

Wien - Mit Kritik an "politischen Söldnern", denen "Anstand und Charakter" fehlen, hat BZÖ-Chef Josef Bucher am Mittwoch auf den Wechsel der BZÖ-Abgeordneten Elisabeth Kaufmann-Bruckberger ins Lager Frank Stronachs reagiert. Es sei "ein Skandal, dass man Mandate kaufen kann", sagte er in einer Pressekonferenz. Ihm seien Angebote von 15.000 Euro brutto monatlich zu Ohren gekommen. Bucher selbst habe der Milliardär 500.000 Euro angeboten, aber "da hat sich Stronach seinen letzten Zahn ausgebissen".

Keine Anzeige geplant

Von angeblichem Mandatskauf, den Stronach und die bisher gewonnenen Mitstreiter bisher stets in Abrede stellten, habe er von allen möglichen Seiten gehört - von wem, würde Bucher erst vor Gericht sagen. Eine Anzeige plant der BZÖ-Chef offenbar nicht: "Mir ist das völlig egal, die Polit-Söldner müssen das selbst verantworten."

"Anstand und Charakter kann man nicht kaufen - nur Mandatare, die diese Attribute nicht haben", sagte Bucher. Stronach versuche, "die, die im Ausgedinge sind, einzufangen, damit er sich das Stimmensammeln erspart". Bucher zeigte sich überzeugt, dass außer Kaufmann-Bruckberger niemand mehr vom BZÖ zu Stronach wechseln werde.

Stronachs Sprecherin Kathrin Nachbaur wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück: Man habe mehrmals mit Bucher Gespräche geführt und ihm tatsächlich 500.000 Euro angeboten - allerdings nicht als Gage, sondern für die Abgeltung von Wahlkampfkosten im Falle eines "gemeinsamen Vorgehens" Stronachs mit dem BZÖ. Das Geld sei also für "Plakate etc." gedacht gewesen, erklärte Nachbaur in einer Aussendung. "Für uns war das ganz klar ausgedrückt, und ich hoffe, dass es sich hier seitens Josef Bucher nur um ein Missverständnis handelt."

Erster Übertritt vom BZÖ

Bucher unterstrich am Mittwoch zudem, dass es sich bei Kaufmann-Bruckberger um den ersten Übertritt vom BZÖ zu Stronach handle. Denn Erich Tadler und Robert Lugar habe er schon früher "vor die Tür gesetzt" gehabt. Tatsächliche hatte sich Tadler mit dem BZÖ zerstritten und war Anfang 2010 aus der Partei ausgeschlossen worden. Lugar trat im September 2011 aus dem BZÖ aus, weil er den "Kurs der Partei" nicht mehr mittragen wollte.

"Korruptes Politsystem"

Jedenfalls zeige sich am Beispiel Stronach, "was für ein korruptes Politsystem wir in Österreich haben" und "wie Menschen, die über Milliarden verfügen, diese Demokratie aushebeln können", so Bucher. Dem müsse man "einen Riegel vorschieben", sonst werde die Demokratie in zehn Jahren nicht mehr vom Volk, sondern von denen gelenkt, die "Macht, Einfluss und Geld haben".

Kaufmann-Bruckberger hatte ihren bisherigen Parteiobmann offenbar nicht von ihrem Abgang informiert: Das BZÖ habe zwei Tage lang erfolglos versucht, die Abgeordnete zu erreichen, berichtete Bucher. Einen Fehler bei sich sieht er nicht. Er habe ja nicht die Liste für die letzte Nationalratswahl erstellt, über die Kaufmann nach dem Wechsel Ewald Stadlers in das Europäische Parlament das Mandat zustand. (APA, 29.8.2012)

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