Österreicher stoßen Frankenkredite ab

29. August 2012, 11:51
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    grafik: apa

Aushaftendes Volumen schrumpfte seit Herbst 2008 um ein Viertel, Rückgang von 9,5 Prozent im zweiten Quartal

Wien - Häuslbauern, die Ende der 1990er Jahre einen Frankenkredit aufgenommen haben, fällt jetzt die starke Aufwertung der Schweizer Währung im Vergleich zum Euro auf den Kopf, da die meisten Fremdwährungskredite endfällig sind und sich die Schulden jetzt massiv erhöhen. Seit Ausbruch der Finanzkrise setzt daher die Finanzmarktaufsicht (FMA) auf Schadensbegrenzung, und Banken überreden ihre Kunden zum Wechsel in einen Eurokredit. Die Maßnahmen scheinen zu greifen; das aushaftende Volumen an Fremdwährungskrediten privater Haushalte gehe weiterhin "spürbar" zurück, teilte die FMA am Mittwoch mit.

Zum Ende des zweiten Quartals 2012 waren 35,6 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten aushaftend, das sind wechselkursbereinigt 9,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte das Volumen um 3,7 Prozent.

Die FMA hatte im Herbst 2008 die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten verboten. Seit damals ging das Volumen um 25,3 Prozent oder 12,0 Mrd. Euro zurück. "Damit fiel der Fremdwährungsanteil an den gesamten Krediten privater Haushalte Mitte 2012 auf 27 Prozent, dem tiefsten Wert seit acht Jahren", so die Finanzmarktaufsicht.

Das Gros des Forderungsvolumens entfällt auf Schweizer Franken (93,2 Prozent), der Rest fast zur Gänze auf japanische Yen.

SNB macht Abschied billiger

Die zunehmende Konvertierung von Franken- in Eurokredite habe sicherlich auch damit zu tun, "dass die Schweizer Nationalbank den Wechselkurs des Schweizer Franken zum Euro trotz weiterhin massiven Aufwertungsdrucks bis auf weiteres bei 1,20 verteidigt", so die FMA-Chefs Helmut Ettl und Kurt Pribil. Bis zur Intervention der Schweizer Nationalbank habe der Schweizer Franken seit Ausbruch der Finanzkrise Anfang 2008 gegenüber dem Euro um 37,5 Prozent aufgewertet.

Ende der 1990er Jahre hat rund eine Viertelmillion Österreicher einen Frankenkredit aufgenommen, um das Eigenheim zu finanzieren. Die meisten Frankenkredite sind endfällig - zum Wechselkursrisiko kommt die Gefahr dazu, dass der Tilgungsträger weniger abwirft als erwartet, am Ende der Laufzeit also zu wenig Geld da ist, um die Schulden zu bedienen. Konsumentenschützer haben dieses Modell scharf kritisiert, sind aber gleichzeitig gegen die - oft teure - Zwangskonvertierung auf die Barrikaden gestiegen. (APA, 29.8.2012)

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Klingt doch danach, dass der Euro wieder aufwertet? Und kommt QE3 in USA, hätte es einen massiven Verfall des Dollar und damit Aufwertung des Euro zur Folge. Falls ihr es noch nicht gecheckt habt: Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg mit einem Abwertungswettlauf aller Währungen. Nur so kann die USA das Außenhandelsdefizit und Staatsschulden finanzieren und deshalb geht es dem Euro trotz seiner ernsten Lage noch so vergleichsweise "gut".

Solange die Schweizer glauben, der Euro ist von Bestand werden sie ihn kaufen. Würden sie eine Fluchtsteuer einführen, würden Sie am Schwarzgeld 3fach verdienen.

Nur die Banken haben etwas gegen Fremdwährungskredite, weil die Marge jetzt nicht mehr stimmt.

Wäre jetzt nicht eigentlich der ideale Zeitpunkt um einen Franken-Kredit aufzunehmen?

Der Franken kann nicht mehr steigen außer es tritt der unwahrscheinliche Fall ein dass die Schweizer Notenbank "nicht mehr kann". Das heißt man hat faktisch kaum Risiken einer Aufwertung und kann fast nur gewinnen. Und genau jetzt wird uns verboten das zu tun...

die Frage ist wie lange die SNB den Kurs künstlich bei 1,20 halten kann.

Machen Sie sich bitte die Mühe und schauen sie sich Wechselkursverläufe über Jahre hin an. Weil bei derartigen Krediten ist ja die Laufzeit ca. 15-25 Jahre. Das Verhältnis Risiko-Nutzen muss dann jeder selber bewerten.

Außerdem kann man an den Finanzmärkten nicht einschätzen wie die Lage in 1 Monat, 1 Jahr - geschweige denn 15 od. 20 Jahren sein wird!

Wenn also die SNB für 250 Mrd. Euro gekauft hat...

...dann muss doch jemand für 250 Mrs. CHF gekauft haben.

War das nur die EZB?

Oder gab es da welche, die meinen mit dem CHF-Ankauf ein gutes Geschäft zu machen???

Natürlich wollen die Schweizer die Kredite loswerden. Sie müssen momentan jeden Monat Milliarden Euro kaufen um den Kurs von 1.20 zu halten. Also hilft jeder, der konvertiert den Schweizern Geld.

Szenario 1: Spekulanten wollen den CHF knacken.
Da die Schweizer ihr Gesicht nicht verlieren wollen, werden sie den 1.20 Kurs verteidigen. z.B. indem sie Geld drucken. (Das machen sie jetzt schon: die Geldmenge hat sich erhöht.)

Szenario zwei: Die Schweizer verschätzen sich und drucken zuviel Geld: der Kurs geht in die andere Richtung.

Ich persönlich würde jetzt einen Frankenkredit aufnehmen, weil die Schweizer den 1.20 Kurs mehr oder weniger garantieren und die Zinsen extrem niedrig sind. Und ich würde nicht in Euro wechseln.

steigt der Franken wieder oder nicht?

Irgendwann sicher, irgendwann ist aber nicht 20130oder 2014. Aber 2015 könnte

nur den Wechselkurs zu betrachten

ist halt auch ein bisserl kurzsichtig. Der Zinssatz beim Franken war in den 90ern schon bei 1 %, Anfangs der 200er bei 0,5%; der Euro noch nicht in Sicht und der gängige Zinssatz bei 6%. Noch 2005 war der Zinsatz beim € bei 4,5% und da rechnet sich eine Stärkung des SF immer noch. Faktisch wäre der SF richtig bewertet bei 1,3, die 1,2 sind überbewertet. Irgenwie wollen die Schweizer halt auch ihre Waren in der Welt loswerden und lassen mit ihren 2000Mrd € eine weitere Stärkung des SF derzeit nicht zu. Gut, Oerlikon ist das egal, Nestle wahrscheinlich auch aber es gibt auch einen Mittelstand, der in Mitbewerb in der Eurozone steht und dann purzeln die Arbeitsplätze.

Wer einen Fremdwährungskredit Ende der 90er aufgenommen hat, ...

... tut mir einmal grundsätzlich nicht Leid. Wer dann einen satten Währungsgewinn nicht realisiert hat, weil er geglaubt hat, das geht so weiter, tut mir noch weniger Leid.

Das ändert aber nichts daran, dass die Banken mit Sammelklagen zugedeckt werden sollten, die Häuselbauern - also offensichtlich nicht Spekulanten - Fremdwährungskredite gewährt haben.

die brauchen ihnen tatsächlich nicht leid zu tun..

selbst bei abschluss bei 1,57 ist der frankenkredit jetzt noch ein geschäft, aufgrund der niedrigen zinsen. rechnen sies aus.

einer gewährt den Kredit - und der andere entscheidet, ob er ihn nimmt.

Wenn jemand entscheidet sich auf einen (meist) endfälligen Kredit in Fremd!!!währung einzulassen, hält sich mein Mitleid eher in Grenzen.

Früher hat man davon gesprochen, man muß sich für etwas einen Kredit aufnehmen. Im Laufe der Zeit sprach man dann nur mehr, man finanziert etwas....

Was ich damit zum Ausdruck bringen will ist dass es sich sowohl die Banken als auch die Verbraucher mit der Zeit viel zu leicht gemacht haben sich auf Pump etwas leisten zu wollen.

lol

ich zahle nur mehr die Marge, d.h. Libor 1 M + 0,875%, d.h. ich zahle derzeit ca. 120 Euro Zinsen für ca. 130" Euro - Restlaufzeit 20 Jahre.

Tilgungsträger: 3 Jahreperformance +22%, 2 Jahre +12 %, 1 Jahr +23 % -- derzeit 30 % der Tilgungsumme vorhanden

Konvertieren NIE - ach ja die Kreditsumme entspricht ca 25 % der Immobilie, mich ruft meine Bank sicher nicht an.

Ich bin sicher ein Verlustträger für meine Bank, aber das ist auch gut so.

Eine Entscheidung zur Konvertierung hängt von mehreren Variablen ab als nur vom Wechselkurs - aber die einfachen Häuslbauer kann man so ja 2x über den Tisch ziehen.

manchmal laufts verkehrt ....

würde man jetzt (wegen des günstigen Einstiegskurs --so günstig war es seit 30 Jahren nicht ) --CHF KREDITE VERGEBEN (nicht aufgeben ) --dann würde dies den FRANKEN schwächen -- ein Aussteigen bedarf ja des KAUFES von CHF zum Kreditrückzahlen -- Stärkt den Franken weiter --der sowieso viel zu stark ist !! :-(

Ich habe mal gehört das die SNB bis zu 2.000 Mrd bereit ist einzusetzen -- Sie verdient ja damit wenn der EUR wieder stärker wird --und Leute glaubt mir die Schweizer glauben mehr an den EURO als wir im Euroland !!

da wird die immoblase wieder schön aufgeblasen. die preise werden kurzfristig weiter steigen, bis es bumm macht.

Schlecht geschrieben..

..es heißt nicht "...Banken überreden ihre Kunden.." sondern "..Banken zwingen/nötigen ihre Kunden.."

Die doppelte Kohle will ja schließlich verdient werden, am Anfang von so einer Konstruktion musste man ja dem Anlageberater den Hauptteil der Provision überlassen.

Ich weiß noch wie ein Banker zu mir gesagt hat: "wenn der Franken steigt - ist kein Problem - mach ma gschwind a Umschuldung". So gschwind dürfts dann scheinbar auch nicht gegangen sein.

entscheidet euch

"Die FMA hatte im Herbst 2008 die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten verboten. Seit damals ging das Volumen um 25,3 Prozent oder 12,0 Mrd. Euro zurück. "

daneben eine Abbildung, die zeigt, dass der Höchststand im 2. Quartal 2011 mit 38,9 Mrd war.

was jetzt?

Die FMA hat die FW - Kreditvergabe nicht verboten sondern eine Rechtsansicht abgegeben

dass die Banken sofort Verboten, verboten! hinausgetönt haben hat mit dem aufgebauten und selbst verschuldete systemische Risiko zu tun, über das man im Sektor nicht sprechen wollte, um nicht die weiße Weste des Finanzsektors angepatzt zu haben.
Das, in Vorreiterrolle, die österrreichischen Banken, FW Kredite in den CEE/SEE Staaten an Ahnungslose für Konsumkredite (Autofinanzierung etc.) angeboten haben, hier nur noch zur Ergänzung. Ist schon klass für den Kreditnehmer bei Giebelkreuz & Co wenn der Restkredit des vor vier Jahren finanzierten Autos heute höher ist als die damaligen Anschaffungskosten.

interessant. dachte es wäre tatsächlich gesetzlich für Private verboten.

Rest ist natürlich bekannt.

Aber die Banken haben nicht mehr lang zu lachen. Wenn Spanien fällt, fällt auch der Rest. Blöd, dass man dann auch selbst nichts zu lachen hat.

Wenn der Franken steigt, steigt damit auch das aushaftende Volumen in EUR.

So ergibt die Sachlage Sinn, danke.

Also nur grottenschlecht formuliert.

Diese Leute sind leider ...

.... LEBENDE HEDGE-FONDS!!

so ist es!

Und alles ohne sachkunde und riskmanagement. Was für ein hazard - besichert mit der eigenen Existenz!

Frage der Restlaufzeit

wenn diese noch lang ist, ist Abwarten die vernünftigere Strategie.

Es gibt durchaus vernünftige Alternativen ...

... zum Beispiel www.frankenkonzept.at

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