Neuer Wirkstoff im Kampf gegen Krebs

29. August 2012, 11:27
  • "Das Medikament greift die Tumore selektiv an und ist gegen verschiedene Tumore wirksam", sagt  Studienleiter Bernhard Keppler von der Fakultät für Chemie der Universität Wien.
    foto: barbara mair

    "Das Medikament greift die Tumore selektiv an und ist gegen verschiedene Tumore wirksam", sagt Studienleiter Bernhard Keppler von der Fakultät für Chemie der Universität Wien.

Ein Krebswirkstoff aus Österreich soll bösartige Tumore in Schach halten und neue Wege in der Krebstherapie eröffnen

Wien - Der Wirkstoff NKP-1339 - ein kleines, an Transferrin bindendes Molekül - wurde von Bernhard Keppler, Dekan der Fakultät für Chemie der Universität Wien, im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der Medizinischen Universität Wien entwickelt. Kürzlich wurden die ersten klinischen Studien (Phase I) an PatientInnen mit metastasierten festen Tumoren mit Erfolg abgeschlossen. Das neue Medikament wirkt krebshemmend und ist außerdem gut verträglich. Bis jetzt gab es kaum "europäische" antitumorale Wirkstoffe, die derart vielversprechende Ergebnisse zeigen.

In die Zelle eingeschleust

NKP-1339 ist das erste Krebsmittel auf Rutheniumbasis: Der Wirkstoff wird über das Protein Transferrin - und zum Teil auch über Albumin - in die Tumorzelle eingeschleust. Im Tumor aktiviert, bringt es über den sogenannten "mitochondrialen pathway" die Tumorzelle zum programmierten Zelltod (Apoptose). Parallel dazu wird das Protein GBR78 gehemmt, welches für die Korrektur mißgestalteter Proteine und somit für die Resistenz zahlreicher Tumorarten verantwortlich ist. "Durch diesen Prozess reichern sich Abfallprodukte in der Tumorzelle an, die letztlich auch den Zelltod der Tumorzelle bewirken", erklärt Studienleiter Keppler.

Selektiver Angriff auf Tumore

Bereits vor vielen Jahren hat Keppler an der Universität Heidelberg und anschließend am Deutschen Krebsforschungszentrum mit der Entwicklung des mittlerweile patentierten antitumoralen Wirkstoffs begonnen. In Wien setzte er seine Arbeit fort und konnte nun die ersten Studienergebnisse vorlegen: Bei den teilnehmenden Patienten - die auf frühere Standardbehandlungen und neue experimentelle Therapien nicht mehr reagiert haben - wurde eine krebshemmende Wirkung festgestellt. "Die Ergebnisse der Studie stützen das, was bereits aus den vorklinischen Studien hervorgegangen ist: Das Medikament greift die Tumore selektiv an und ist gegen verschiedene Tumore wirksam", so Keppler, der nun Phase II der klinischen Studien zum Medikament vorantreiben möchte. (red, derStandard.at, 29.8.2012)

"Kürzlich wurden die ersten klinischen Studien (Phase I) an PatientInnen mit metastasierten festen Tumoren mit Erfolg abgeschlossen"

Werden Phase I Studien nicht an gesunden Probanden durchgeführt, mit dem Ziel die Sicherheit der Therapie nachzuweisen ?

Da sieht man, dass trotz der schwachsinnigen Ausgliederung der Medizinischen Fakultät und der damit verbundenen Geldverschwendung noch immer gute überfakultäre Forschung möglich ist, das kann nicht einmal die hirnrissige damalige schwarz-blaue Universitätspolitik verhindern!

science-blog Artikel zu NKP-1339

Der Wirkstoff NKP-1339 hat einen völlig neuen, zu Platinverbindungen unterschiedlichen Wirkmechanismus!

Details zu diesem, zum weiteren Vorgehen und weiterführende links finden sich im Science-Blog Artikel vom 7. Juni 2012: "Metallverbindungen als Tumortherapeutika"
http://www.science-blog.at/2012/06/m... rapeutika/

Die korrekte übersetzung für...

...solid tumors ist sicher nicht "feste tumoren", sondern "tumore der soliden organe", womit im unterschied zu den tumoren des bindegewebes bzw. des blutbildenden gewebes jene gemeint sind, die von den dem organ eigenen geweben (parenchy) ausgehen.

Gratulation zu diesem schönen Ergebnis.

Und weiterhin viel Erfolg in den weiteren klinischen Studien!

Wird spannend ob Ruthenium besser wirkt als Platin!

Ruthenium ist natürlich ähnlich zu Platin, das Besondere an dieser Therapie...

... ist allerdings die Aufnahme in Tumorzellen über Transferrin. Ist "Transferrin um etwas in die Zelle zu bekommen" nicht auch eine Idee, welche IMP-Forscher http://www.google.com/patents/US5792645 patentieren hatten lassen zum Gen-Transfer?

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