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Viktor Osetrow hat es geschafft: Sein Start-up RealSpeaker steht kurz vor dem Durchbruch. Die Firma hat ein videobasiertes Programm zur Spracherkennung entwickelt. Die Idee dahinter ist einfach: Ein Video fixiert parallel zur Tonaufnahme die Mundbewegungen des Sprechers und erhöht somit die Genauigkeit der Spracherkennung. Der RealSpeaker versteht bereits Russisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Chinesisch.
Skolkowo-Stiftung
Osetrow will den RealSpeaker in jedes Smartphone integrieren. Derzeit wird intensiv getestet. Dass der 24-jährige Programmierer aus Kasan so weit ist, hat er auch der Skolkowo-Stiftung zu verdanken, die das Projekt mit fünf Millionen Rubel (125.000 Euro) finanziert.
"Die Verhandlungen waren nicht einfach", gesteht Osetrow. "Anfangs war es schwer, eine gemeinsame Sprache mit den Skolkowo-Leuten zu finden", sagt er. Speziell die Rechts- und Finanzabteilung stellte sich quer. " Ich wollte sie im ersten Anlauf nehmen und blieb dann drei kostbare Monate im Papierkram stecken", so Osetrow. Er musste Mitarbeitern kündigen und die eigene Wohnung aufgeben, weil das Geld fehlte. Osetrow hatte auf weniger Bürokratie und mehr Transparenz gehofft, doch am Ende hat er die schwierige Phase, "das Tal des Todes" durchschritten.
Die Zeit, in der ein Projekt schon hohe Entwicklungskosten verursacht, ohne marktfähig zu sein, ist für viele Jungunternehmer hart. Genau hier soll Skolkowo ansetzen: "Wir schließen die Lücke zwischen der Idee eines Unternehmers und dem Interesse großer Investoren", sagt Alexander Turkot, Executive Director des IT-Clusters von Skolkowo. Die Stiftung helfe bei der Projekt-Kommerzialisierung, erklärt er.
500 Bewohner
Derzeit gibt es 500 Bewohner in Skolkowo, davon knapp 200 in der IT-Branche. Daneben sollen sich Firmen aus den Bereichen Atomtechnologie, Biomedizin, Energieeffizienz und Weltraumforschung ansiedeln. Bisher existiert der Technopark freilich nur auf dem Papier. Die Fördergelder werden daher zumindest bis 2014 auch an auswärtige Firmen vergeben. Doch langfristig soll sich Skolkowo selbst zum Mittelpunkt der russischen Hightech-Industrie entwickeln. Geht es nach Premier Dmitri Medwedew, der als Präsident das Projekt ins Leben gerufen hat, wird Skolkowo zum Motor der russischen Modernisierung.
Politisches Vorzeigeprojekt
Das aus dem Kreml gepushte Projekt garantiert finanzielle Vorteile: Gut 2,1 Milliarden Euro an Steuergeldern gibt es in den nächsten fünf Jahren für den Aufbau der Infrastruktur. Freilich beginnen mit dem Eingreifen der Politik auch die Probleme für Skolkowo. Russlands "Silicon Valley" ist eben keine von unten gewachsene IT-Community, sondern eine von oben aufgesetzte Idee mit all ihren bürokratischen Nebenwirkungen. Das beginnt schon bei der Lage. Obwohl es in Russland dutzende Wissenschafterstädtchen gibt, wurde ausgerechnet ein unbebauter Flecken zwei Kilometer vom staugeplagten Moskauer Autobahnring entfernt zur russischen IT-Hauptstadt auserkoren. Neben dem Transportproblem fehlen auch die Erweiterungsmöglichkeiten.
Zudem setzt der Kreml in erster Linie auf die großen Namen: Intel, Cisco, IBM. Auf deren Bedürfnisse werde Skolkowo mehr zugeschnitten als auf die Klein- und Mittelständler. Doch Microsoft und Co würden in Russland sicher nicht die neuesten Projekte entwickeln lassen, bemängeln Kritiker.
Turkot allerdings widerspricht: "Wir brauchen die großen Partner, um für die kleinen Firmen ein Umfeld zu schaffen", sagt er. Skolkowo werde der IT-Branche einen Schub geben. "Wenn die Politik hilft, können in dem Sektor ein bis 1,5 Millionen Arbeitsplätze entstehen", sagt Turkot. Ganz so groß sind die Pläne von Osetrow nicht: Er will seine derzeit fünf Mitarbeiter auf 15 aufstocken. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 29.08. 2012)
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