Mehr Beschäftigung Älterer als Goldader

Andreas Schnauder
28. August 2012, 18:10

7,4 Milliarden Euro Entlastung brächte es Österreichs Budget, wenn der Erwerbsanteil wie in Deutschland steigen würde

Alpbach - EcoAustria hat einen fiktiven Geldkoffer mit zum Europäischen Forum Alpbach gebracht. Das wirtschaftsnahe Forschungsinstitut sieht gewaltiges Potenzial zur Budgetentlastung in einer Anhebung der Erwerbstätigkeit Älterer. Derzeit zählt Österreich mit einer Beschäftigungsquote von knapp 43 Prozent in der Gruppe der Personen zwischen 55 und 64 Jahren zu den europäischen Schlusslichtern und zufällig auf jenem Niveau, das Deutschland im Jahr 2000 verzeichnete. Würde nun die seit diesem Jahr im großen Nachbarland erzielte Steigerung der Erwerbstätigkeit um gut ein Fünftel auf Österreich übertragen, würde das die Bruttoeinkommen um zehn Mrd. Euro erhöhen.

Das wäre auch für den Staat äußerst lukrativ. Er würde um 7,4 Prozent entlastet, weil er nicht nur an der höheren Beschäftigung mitnaschte, sondern sich auch Arbeitslosen- oder Pensionsleistungen ersparte. Die von EcoAustria im Auftrag der Industriellenvereinigung erarbeitete Studie kommt zu dem Ergebnis, dass vom Anstieg der Beschäftigten um 226.000 Personen Frauen (126.000) stärker profitieren als Männer (100.000).

Wie sieht es nun mit dem oft vorgebrachten Argument aus, dass höhere Altersbeschäftigung die Jobchancen der Jungen verschlechtere? Das habe sich weder in Deutschland gezeigt, noch lasse sich die These anderweitig empirisch belegen, heißt es sinngemäß in der Studie. Zudem habe sich auch die erhöhte Zuwanderung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs großteils in mehr Beschäftigung und nur zu einem geringen Teil in höherer Arbeitslosigkeit niedergeschlagen.

Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung, sieht die Erhöhung der Erwerbstätigkeit Älterer als vorrangiges Ziel an. Damit könnten Potenziale ausgeschöpft werden, um den zukunftsorientierten Anteil der Budgetausgaben wie Bildung und Familie von derzeit einem Viertel deutlich anzuheben. Eine Umorientierung sei notwendig, um einen "Kollaps des Systems zu verhindern", ohne Gegenmaßnahmen drohten Ge nerationenkonflikte, erklärte Kapsch. Gerade bei Reformen im Pensionsbereich gehe es aber nicht nur um Lenkungsmaßnahmen, sondern auch um Einstellungen der Bürger. So streben laut Studie hierzulande 57 Prozent der Männer eine vorzeitige Pensionierung zwischen 60 und 64 an, in Deutschland bloß 29 Prozent. Bei den Frauen ist der Unterschied noch eklatanter.

Kapsch sprach sich zudem für eine "Fließpension" aus, bei der die Leistung von den eingezahlten Beiträgen und der restlichen Lebenserwartung abhängt. Damit erübrige sich ein gesetzliches Pensionsalter. Er spricht sich ansonsten aber für ein höheres Antrittsalter nach dem Muster Deutschlands aus (67 Jahre bei Männern). "Wenn es keine Fließpension gibt, müssen wir mit dem Antrittsalter in die Höhe gehen", sagte der neue IV-Chef Georg Kapsch am Dienstag in Alpbach. Auch das Pensionsalter für Frauen müsse schneller nach oben angeglichen werden. Die Altersteilzeit bezeichnete Kapsch als "Schlupfloch", das geschlossen werden müsse.

"Warnsignal"

Rückendeckung erhielt die Industrie von der Wissenschaft. Christian Keuschnigg, Chef des Instituts für Höhere Studien, plädierte ebenfalls für eine stärkere Anhebung des effektiven Pensionsalters. Ohne diesen Schritt drohten Leistungsreduktionen und Beitragserhöhungen.

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) findet, dass viele Frührentner wieder auf den Arbeitsmarkt zurückgebracht werden könnten, würde man sie nicht in Frühpension schicken, sondern in Therapie. In Alpbach sprach sie Invaliditätsrentner mit Drogenproblemen oder Bandscheibenproblemen an, womit sie sich Widerspruch von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) einhandelte. Dieser verwahrte sich dagegen: die Masse der Invaliditätspensionisten würde keinen Joint rauchen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; 29.8.2012)

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Auch Du sollst schlauer werden !

Du möchtest ein wenig über Geld wissen, dann schaue hier http://www.youtube.com/watch?v=qgT1UrsIyyw

nun denn, liebe industrie, das heißt für euch: keine sozialpläne mehr, mehr geld für gesundheitsamßnahmen am arbeitsplatz, mitarbeiterbindung, weg vom headcount als kennzahl - könnt und vor allem wollt ihr euch das tatsächlich leisten?

weil es ist doch so: jeder unternehmer ist für die anhebung des pensionsalters - aber keiner will mitarbeiter über 50.

und die 7,4 Milliarden könnten sie dann gleich wieder den Banken in den Rachen schmeissen!

Also liebes Volk, ab jetzt heisst es arbeiten bis 90!

denn gehts der FI gut gehts uns doch allen gut oder?

realitätsfremd

ab 40 nimmt dich halt keiner mehr....alles sinnloses geplappere bin 44 und dadurch trotz int. hochschulausbildung und int. erfahrung unvermittelbar seit 2 jahren arbeitslos....solche artikel ärgern mich sehr

Woran liegt das?

[] Sie sind dumm, faul und frech
[] Sie sind zu teuer

Wenn Sie sich für "Sie sind zu teuer" entscheiden, muss das gar nicht an Ihnen liegen. - Es könnte an unserer weltweit beinahe einzigartigen Abgabenquote liegen.

Irgendwo her muss die Kohle für die Frühpensionen schließlich kommen.

es liegt an der wirtschaft

ich habe brav meinen nachfolger als stellvertreter eingelernt und nach drei monaten wurde ich gekündigt und er hat meinen platz übernommen, er war unter 30, vom ehemaligen osten und hat die hälfte bekommen, da in der slovakei angestellt und als tagespendler eingestellt..so ist die realität, über 30 prozent der MA waren vom ehemaligen osten...internationalisierung globalisierung...das war es ..und das kommt so verstärkt

Ach Unlustig, denken ist nicht deine Stärke.
Selbst wenn der böse Staat die Abgaben senken würde hätte die Dame auch keinen Job weils einfach zu viele arbeitslose Jugendliche gibt.
Ausserdem ist das Problem am Alter nicht, dass man zu teuer ist, sondern man besser Bescheid weiß. Ein Jugendlicher lässt sich halt noch leichter übers Ohr haun, daher werden die immer und ewig den Älteren vorgezogen werden.

jaja ...

.. das ist wirklich bitter. Deshalb ergibt es für mich keine Ersparnis wenn Leute bis 65 arbeiten, wenn die jungen zuhausesitzen. Sie haben aber so gesehen noch Glück im Unglück, eine Bekannte mit 45 (BWL Studium und ewige Berufserfahrung) findet auch keinen Job, der sagte man am AMS sie müsse flexibel sein - deshalb bekommt sie über das AMS Portal jetzt Stellen als Teilzeitverkäuferin bei Penny & Co zugesendet mit der Begründung der AMS Betreuerin dass man sich nach der Decke strecken muss.

kenn ich

also ich könnte die schwester der dame sein auch 44 und BWL studiert, bitte empfehlen sie ihr sie soll sich mit dem ams in verbindung setzen und sich für das fit programm anmelden, frau in technik, ich beginne ein informatik studium und hoffe dann durch fachkräftemangel doch eines tages einen job zu bekommen, regalbetreung ist eine gemeinheit..also bitte der dame von diesem programm erzähle lg an eine "gleichleidende"

kann man die ams-betreuer

fragen, was sie dann leuten mit der qualifikation "regalbetreuer" raten?

Die bekommen ganz leicht einen Job.

.. die dürfen laut AMS sowieso nicht arbeislos sein, weil es diesbezüglich ja ohnehin genug Stellen gibt. Dass diese meist nur Teilzeit sind und oft kaum mit den Kinderbetreuungszeiten vereinbar, ist eine andere Frage. Trotz allem habe ich durch private Kontakte etwas Einblick. Das AMS schreibt Kurse mit einer def. Anforderung aus und der "Billigstbieter" bekommt den Zuschlag. Dann müssen die Plätze aber auch gefüllt werden denn es wird ja der Kurs als Paket beim Anbieter gekauft. Darin liegt auch der Grund warum viele Leute in Kurse gesteckt werden, die ihnen wenig nützen - es liegt am zu füllenden Kontingent.

und die "jungen" sind dann halt bis 35 arbeitlos!!!

falls sie dann vielleicht einen arbeitsplatz bekommen, müssen die bis weit über siebzig arbeiten gehen, weil ihnen ja die jahre für einen pension fehlen!

das rechnet sich nur für die wirtschaft und die pensionsversicherungsanstalten, nicht für die menschen!

was soll das für einen sinn haben!

die jugen sind dann wie sie sagen arbeitslos. Wenn die jungen aber nicht einmal eine Ausbildungsstelle bekommen finanziert das AMS einen Berufsorientierungskurs für 1 Monat. Von wegen jeder bekommt einen Ausbildungsplatz (das gibt es in NÖ so nicht!). Wenn ein jugendlicher einmal Jahre zuhause ist dann wirds auch immer schwerer dass er ins Arbeitsleben integriert werden kann. Das Problem ist, dass es viele jugendliche gibt, die bemüht sind aber trotzdem kein Mittelschulzeugnis mit 1/2er haben. Früher lernten diese jugendlichen ein Handwerk, heute nimmt kein Betrieb mehr diese Kinder. Selbst für eine Lehre beim Fussl/DM benötigt man ein Top-Zeugnis. Nur was passiert mit den anderen, die brav nach Vorgabe arbeiten & keine großen Denker sind?

Es gibt immer weniger junge,

und es gibt immer weniger Arbeitsplätze, je mehr unproduktive Pensionisten es gibt, die produktiv und wertschöpfend sein könnten.

Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit weist Österreich in Europa mit die allerbesten Werte auf ... http://wko.at/statistik... h/jarb.pdf

8% bei einem EU Durchschnitt von 20% und teilweise fürchterlichen Werten wie zB 45% in Spanien.

Woher kommt dieses so tiefliegende Gefühl bei uns, dass in Österreich alles schlecht ist? Genau das Gegenteil ist wahr.

@ironing: Das war bis vor einer Jobveränderung in bei einem großen Finazdienstleiter Lehrlingsbereuer (200 Lehrlinge) und habe daher auch die Kontakte zum AMS gehabt bzw. sehs in meine Bekanntenkreis. Noch in den 80ern konnte man nach der PS mit 15 eine Lehre als Bürokaufmann/Großhd.kfm. beginnen. Mit einem HASCH Abschluß kamen sie in jedes Büro. Heute benötigen sie Matura um dann als Bürolehrling (verkürte Lehre 2 Jahre) zu arbeiten. Noch in den 80ern wurden jugendliche die "wollten" von jedem Handwerksbetrieb genommen - wer in der Schule keine Leuchte war, wurde Bäcker, Mechaniker weil es dort um die praktischen Fähigkeiten ging. Heute stellt diese jugendlichen kein Mensch mehr ein. (Fortsetzung)

(Fortsetzung)

Den Lehrplatz für alle den gibt es nicht, am Land gibt es keine Lehrwerkstätten und als NÖ dürfen Sie nicht nach Wien in eine Lehrwerkstätte (Fördervereinbarungen AMS). Jugendliche werden dann in Beschäftigungsprogrammen versteckt zumeist für 6 Monate in NÖ bei der Emaus Gemeinschaft (Inhalt: Zeitungen austragen, Holz einsackeln, Emaus-Flohmarkt). Einen Lehrstelle bekommt man dadurch natürlich nicht, aber die die Kids sind damit nicht als arbeitslos gefüht. Betriebe wie DM/Fussl schreiben sich auf die Fahnen, dass sie die besten nehmen. Ihr gutes Recht, nur was passiert mit den anderen..

"Die von EcoAustria im Auftrag der Industriellenvereinigung erarbeitete Studie"

Nonanet!

ich möchte

meine basis-altersvorsorge vom staat
meine private AV flexibel selber bestimmen, keine förderungen/subventionen dafür (ob bausparen oder steuervorteile - hilft eh nur banken/versi.)
ich will, dass jeder alte öst. eine basisvesorgung bekommt/erhalten bleibt, insb. in pension
ich will, dass alte bis 65 arbeiten gehen können, dann aber nicht mehr müssen (flaschensammeln wie in brd!)

ich will nicht, dass der staat da privaten entscheidungen reinspuckt
ich will nicht, dass alte weiber mit 3pensionen enorme pensionen erhalten
ich will weniger steuern zahlen, weil weniger umverteilt/subventioniert werden sollte

ist doch alles mist wenn der staat was plant auf 40 jahre (pension). drum legt er die kohle ja auch um (umlageverfahren) und nicht an.

Ja genau

Arbeiten bis man in die Grube fällt und wenn nicht dann zumindest keinerlei Kosten verursachen. Denn das will die Industrie sich nicht leisten.

Warum spricht eigentlich nie jemand von den vielen arbeitslosen Superreichen, die uns mit Billionenbeträgen auf der Tasche liegen? Warum spricht nie jemand von den, diesem Gesindel angehängten, tausenden Volksverblödungsvereinen wie der Industriellenvereinigung, die uns ebenfalls Milliarden kosten?

Warum hört überhaupt jemand zu wenn die IV etwas von sich gibt. Dieser Verein ist in Sachen Erwerbsarbeit überhaupt kein Ansprechpartner.

Selbstverständlich funktioniert das derzeitige System nur,

weil eine Schicht von überarbeiteten mittelprächtig-Verdienern die ganze privilegierte Beamten-, Lehrer, ÖBB, etc. Schicht erhalten, muss, die ohne jemals noch auf Arbeitsfähigkeit überprüft zu werden (wie es dem ASVG Frühpensionisten jährlich blüht!) - oft bei bester Gesundheit und mit gut bezahlten Nebenjobs noch ein gesichertes und wohlhabendes Frühpensionisten-Leben führen. Das geht halt nur, wenn auf der andere Seite welche ausgebeutet werden, die dann hoffentlich aufgrund der Überlastung vorzeitlich das Zeitliche segnen!

Weil DIE in einer kapitalistischen Herrschaft nunmal die Macht haben!

Der Mensch ist ja nichts wert, ebenso wenig wie die Arbeitsleistung eines Menschen!

Scheißsystem! Gebt doch den Arbeitnehmern einfach einen gerechten Anteil vom Kuchen ab.

Damit soll dann jeder einen *vorgeschriebenen* Anteil (etwa 30% von Nettoeinkommen) auf sein eigenes Pensionskonto einzahlen, so dass am Ende der Erwerbstätigkeit genug für 20 weitere Lebensjahre übrigbleibt. Erst wenn jemand länger lebt als diese 20 Jahre nach dem Pensionsantritt soll das Sozialsystem einspringen. Gibt man früher den Löffel ab, fällt der verbleibende Kontostand dem Staate zu.

Schon klar, dass sich der Übergang dorthin von unserem wachstumsbasierenden Kamikazesystem schwierig gestalten wird - aber von nix kommt nix.

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