Vermessung der syrischen Revolution

Überblick über Gebietkontrolle, Kämpfe und Flüchtlinge im vom Krieg gebeutelten Syrien

Seit dem Ausbruch des Aufstands in Syrien sind verlässliche Informationen über den Konflikt rar. Nur wenige ausländische Journalisten berichten unter schwierigen Bedingungen aus dem bürgerkriegsgebeutelten Land. Auch internationale Beobachter sind nach dem Abbruch der UN-Friedensmission kaum mehr im Land.

Das Washingtoner Institute for the Study of War (ISW) hat in einem 35-seitigen Bericht die Entwicklungen im Land analysiert. Anhand von Berichten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und der offiziellen Syrisch-Arabischen Nachrichtenagentur SANA wurden mehrere detaillierte Karten zur Situation in Syrien veröffentlicht. In rund 25 Prozent aller Fälle konnte das ISW Überschneidungen in den Berichten sowohl von der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle als auch von offiziellen Regierungsberichten feststellen. Die auf der Karte rot markierten Gebiete gelten als von "Rebellen gehaltenen Zonen", die laut ISW de facto unter Kontrolle der Freien Syrischen Armee (FSA) stehen. Die auf der Karte hellgrün eingezeichneten Gebiete sind Regionen, in denen die Bevölkerung mehrheitlich das Regime unterstützt. (Für Details auf die Karte klicken)

 
Syrien - Rebellen- und Regimetreue Gebiete auf einer größeren Karte anzeigen

 

Religion

Mit der Dauer des Konflikts steigen auch die religiösen Spannungen in dem multireligiösen und multiethnischen Land. Syrien wird von der schiitischen Minderheit der Alawiten (auf der Karte orange)regiert, zu der auch die Familie von Präsident Bashar al-Assad gehört. Schätzungen zufolge machen sie zusammen mit anderen Syrern schiitischer Konfession (auf der Karte hellgelb) rund 12 Prozent der Bevölkerung aus.

Sunniten hingegen stellen mit 75 Prozent die Bevölkerungsmehrheit dar.

Mit 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung stellen die Christen (auf der Karte blau) eine bedeutende Minderheit im Land dar. Neben den großen Ballungszentren sind christliche Minderheiten vor allem im Nordwesten Syriens ansässig.

Im Süden Syriens stellen die Drusen (auf der Karte lila) eine bedeutende Minderheit in Syrien dar. Insgesamt sind jedoch nur zwei bis drei Prozent der syrischen Bevölkerung Drusen.

Kurden (auf der Karte braun eingezeichnet), deren Siedlungsgebiet sich im Nordosten des Landes befindet, sind Syriens größte ethnische Minderheit. Schätzungen zufolge sind zwischen neun und zwölf Prozent der Bevölkerung Syriens Kurden. Die Mehrheit der syrischen Kurden bekennt sich zum sunnitischen Islam, allerdings gibt es auch bedeutende Minderheiten an Yeziden und Christen kurdischer Abstammung in Syrien. Neben den Kurden mit syrischer Staatsbürgerschaft leben im Staatsgebiet Syriens Schätzungen zufolge auch rund 200.000 Kurden ohne Staatsbürgerschaft. Den meisten davon wurde ihre Staatszugehörigkeit nach einer umstrittenen Volksabstimmung 1962 entzogen. Verglichen mit anderen Landesteilen waren die kurdischen Gebiete lange Zeit ruhig, jedoch brachen Proteste in den Städten El Darbeseya, Amoud und Qamischli aus.

Syrien - Religiöse Minderheiten auf einer größeren Karte anzeigen

Flüchtlinge

Mit der Dauer des Konflikts stieg auch die Zahl der Flüchtlinge. Waren Anfang des Jahres erst 22.000 Menschen aus Syrien als Flüchtlinge im Ausland registriert, so waren es im August bereits rund 180.000 Menschen, die bei der UNHCR als Flüchtlinge registriert waren.

Die größte Zahl an Syrern flüchtete in die Türkei. Laut türkischen Behörden wurden bisher rund 75.000 Personen als Flüchtlinge registriert.

Rund 43.000 Menschen sind in Jordanien als Flüchtlinge bei der UNHCR registriert (Stand 22. August), weitere 5000 warten noch auf ihre Registrierung. Schätzungen zufolge befinden sich rund 150.000 Syrer in Jordanien, viele davon illegal.

Im Libanon haben sich rund 38.000 Menschen bei der UNHCR als Flüchtlinge registriert, weitere 10.000 Menschen sind nicht registriert, erhalten aber dennoch Unterstützung.

Im Irak sind rund 15.000 Syrer beim Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen registriert. Diese Zahl spiegelt jedoch ausschließlich Personen, die offiziell Unterstützung von den Vereinten Nationen erhalten. Die Dunkelziffer dürfte auch im Irak deutlich höher liegen.

Insgesamt schätzen die Vereinten Nationen, dass rund 2 Millionen Syrer auf der Flucht vor der Gewalt sind, eine Million davon sind sogenannte "Internally Displaced Persons" - Flüchtlinge im eigenen Land. (Für Details bitte auf die Karte klicken und vergrößern)


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(stb, derStandard.at, 29.8.2012)

Kartensymbole: Google Maps, NicolasMollet (cc)

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