Ethikunterricht: Laizisten warnen vor "proreligiösem Lobbyismus"

28. August 2012, 15:21

Kirche schlägt Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht vor - Initiative "Religion ist Privatsache" dagegen

Wien - "Vorsichtige Unterstützung" hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) für das von ihr geplante Pflichtfach Ethik für alle Schüler am Dienstag von der laizistischen Initiative "Religion ist Privatsache" bekommen. Deren Vorstand Eytan Reif erwartet allerdings angesichts des "heftig betriebenen proreligiösen Lobbyismus" durch die ÖVP und deren Vorfeldorganisationen noch einen heißen Herbst in Sachen Ethikunterricht. Biochemikerin Renee Schroeder wünschte Schmied deshalb "Durchhaltevermögen gegenüber Kirchenlobbyisten und bildungsfernen Politikern".

Ethik nur als Alternative

Die gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften haben am Dienstag zwar erneut die Einführung eines Ethikunterrichts befürwortet, wie Christine Mann, geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress betonte. Allerdings wünschen sie den Besuch des Ethikunterrichts lediglich "als Alternative für diejenigen, die - aus welchen Gründen auch immer - keinen Religionsunterricht besuchen".

Vorschlag "lächerlich"

Eben dieses Ansinnen stößt bei "Religion ist Privatsache" auf harsche Kritik. Schroeder ortet einen "zynischen Totalangriff auf die Bildung in Österreich". Heinz Oberhummer, Astrophysiker und Obmann der Initiative, wertet den Vorschlag als "lächerlich, einer aufgeklärten Gesellschaft nicht würdig und politisch motiviert". "Wer heute behauptet, dass Bibel- oder Koranstunden einen gleichwertigen Ersatz für einen fundierten und weltanschaulich neutralen Ethikunterricht liefern, wird als Nächstes für den Kreationismus als Ersatz für das Pflichtfach Biologie eintreten." Oberhummer warnt außerdem davor, Religionslehrer im Ethikunterricht einzusetzen. Die Initiative "Religion ist Privatsache" werde dagegen "gegebenenfalls juristisch vorgehen", kündigte er an. (APA, 28.8.2012)

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Ethikunterricht als Alternative zu Religion? Aber ja!

Ich seh nix Negatives dran, Religionsunterricht durch Ethikunterricht zu ersetzen, und zwar vollständig.

Wird Zeit, daß der Glaube endgültig aus unseren Schulen verschwindet und dem Wissen Platz macht.

Herr Oberhummer scheint ein Bild von Religionsunterricht zu haben, das überhaupt nicht zutrifft. Weder christlicher noch islamischer Religionsunterricht sind mit Bibel- oder Koranstunden gleichzusetzen. Folglich ist der ganze Rest des Satzes sinnlos und es wundert mich, dass ein Wissenschaftler seine Ausgangspunkte nicht besser prüft, bevor er solche gewagten - eindeutig nicht stichhaltigen - Aussagen tätigt.

keine ahnung, wie lang der reli-unterricht bei dem ein oder anderen her ist, aber heutzutage (bin erst zwei jahre "draußen") ist der kath religionsunterricht ziemlich umfassend; bei manchen äußerungen hier hat man ja das gefühl, dass im reli-unterricht propaganda betrieben wird. ich weiß aus eigener erfahrung (und nicht nur aus dieser), dass man hauptsächlich etwas über andere Religionen, Sekten etc hört & auch ganz "weltliche" Dinge wie Ethik, Moral, gesellschaftliche Probleme bzw aktuelle Themen durchnimmt - das einzig per se katholische sind dann meistens hintergrundgeschichten und erklärungen, was zb zu fronleichnam eig gefeiert wird. das kann man meiner meinung nach auch ruhig wissen, ist ja immerhin ein gesetzlicher feiertag in ö. :)

das geht einfach nicht...das problem ist, dass die meinung von wissenschaft un kirche in wichtigen punkten einfach gegenüber steht...

zB.: verhütung!

oder abtreibung oder schöpfungslehre oder gleichberechtigung von frauen oder anerkennung von homosexualität etc etc.

aber allein ein einzgies arguemnt ist eigentlich schon ausreichend:

die gleichberechtigung der frau ist ein grundrecht, da sind wir uns einig, oder?
die kirche erlaubt frauen das priesteramt nicht, was eindeutig ein verstoß gegen diese grundrechte ist!

ein verein, der nichteinmal die wichtigesten udn grunsätzlichsten rechte eines staates vollumfänglich anerkennt auch nur irgendeinen zugriff auf die kidenserziehung zu geben ist eigentlich pervers

Um noch einmal zur Ausgangslage zurückzukommen, eine wichtige Bemerkung: der Religionsunterricht ist nicht dazu da, dass jungen Menschen die Meinung der Kirche indoktriniert wird.
Bei genauerem Überlegen verstehe ich eigentlich nicht, wie Sie als Antwort auf nudaveritas überhaupt zu den Äußerungen über Ihren Ärger mit der Kirche kommen. Aber gut, Sie werden schon wissen warum. Ich wünsche Ihnen alles Gute! Beste Grüße.

Sie vermischen hier zum Teil verschiedene Ebenen. Z.B. geht es der Kirche bei Themen wie Verhütung und Abtreibung um ethische Fragen, der (Natur-)Wissenschaft um funktionale Zusammenhänge. Mit der ethischen Beurteilung befasst sich auf wissenschaftlicher Ebene die philosophische Ethik, die jedoch verschiedene Positionen zulässt.
Die Fragen des Frauenpriestertums und der kirchl. Sicht auf Homosexualität sind viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Voreilige Beurteilungen in diesem Bereich greifen zu kurz.
Die Schöpfungslehre steht überhaupt nicht im Gegensatz zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, wenn sowohl Naturwissenschaft als auch Theologie die je eigenen Erkenntnisgrenzen respektieren.

Die Kirche beweist durch ihre moralische Verkommenheit klar und unwiderlegbar, daß es ihr nicht zusteht, zu ethischen Fragen irgendwelche Regeln aufzustellen.

Bei alldem, was sich die Kirche über Jahrhunderte geleistet hat bis hin zum aktuellen Umgang mit den Mißbrauchstätern in den eigenen Reihen, gibt es für die Kirche zu ethischen Fragen nur noch eines zu tun:

Und zwar zu schweigen.

ich vermsiche nicht, ich woltle aufzeigen, dass es eben auf all diesen ebenen gegensätze gibt..und zwar extreme:

zb: abtreibung, die kirche ist gegen abtreibung und zwar völlig (fragen sie den papst) also selbst ein 12 jähriges vergewaltigetes mädchen muss das kind austragen!

die kirche fidnet nur das ethisch...ein großteil der menschen findet es aber unethisch ein mädchen zu so etwas zu zwingen! --> gegensätzlich!

und evolutionstheorie und kreationisten stehen nicht im gegensatz???

und das mit dem annähern haben sie schön gesagt, aber in der realität funktioniert das nur wenn sich die religion annähert...also statt "vor 2000 jahren in 7 tagen erschaffen" sagen sie halt "ok sollens ein paar millionen jahre sein aber gott hatte immer seine hand im spiel"

wann gab es irgenwelche zugeständisse der wissenschaft??

Naturwissenschaft und Religion haben verschiedene Interessensebenen.

Naturwissenschaft fragt: Wie verhält sich die Wirklichkeit wirklich? Religion fragt: Warum ist die Wirklichkeit so wie sie ist?
Wenn es "Annäherungen" der Religion gegeben hat, dann nur, weil man erkannt hat, dass die Grenzen der Religion überschritten worden sind.
Heute überschreiten jedoch viele Naturwissenschaftler die Grenzen ihrer Wissenschaft indem sie von der objektiven Beschreibung der Wirklichkeit auf bestimmte weltanschauliche Deutungen schließen, die sie dann der Religion gegenüberstellen und behaupten, dass die Religion deshalb der Wissenschaft widerspräche. Dabei widerpricht sie nur ihrer (naturalistischen) Weltanschauung und nicht der Wissenschaft als solcher. Aber es stimmt, das ist noch selten zugestanden worden.

"Der Wissenschafter weiß das er glaubt! Der Gläubige glaubt das er weiß!"

“The good Thing about sciene is that it`s true whether or not you believe in it!” Neil de Grasse Tyson
Die gute Sache an Wissenschaft ist das sie wahr ist, ob man dran glaubt oder nicht!

Stimmt...

...allerdings nur so lange sie nicht falsifiziert ist. Und der vernünftig Gläubige weiß im Übrigen auch, dass er glaubt.

So a Bledsinn...

Die Naturwissenschaft stellt sehr wohl die Frage nach dem Warum!
Denn ohne diese Frage würde es keine Erkenntnis und damit kein neues Wissen geben.

Die Religion hingegen fragt überhaupt nicht.
Sondern sie erfindet Märchen, lehrt Menschen, in ihrer Unwissenheit zufrieden zu verharren und stellt Dogmen auf, die als Denkverbote das Fragen verhindern sollen.

Darum kann es zwischen Religion und Wissenschaft auch niemals eine Annäherung geben, denn Religion ist der Feind des Wissens.

Ok

Mein Argument war offensichtlich zu ungenau formuliert, da warum nach Dingen fragen kann. Was ich meinte, war, dass Naturwissenschaft nicht nach einem dahinterliegenden Sinn fragt. Tut sie das?

Natürlich tut sie das! Und ihr Argument war übrigens schon von Anfang an falsch.

Naturwissenschaften arbeiten ergebnisoffen. D.h. sie würden einen "dahinterliegenden Sinn" akzeptieren, wenn es auch nur den kleinsten Hinweis darauf geben würde.

Religionen hingegen stellen eine bloße Behauptung auf, es gäbe einen Sinn, einen lenkenden Geist oder was auch immer, weil sie sich das so wünschen. Und das wird dann für bare Münze genommen und als wahr verkauft. Behauptung zu überprüfen oder sich durch Fakten ergebende Widersprüche aufzulösen, fällt ihnen nicht gar ein.

In der Religion wird einfach stur geglaubt, notfalls auch wider besseres Wissen. Das kann man gern machen, wenn man das wirklich will.

Nur darf man sich dann halt nicht beklagen, daß man immer nur beim Dorfturnier spielt und nie zur Bundesliga zugelassen wird

Angenommen Sie liegen richtig, warum gibt es dann auch zahlreiche NaturwissenschaftlerInnen, die religiös sind? Für sie ist es offensichtlich kein Problem, Glauben und Wissen zusammen zu bringen. Für mich übrigens auch nicht. Ich bin gläubige Christin und interessiere mich gleichzeitig sehr für wissenschaftliche Erkenntnisse und lehne sie nicht ab. Die Behauptung, dass Religionen einfach nur bloße Behauptungen aufstellen, kann nicht stimmen. Nichts fällt einfach so vom Himmel. Diese "Behauptungen" haben immer einen bestimmten Erfahrungs- und Reflexions-Entstehungshintergrund. Ich würde mich freuen, wenn Sie etwas mehr Offenheit und Toleranz Andersgläubigen entgegen bringen würden

"Ich würde mich freuen, wenn Sie etwas mehr Offenheit und Toleranz Andersgläubigen entgegen bringen würden."

Ach, Offenheit und Toleranz...
Schon interessant, daß Religionen ausschließlich dann Offenheit und Toleranz fordern, wenn es um sie selbst geht. Und daß sie immer dann tolerant werden, wenn sie nicht mehr an der Macht sind.

Nein, zu Offenheit und Toleranz gegenüber Religionen sehe ich nicht den geringsten Anlass. Denn Religionen haben es bereits oft genug bewiesen und beweisen es immer noch, dass sie bösartig und moralisch korrupt sind und alles vergiften, wenn sie nur glauben (sic!), dass sie damit ungestraft durchkommen.

Und außerdem:
Ich bin weder "Gläubiger" noch "Andersgläubiger", denn ch glaube gar nicht.
Und worüber sie sich freuen würden, interessiert mich nicht einmal soviel wie wenn ein Sack Reis in China umfällt.

Gut, ich war wieder mal zu ungenau. Entschuldigung.

Ich meine in diesem Fall natürlich einfach "Gläubigen" gegenüber. Es ist nicht so, dass Religionen nur Toleranz fordern, wenn es um sie selbst geht. Ich als religiöser Mensch finde Toleranz und Respekt Ihnen gegenüber genau so wichtig. Eigentlich diskutiere ich hier nur noch weiter mit Ihnen, weil von Ihren Standpunkten was lernen will. Es ist gut, dass es verschiedene Sichten auf die Welt gibt und überall findet sich Positives und Negatives, wenn man genauer hinschaut. Auch atheistische Ideologien haben schon bewiesen, dass sie unter Umständen sehr schlechtes Verhalten initiieren und fördern können. Ebenso gibt auch sehr gute Beiträge zur Weltgestaltung von Atheisten. Aber Ihre Sicht ist vermutlich eine andere, oder?

"Angenommen Sie liegen richtig, warum gibt es dann auch zahlreiche NaturwissenschaftlerInnen, die religiös sind?"
Ach? Wieviele denn? Tatsächlich sind "religiöse Naturwissenschafter" eine Minderheit. Und diejenigen, die sich als religiös bezeichnen - naja, Naturwiss. sind wie alle anderen Menschen auch nicht davor gefeit, eventuell privat ziemliche Deppen zu sein.

"Die Behauptung, dass Religionen einfach nur bloße Behauptungen aufstellen, kann nicht stimmen."
Ach ja? Wann hat eine Religion denn jemals auch nur eine einzige Behauptungen bewiesen?
Ich kanns ihnen beantworten: Noch nie. Weil gerade da der Glaube sein Ende gefunden hätte und durch Wissen ersetzt worden wäre. Damit hätte sich aber postwendend die Religion erledigt.

Sind Sie (Natur-)Wissenschaftler?

Darauf geb ich mit Absicht keine Antwort, weils vollkommen unwesentlich ist.

Ich bin ein Mensch, der nachdenkt und sich nicht irgendeinen Blödsinn einreden lässt.

Ja, es gibt Unterschiede zwischen der ethischen Beurteilung in Abtreibungsfragen zwischen der Kirche und vielen Menschen. Der Großteil der Menschen ist jedoch nicht die Wissenschaft, wie Sie vorher behauptet haben. (Großteil der Menschen =/= Wissenschaft)
Natürlich stehen Evolutionstheorie und Kreationismus im Gegensatz. Aber Kreationismus und kath. Schöpfungslehre sind zwei verschiedene Dinge, die zu unrecht gleichgesetzt werden. Nach der Schöpfungslehre hat Gott nämlich nur insofern seine Hand im Spiel, als er auf einer Metaebene die selbstständige Evolution ermöglicht. Die Methoden der Naturwissenschaft können diese Annahme weder approbieren noch negieren.

Kreationismus und christliche Schöpfungslehre sind EBEN NICHT zwei verschiedene Dinge.

Sie unterscheiden sich allerhöchstens in ein paar kleinen Details, aber im Endeffekt sind sie genau dasselbe: Märchen.

Daß Gott laut Schöpfungslehre bei der Evolution die Hand im Spiel hätte, ist schlicht und einfach nur eine freche Lüge. Und nebenbei bemerkt eine ziemlich schlechte, da man sie jederzeit mit Hilfe einer (problemlos verfügbaren) Bibel als solche entlarven kann.

Solche Argumentationen sind wirklich mehr als billig.

Leider falsch

Auch wenn Sie vielleicht gerne so hätten, aber ihre Meinung ist leider falsch, weil zu einfach. Die SchöpfungsLEHRE finden Sie nicht in der Bibel, da sie eine Theorie ist, die zwar auf Interpretationen der SchöpfungsGESCHICHTE aufbaut, aber weitaus komplexer und darüber hinaus gedacht ist. Sie mögen sich vielleicht in der Biologie sehr gut auskennen, aber von Theologie scheinen Sie leider sehr wenig zu verstehen...

Nachdem sie sich in Spitzfindigkeiten flüchten, aber meine Aussagen nicht widerlegt haben, gehe ich davon aus, daß sie es nicht schaffen, mich zu widerlegen.

Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel ist nichts anderes als ein Märchen aus der Bronzezeit. Und jede "Lehre", die darauf aufbaut, ist genauso ernstzunehmen wie eine Lehre, die meinetwegen auf dem Märchen von Rotkäppchen aufbaut.

Außerdem ist die Schöpfungslehre EBEN KEINE Theorie, sondern im besten Fall eine Hypothese. Denn eine Theorie benötigt Beweise, die diese stützen, und diese fehlen bei der Schöpfungslehre vollkommen. Und nein, Bibelstellen als "Beweise" zu zitieren ist keine Beweisführung, sondern allhöchstens lächerlich.

Und was die Theologie angeht, kenne ich sie gut genug, um zu wissen, daß sie eben keine Wissenschaft ist.
Weil sie völlig unwissenschaftlich arbeitet.

Es zwingt Sie niemand, ihre festen Überzeugungen zur Schöpfungslehre - ich bleibe dabei - aufzugeben. Wenn Sie unter Wissenschaft einzig und allein empirische Natur- und Sozialwissenschaft verstehen, ist klar, dass Sie der Theologie den Wissenschaftsstatus aberkennen. In diesem Verständnishorizont kann ich auch ihre Position zu Theorie und Hypothese verstehen. Mein Verständnis von Theorie war mehr der Alltagsterminologie entnommmen. Dennoch habe ich den leisen Eindruck, dass Sie gar nicht verstehen wollen, was die Bedeutung einer Schöpfungslehre sein könnte.

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