Der Staat lässt sich beim Zahlen viel Zeit

Für das Begleichen von Rechnungen lassen sich Bund, Länder und Gemeinden im Schnitt 42 Tage Zeit, Privatkunden sind zuverlässiger

Wien - Öffentliche Aufträge sind zwar wegen der meist hohen Bestellsummen begehrt, doch beim Bezahlen ist der Staat ein schlechter Kunde. Für das Begleichen von Rechnungen lassen sich Bund, Länder und Gemeinden heuer im Schnitt 42 Tage Zeit - um vier Tage mehr als noch vor einem Jahr. Private Kunden sind da weitaus zuverlässiger - sie zahlen unverändert innerhalb von 18 Tagen. Firmenkunden sind mit einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 31 Tagen um nur einen Tag säumiger als 2011, geht aus der jüngsten Studie des Kreditschutzverbandes KSV1870 hervor.

"Die öffentliche Hand legt bei der Zahlungsdauer leider deutlich zu", sagte der Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, Johannes Eibl, am Dienstag in einer Pressekonferenz. Besonders schwach ist die Zahlungsmoral in diesem Bereich im Osten Österreichs.

Ausnahme Gesundheitsbereich

Geht es nach der EU, müsste sich sich die Zahlungsmoral des Staates schon bald schlagartig verbessern. Laut der neuen Zahlungsverzugsrichtlinie, die im März 2013 in Kraft treten soll, wären Rechnungen innerhalb von 30 Tagen zu begleichen. "Das heißt, im Osten Österreichs ist ein Drittel mehr an Geschwindigkeit notwendig", betonte Eibl. Eine Ausnahme bildet den Angaben zufolge der Gesundheitsbereich. Dort schreibe die Richtlinie 60 Tage vor. "Die Sanktionen bei einem Verstoß kennen wir noch nicht, es wir am Entwurf gearbeitet", räumte der KSV-Experte ein.

Im Burgenland lässt die öffentliche Hand ihre Rechnungen am längsten liegen (46 Tage), in Wien und Oberösterreich sind es 45 Tage. Dahinter folgen die Steiermark und Niederösterreich mit 44 bzw. 43 Tagen. Um fast zwei Wochen schneller als die Behörden im Burgenland zahlen jene in Vorarlberg (35 Tage). Doch auch die Tiroler (37 Tage) sowie die Salzburger und Kärntner (jeweils 39 Tage) brauchen wesentlich weniger lang als die Ostösterreicher.

Spitzenfeld im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich liegen die Österreicher mit ihrer Zahlungsmoral generell nach wie vor im Spitzenfeld. In Europa beträgt die durchschnittliche Zahlungsdauer 52 Tage - hierzulande sind es aber nur 31. Damit rangiert die Alpenrepublik auf dem zweiten Platz - hinter Finnland (27 Tage) und vor Norwegen (34 Tage). Knapp dahinter folgen gleichauf Deutschland, Estland und Schweden mit 35 Tagen. Das Schlusslicht bildet Spanien mit 97 Tagen. Ebenfalls langsam beim Zahlen sind Italien (96 Tage), Portugal (90 Tage), Zypern (90 Tage) und Griechenland (80 Tage).

In Österreich sind nur rund ein Viertel aller Kunden mit dem Bezahlen ihrer Rechnungen in Verzug - bei den Privatkunden sind es nur 17 Prozent. Mindestens drei Viertel überweisen das Geld für erbrachte Leistungen innerhalb des Zahlungsziels, also pünktlich. Die gängigen Gründe für Verzögerungen sind Vergesslichkeit, vorübergehende Liquiditätsengpässe, Vorsatz oder Überschuldung.

Für 2013 rechnet fast die Hälfte (45 Prozent) der 2.500 vom KSV befragten Unternehmen mit einem unverändert guten Zahlungsverhalten ihrer Kunden, eine Verbesserung erwarten nur fünf Prozent. Der Anteil der Pessimisten, die eine Verschlechterung sehen, ist allerdings um 10 Prozentpunkte auf 33 Prozent gewachsen. Dennoch kalkulieren 90 Prozent der Unternehmen im zweiten Halbjahr 2012 weiterhin mit einer guten oder zumindest befriedigenden Geschäftslage.

"Die Prognosen und Stimmungen zeigen, dass die österreichischen Unternehmen keinesfalls zu den Pessimisten oder Jammerern gehören, obwohl die Zukunft des Euro-Raums oftmals von düsteren Prognosen geprägt ist", fasste der Vorstand der KSV1870 Holding AG, Johannes Nejedlik, zusammen. Die Einschätzung sei zwar etwas kritischer als vor einem Jahr, "aber weit weg von schlecht". (APA, 28.8.2012)

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