Fluggastrechte bei Streiks

28. August 2012, 13:51

Geld zurück, aber keine Entschädigung - Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug

Berlin - Von Streiks betroffene Passagiere haben ab einer bestimmten Wartezeit Anspruch auf Betreuung durch die Fluggesellschaft. Entschädigung gibt es bei Streiks aber nicht.

Informationen: Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung und Umbuchung: Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Verspätung: Bei Flügen bis zu 1.500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1.500 bis 3.500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3.500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit: Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung: Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Zu Recht, wie der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) erst vor kurzem entschied: Streiks könnten als außergewöhnlicher Umstand von Airlines "nicht beherrscht" werden. (APA, 28.8.2012)

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7 Postings
das Problem

der BGH hätte als letzte Instanz in dieem Verfahren den EuGH um Vorentscheidung ersuchen MÜSSEN.

Es ist also keineswegs gesichert, dass diese Meinung des BGH Bestand hat, denn jedes deutsche AG oder LG oder auch BG oder LG in Österreich kann in einem ähnlichen (jetzt provozierten) Verfahren den EuGH anrufen und der kann das ganz anders sehen als der BGH ...

Frage: Verpasste Anschlussflüge

Besteht ein Anspruch auf Entschädigung wenn die Verspätung von mehr als 3 Stunden durch Verpassen eines Anschlussfluges zustande kommt, wobei die gesamte Reise als Einheit bei der selben Fluglinie gebucht wurde?

Beispiel:
Miami - Madrid - Wien (Iberia)
Der Miami-Madrid-Flug ist um 2 Stunden verspätet, dadurch wird der Anschlussflug verpasst. Mit dem späteren Anschlussflug ergibt sich eine Gesamtverspätung von ca. 7 Stunden. Besteht Anspruch auf Entschädigung?

BGH (die Deutschen fliegen einfach mehr)

28.05.2009, Xa ZR 113/08
Vorlagebeschluss 13.03.2012, X ZR 127/11

Korrektur!

letzteres war kein Vorlagebeschluss, sondern ein Unterbrechungsbeschluss, um abzuwarten, bis folgende Verfahren vor dem EuGH zu genau dieser Frage beantwortet sind:
Rs C-11/11 und verb Rs C-436/11 und C-437/11

siehe curia.eu

jeder kriegt beim Einsteigen ein Lunchpaket

die Tür kriegen die Passagiere auch noch zu .. und fertig

Kein Flug ohne Flugbegleiter!

Und wie

soll sich der Flug ohne Bord-Verkauf rentieren?

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