Alter des Vaters wichtiger als das der Mutter?

Lisa Mayr
1. Oktober 2012, 16:45
  • Wie sehr das Alter des Vaters die Kindergesundheit beeinflusst, wird den Forschern zufolge unterschätzt.

    Wie sehr das Alter des Vaters die Kindergesundheit beeinflusst, wird den Forschern zufolge unterschätzt.

Eine aktuelle Studie legt nahe, dass reife Väter häufiger Kinder mit Autismus und Schizophrenie zeugen

Dass die sprichwörtliche biologische Uhr nicht nur für Frauen tickt, weiß die Wissenschaft schon länger. Zwar können Männer, anders als Frauen, ihr gesamtes Leben lang Keimzellen zur Fortpflanzung bilden. Die Qualität dieser Zellen sinkt allerdings mit dem Äterwerden. Und das kann negative Folgen für die kindliche Gesundheit haben, wie eine aktuelle isländische Studie nahelegt, die im Fachmagazin "Nature" publiziert wurde. Die Forscher um Kari Stefansson von der Pharmafirma DeCode Genetics wollen eindeutig belegt haben, dass ältere Männer häufiger Kinder zeugen, die später an Autismus oder Schizophrenie erkranken. Grund dafür sei die höhere Mutationsrate von Keimzellen älterer Männer.

Mehr Zellmutationen

"Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass Entwicklungsstörungen bei Kindern mit dem Alter der Mutter zu tun haben", sagt Studienleiter Stefansson. Dabei scheine das Alter des Vaters entscheidend zu sein. "Das Einzige, was sich mit dem zunehmenden Alter der Mutter erhöht, ist das Risiko für eine Trisomie-21. Das Alter der Väter spielt aber eine viel größere Rolle", so Stefansson. So würden Väter ihren Kindern deutlich mehr Genmutationen "vererben" als Frauen - im Durchschnitt 55 Mutationen gegenüber 14 bei den Frauen. Und im Gegensatz zu den Männern habe das Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Zeugung keinen vergleichbaren Einfluss auf die Genmutationen des Kindes. Die Zahl der neuen Mutationen, die vom Vater weitergegeben werden, steige dagegen exponentiell mit dessen Alter.

Keine "Altersgrenze" für Vaterschaft

Wiederholt haben Studien belegt, dass das Alter des Vaters Einfluss auf die Gesundheit des Neugeborenen hat. In der aktuellen Studie hatten die Forscherinnen und Forscher das genetische Material von 78 isländischen Familien mit Kindern untersucht. Das Alter der Väter habe sich dabei klar als entscheidender Risikofaktor für die Herausbildung von Autismus und Schizophrenie im späteren Leben der Kinder erwiesen. Ein 36-jähriger Mann würde bereits doppelt so viele Mutationen an sein Kind weitergeben wie ein Zwanzigjähriger; ein Siebzigjähriger acht Mal so viele, schätzt Kari Stefansson. Eine "Altersgrenze" für Männer, die Vater werden wollen, möchte der Genforscher aber nicht empfehlen - dafür gebe es zu viele andere Faktoren, die die Gesundheit eines Neugeborenen beeinflussen würden.

Genetiker beruhigt

Ältere Männer mit Kinderwunsch müssten aufgrund der aktuellen Studie keineswegs in Panik verfallen, beruhigt der Genetiker Darren Griffin von der Universität Kent gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Zwar sei der in der Studie nachgewiesene Einfluss des väterlichen Alters auf die Kindergesundheit signifikant. "Allerdings hat der Mensch drei Milliarden Basenpaare in seiner DNA. Die Zahl der Mutationen, die diese Studie bei älteren Vätern gefunden hat, liegt bei ein paar Dutzend." (Lisa Mayr, derStandard.at, 1.10.2012)

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18 Postings

Angeblich ist Autismus ja vererbbar. Kann ja auch sein, dass autistische Männer einfach nlänger brauchen, bis sie eine Partnerin gefunden haben, dir Kinder mit ihnen will.

Genau!

Aber die Forscher wollen es "eindeutig belegt haben". :-(

Ist es wirklich so schwer, Korrelationen von Kausalitäten zu unterscheiden? Sogar für Berufswissenschaftler?! (Von Journalisten ist man das ja gewohnt ...)

das bedeutet, rechtzeitig vorsorgen mit der staatlich geförderten pensionssamenbank?

die Studie ist zum Hintern-auswischen.

Welchen Durchschnitt will man denn mit 78 Personen errechnen.
Wo leben diese Personen. Wie ist deren Physiognomie/Konstitution.

Es gibt auch viele Junge Menschen welche schlechte Spermien haben. Bei diesen "ALten" kann es sich also auch schon um solche handeln, welche in ihrer Jugend ein schlechtes Sperma hatten.

Menschen mit großen Nasen bekommen des öfteren Kinder mit großen Nasen.

Wenn die Samenzellen einen Schaden aufweisen, so müsste doch deren Beweglichkeit eingeschränkt sein. Das bedeutet, dass sie gar nicht die schnellsten sein können.

Wie viel hat diese Studie gekostet?

vielleicht haben diese Menschen auch eine Erschwerung im Leben verdient? Entweder so oder so. Live is good

bei der stichprobengröße lassen sich sicher ganz tolle rückschlüsse ziehen

Die Anzahl von 78 bezieht sich auf die deep sequencing Daten, also die Daten mit denen die durchschnittliche Mutationsrate berechnet wurde. Zu den anderen Daten kommen sie mit größeren Fallzahlen.

Uhh, 78 Familien

Da hat sich einer aber reingehängt bei seiner Studie.

Frage: Wie viele Autisten gibt es so durchschnittlich in 78 Familien? 0 oder 1?

Wie Signifikant waren die Studieergebnisse eigentlich? Schätze < 25%

leider ist die Standard Zusammenfassung schlecht, im Original steht dann dieses:

Consistent with other epidemiological studies in Iceland, the risk of schizophrenia increases significantly with father’s age at conception (n = 569, P = 2?×?10-5). Father’s age is also associated with the risk of ASD. The observed effect is limited to non-familial cases (n = 631, P = 5.4?×?10-4), defined as those in which the closest ASD relative is farther than cousins. The epidemiological results, the effect of father’s age on de novo mutation rate shown here, together with other studies that have linked de novo mutations to autism and schizophrenia, including three recent studies of autism through exome all point to the possibility that, as a man ages, the number of de novo mutations in his sperm increases...

Der Quatsch schon wieder

Ja, hat mich gleich wieder dran erinnert, dass ich wohl eigentlich autistisch, schizophren oder beides sein sollt... -.-

Von Billionen und Milliarden

"Allerdings hat der Mensch drei Billionen Basenpaare in seiner DNA."

Das ist falsch. Der Mensch hat nämlich 3,27 × 10^9 Basenpaare. Wahrscheinlich wurde wieder einmal gedankenlos "billion" fälschlicherweise mit Billion statt Milliarde übersetzt.

Widerspruch im Artikel:

"...mit dem zunehmenden Alter der Mutter erhöht, ist das Risiko für eine Trisomie-21..."

''Und im Gegensatz zu den Männern habe das Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Zeugung keinen Einfluss auf die Genmutationen des Kindes.''

Diese 2 Aussagen widersprechen sich DIREKT zueinander!

Trisomie 21 ist zwar "irgendwas mit den Genen" aber keine Genmutation.

kein Widerspruch in meinen Augen...

Denn "Genmutationen" sind Veränderungen in der DNA Sequenz, im Gegensatz zu Chromosomenanomalien bzw -fehlsegregationen (wie quaxi v frosch schon geschrieben hat).

Und dass die Zahl an DNA Mutationen nur in Männern mit dem Alter zunimmt, ist dabei nicht unbedingt überraschend:
Denn, währen die Eizellen der Frau nur einmal (ganz früh, bereits im Fötus) und in sehr begrenzter Zahl vollzählig ausgebildet werden, ist die Situation im Mann eine ganz andere. Dort finden viele, viele Zellteilungen mehr, kontinuierlich über das gesamte Leben statt. Die DNA wird häufiger kopiert - und dies mit einer bestimmten Fehlerrate, sowie wird diese Fehlerrate mit höhrem Alter wohl auch noch ansteigen.

Mit Mutation sind hier wahrscheinlich Genmutationen im Gegensatz zu Chromosomenaberrationen gemeint.
Wobei diese Textpassage meint, dass ein ganz bestimmter Defekt - nämlich die Trisomie21- zwar vom mütterlichen Alter abhängt, aber die genetischen Veränderungen insgesamt zahlenmäßig mit dem alter des Vaters zusammenhängen.

Triesomie = numerische Chormosomenanomalie != Mutation

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