Die Geister, die man ruft, zahlen nicht

  • Dieses Bild diente der Uefa wohl als Beweis. Dass Rapid-Fans im Stadion von Thessaloniki Raketen zündeten, stimmt.
    foto: apa/ neubauer

    Dieses Bild diente der Uefa wohl als Beweis. Dass Rapid-Fans im Stadion von Thessaloniki Raketen zündeten, stimmt.

  • Präsident Rudolf Edlinger hat vor dem Rückspiel "keine Angst".
    foto: apa/ neubauer

    Präsident Rudolf Edlinger hat vor dem Rückspiel "keine Angst".

Ein Urteil lässt Interpretationsspielraum zu, aber Rapid ist mit 75.000 Euro Strafgeld und einem Geisterspiel gar nicht so schlecht davongekommen. PAOK Saloniki traf es weit härter. Beide Klubs berufen. Über interne Konsequenzen wird wieder einmal nachgedacht

Wien/Nyon - Die Rapid-Granden tagten am Dienstag stundenlang. Sie hatten gegen zehn Uhr Vormittag das nicht gerade heiß ersehnte Fax der Uefa erhalten. Der Inhalt war nicht überraschend, er befasste sich mit den Vorfällen am 23. August, den Ausschreitungen anlässlich der Europa-League-Partie bei PAOK Saloniki.

Geisterspiel und Geldstrafe

Die Disziplinarkammer verdonnerte die Hütteldorfer zu einem Heimspiel ohne Zuschauer sowie zu einer Geldstrafe von 75.000 Euro. Für die Griechen setzte es sogar drei Geisterspiele und 150.000 Euro. Zudem droht sowohl Rapid als auch PAOK ein Ausschluss aus einem internationalen Bewerb, für den man sich in den nächsten fünf Jahren sportlich qualifiziert, sollte es erneut zu Tumulten kommen. Diese Strafe wurde mit einer Bewährung von drei Jahren ausgesprochen. Das Rückspiel am Donnerstagabend im Hanappi-Stadion ist nicht betroffen. Beide Vereine legten Berufung ein, sie haben dazu drei Tage Zeit. Im Gegensatz zur erstinstanzlichen Entscheidung besteht im Verfahren der zweiten Instanz die Möglichkeit, persönlich Stellung zu nehmen. Die Entscheidung des Senates ist verbandsintern endgültig, sie kann beim Internationalen Sportgerichtshof CAS beeinsprucht werden.

Die Uefa führte "Zuschauerausschreitungen", "Sachbeschädigungen" sowie das "Zünden und Werfen von Feuerwerkskörpern" als Verfehlungen des Rapid-Anhangs an.

Edlinger: "Definitiv große finanzielle Einbußen"

Präsident Rudolf Edlinger wird am Mittwoch eine Pressekonferenz geben. Am Dienstag teilte er schriftlich mit: "So schwer auch die Rahmenbedingungen unserer Anhänger rund um das Spiel in Thessaloniki waren, war klar, dass uns harte Strafen für das Abfeuern der gefährlichen Pyrotechnik erwarten. Als Präsident ist es meine Pflicht zu versuchen, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Ein Geisterspiel - etwa in der Gruppenphase - bringt definitiv große finanzielle Einbußen. Da die Verfehlungen eines kleinen Teils unserer Anhänger in einem Auswärtsspiel und nicht in einer Begegnung daheim passierten, ist für uns die Verhältnismäßigkeit der ausgesprochenen Sanktionen nicht gegeben. Über weitere Konsequenzen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine detaillierten Aussagen machen."

Von einer "existenziellen Bedrohung" war nicht mehr die Rede. Um eine Relation herzustellen: 75.000 Euro verdienen zwei gute Kicker. Pro Monat. Nach dem Platzsturm im Derby im Mai 2011 wurde Rapid von der Liga zu einem Geisterspiel und 50.000 Euro verdonnert, der Klub hat es überstanden. Edlinger sagte zum Standard, also mündlich: "Die Existenz ist durch das Urteil nicht bedroht, es hätten ja auch 500.000 Euro sein können. Abgesehen davon kann es passieren, dass man sich nicht für den Europacup qualifiziert."

Nicht nur ein "paar Idioten"

Das wahre Problem Rapids ist, dass der Umgang mit den Fans, den Ultras, ein Jammer ist. Die Geister werden immer wieder gerufen (weil sie so schöne Choreografien machen?), und man wird sie immer wieder nicht los. Es sind nicht nur ein "paar Idioten", die Zahl der Verhaltensauffälligen liegt im dreistelligen Bereich. In Saloniki wurden sieben verhaftet, drei davon reisten in einem vom Verein organisierten Flieger an. Das Rückspiel am Donnerstag fällt unter "Hochsicherheitsrisiko". Viele der 800 PAOK-Fans landen in Bratislava. Edlinger: "Ich habe keine Angst." (hac, APA, DER STANDARD, 29. August 2012)

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