Bawag verliert beim Vorsteuergewinn

28. August 2012, 15:12
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Der Vorsteuergewinn sinkt im Halbjahr um fast 14 Prozent auf unter 80 Millionen Euro, beim Ausblick ist man vorsichtig

Wien - Die BAWAG P.S.K. rechnet mit einer Fortsetzung der - nicht nur - "für Banken schwierigen Zeiten". Im Umfeld anhaltend niedriger Zinsen, der Staatsschuldenkrise in der Eurozone, schwacher Konjunktur sowie weiterer Regulierungsvorgaben erwartet die Bank im zweiten Halbjahr 2012 ein schwächeres operatives Ergebnis, erläuterte Bankchef Byron Haynes heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz in Wien den eher trüben Ausblick. Die frühere Gewerkschaftsbank, seit 2007 hauptsächlich im Besitz des US-Hedgefonds Cerberus, sei jedoch gut aufgestellt und habe in den ersten sechs Monaten ein "solides operatives Ergebnis" erzielt.

Die Risiken in den europäischen Krisenländern hat die BAWAG weiter vermindert. Gegenüber Griechenland, Portugal und Irland hat die BAWAG kein Exposure mehr in ihren Büchern. Spanische und italienische Staatsanleihen bleiben noch mit zusammen 50 Mio. Euro in den Büchern. Das griechische Exposure sei mit einem minimalen Verlust von unter einer Million Euro völlig abgebaut worden, zeigte sich Haynes zufrieden.

Von Rufen nach einem Austritt Österreichs aus der Eurozone hält der Bankchef überhaupt nichts. "Der Euro ist hier um zu bleiben", sagte er. In der Debatte werde gerne vergessen, welchen wachstumsfördernden Effekt die europäische Gemeinschaftswährung auf ihre Mitgliedsländer bisher gehabt habe. Die Eurozone könnte zwar geringen Veränderungen ausgesetzt sein, aber "der Euro ist eine globale Währung", betonte er.

Jüngste Berichte über einen geplanten Verkauf des BAWAG-Leasinggeschäfts schwächte der Bankchef heute ab. Ob das Leasing verkauft werde oder nicht, sei noch nicht fix, derzeit befinde man sich erst am Anfang eines "möglichen" Verkaufsprozesses. Verschiedene Sektoren würden derzeit durchleuchtet und ihre Ertragsstärke bewertet, dazu gehöre auch das Leasing. Durch ein "Leck" sei eine Information darüber an die Öffentlichkeit gekommen, bedauerte Haynes.

Filialmodernisierungsoffensive wird fortgesetzt

Erfolge im Bankgeschäft sieht die BAWAG P.S.K. sowohl bei Privat- als auch bei Geschäftskunden: Die Filialmodernisierungsoffensive gehe weiter, bis Jahresende sollen in Kooperation mit der Post rund 500 neu gestaltete Filialen in Betrieb sein. Das internationale Geschäft wird ausgebaut: Das Portfolio stieg von 2,3 Mrd. auf 3,2 Mrd. Euro, dabei seien auch im ersten Halbjahr 2012 keine Risikokosten entstanden.

Die ersten sechs Monate 2012 fielen ergebnismäßig für die Bank schwächer aus als der entsprechende Vorjahreszeitraum. Der Jahresüberschuss (vor Bankenabgabe und Steuern) sank um 14 Prozent auf 78,9 Mio. Euro. 12,7 Mio. Euro führte die BAWAG als Bankenabgabe ab. Der Nettogewinn von 96,6 Mio. Euro (plus 23,1 Prozent) ergibt sich nur durch 32,3 Mio. Euro "latente Steuern", die das Vorsteuerergebnis (66,2 Mio. Euro, -18,7 Prozent) deutlich auffetten.

Die wesentlichen Ratings des Finanzinstituts wurden im Juni durch die Ratingagentur Moody's bestätigt - während andere Banken deutliche Downgradings hinnehmen mussten, konnte sich Haynes einen Seitenhieb auf die Branche nicht verkneifen. Die Risikokosten sind um 1,8 Prozent auf 77,5 Mio. Euro leicht gefallen.

Verbessert hat sich die Kapitalkraft: Die harte Kernkapitalquote stieg von 7,8 Prozent auf 8,8 Prozent per Ende Juni 2012. Gestärkt wurde die Kapitalposition durch den Rückkauf von Hybridkapital (262 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2012, 65 Prozent des Emissionsvolumens), einbehaltene Gewinne und eine "Optimierung der risikogewichteten Aktiva". Die BAWAG P.S.K. erfülle die Basel-III-Kritierien, den Stresstest der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) im Frühling 2012 habe das Institut problemlos bestanden.

Franken-Affäre: Offen für Mediation

Haynes hat unterdessen auch seine Bereitschaft für eine Mediation im Streit mit der Stadt Linz über einen Franken-Swap bekräftigt. "Unsere rechtliche Position bleibt eine Position der Stärke", sagte er, trotzdem sei man zu einer Mediation bereit. Darüber werde derzeit verhandelt, war vom Rechtsberater der Stadt Linz, Universitätsprofessor Meinhard Lukas, zu erfahren.

Dass bei der im Jahr 2011 begonnenen rechtlichen Auseinandersetzung mit der Stadt Linz bisher viel Zeit verstrichen sei, ist für den Bankchef nicht angenehm: "Ich bin frustriert." Das juristische Verfahren dauere bereits viel länger als er gedacht habe. Sollte die Mediation scheitern, sei die BAWAG bereit, den Fall vor Gericht auszujudizieren. Vertreter der Bank wie der Stadt Linz verhandeln derzeit über den Entwurf einer Mediationsvereinbarung. Eine solche müsse vom Gemeinderat beschlossen werden, so Lukas. Das könne frühestens in der Sitzung Mitte September der Fall sein.

Die Stadt Linz hat - nach ihrer Darstellung durch ihren damaligen Finanzdirektor - zur Absicherung einer auslaufenden Kreditlinie über 195 Mio. Schweizer Franken (damaliger Kurs: 152 Mio. Euro) 2007 mit der Bank eine Art Kurs-Zins-Wette abgeschlossen. Durch den Kursanstieg des Franken ist der Wert des Swap 4175 inzwischen auf mehrere hundert Millionen Euro gewachsen, die zusätzlich zur Kreditschuld zu zahlen wären. Die Stadt hat beschlossen, nicht mehr zu zahlen und eine Klage über 30,64 Mio. Schweizer Franken (24,8 Mio. Euro) eingereicht. Die BAWAG hat kurz nach der Zahlungsverweigerung den Vertrag gekündigt und ihrerseits auf 417,74 Mio. Euro geklagt. Das Handelsgericht Wien hat den Kontrahenten die Aufnahme von Vergleichsverhandlungen nahegelegt.  (APA, 28.8.2012)

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Glücklicherweise noch ein Gewinn, stünde hier Verlust, müsste man befürchten, dass Faymann&Spindelegger wieder eine unsinnige Verstaatlichung durchführen.

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