Unruhen in Kenia nach Ermordung eines islamistischen Predigers

28. August 2012, 10:12

Hunderte Demonstranten liefern sich Straßenschlacht mit Polizei - Mindestens ein Todesopfer

Nairobi - Bei neuen Krawallen in der kenianischen Küstenstadt Mombasa sind am Dienstag drei Menschen getötet worden. Aufgebrachte Jugendliche hätten eine Handgranate in einen Polizeiwagen geworfen, sagte ein Mitglied des Geheimdienstes. Dabei seien zwei Beamte und ein Zivilist getötet worden. Der Angriff habe sich im muslimischen Bezirk Kisauni ereignet, wo die Jugendlichen zwei Kirchen in Brand setzten, Geschäfte plünderten und Barrikaden aus brennenden Autoreifen errichteten. Während christliche und muslimische Geistliche zur Ruhe aufriefen, saßen Touristen zum Teil in ihren Hotels fest.

Die Unruhen in der kenianischen Hafenstadt Mombasa nach der Ermordung eines radikalen Geistlichen haben am Dienstag den zweiten Tag in Folge angehalten. Hunderte junge Demonstranten warfen am Morgen Steine, beschädigten Autos und Geschäfte und versuchten, ins Zentrum der von vielen Touristen besuchten Metropole vorzudringen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auslöser der Unruhen war der Tod des islamistischen Predigers Aboud Rogo Mohammed, der am Montag von Unbekannten erschossen worden war.

Regierung verantwortlich gemacht

Vertreter muslimischer Organisationen hatten nach dem Mord die Regierung für die Tat verantwortlich gemacht und ihr außergerichtliche Hinrichtungen vorgeworfen. Am Montag wurde bei den Ausschreitungen in Mombasa laut Polizei mindestens ein Mensch getötet. Eine wütende Menge lieferte sich dabei Straßenschlachten mit der Polizei.

Mohammed stand auf den Sanktionslisten von USA und UNO, weil er Geld für die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz in Somalia gesammelt und Kämpfer rekrutiert haben soll. Laut UNO war er auch der "wichtigste ideologische Anführer" der islamistischen Gruppe Al-Hijra in Kenia, die als enger Verbündeter der Al-Shabaab-Miliz gilt. Die Al-Shabaab-Miliz kontrolliert weite Teile Somalias und hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. (APA, 28.8.2012)

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13 Postings
Solche Morde haben nicht selten Gruppenintern Ursachen ..

.. kann gut sein dass sein Nachfolger sich heimlich ins kalte Fäustchen lacht.

Seltsam, wieso sich die friedliebenden Moslems immer solidarisieren, sobald ein Terrorfundi erwischt wird. Sollten die nicht froh sein, dass es weniger Barbarei und Mord gibt?

Sie schieben die Verantwortung hin und her...

denn immer waren's die Anderen. In zwei Wochen bin ich vor Ort und werd' mir das aus nächster Nähe ansehen. Bin gespannt ob die Bevölkerung auch so denkt wie USA und UNO. Muß aber vorsichtig sein, denn der Einfluss von al-Shabaab in der Region ist groß. Mich wundert nur, dass nicht energischer gegen diesen militanten Islamismus in der Region vorgegangen wird. Denn dieser fördert nur zusätzliche Radikalisierung durch "identitätsstiftenden" Populismus. Ich vermute, dass die Region für Industrieländer zu unbedeutend ist, abseits des Waffenhandels.

Die Al-Shabaab-Miliz hätte mich fast schon einmal umgebracht, als ich nicht unweit der Bombenanschläge in Kampala zum WM-Finale war. Klopf auf Holz, dass das auch so bleibt.

unweit des WM-Finales?

Ganz witzig, das zeigt den Ortskenner, der 'unweit der Bombenanschläge in Kampala' beim WM-Finale war und dadurch in Lebensgefahr war. Nur liegt Südafrika halt zu vernachlässigende 3000km von Kampala entfernt. Oesterreich ist also gleich Tschetschenien? Zu dumm, das ist nur die halbe Distanz von 3000km. Also vielleicht ist Oesterreich gleich Irak, Syrien, Libyen und Somalia?
Ich lebe in ständiger Angst vor irakischen Bombenanschlägen..... Dank Dir...

Ja, Frau Gerda, sie haben den Durchblick. :-)

Na ja, daß der Vorposter das im TV gesehen hat, konnte man ja wohl vermuten

Und falls Ihnen das damals entgangen sein sollte:

http://www.spiegel.de/politik/a... 05909.html

Public Viewing ... um genau zu sein.

Na ja, das ist ja manchmal aber auch nur ein TV, oder? (Ist schon etwas her, daß ich in Kampala war, da wäre das beim Africa Cup jedenfalls so definiert gewesen...)

Würde Ihnen generell zustimmen, in dem Fall war es aber mit Beamer auf zwei Leinwänden, eine fürs Lokal, die andere für den Vor- Parkplatz. Das war in Kisementi, im "Just Kicking"-Sportsbar. Eine typische Bar, nur lässt die Preisklasse leider fast keine Einheimischen zu.

Generell eröffnen immer mehr "Mzungus" Bars und Restaurants in gehobener Preisklasse. Zumindest hat sich, was Lokalitäten betrifft, vieles getan, und auch die grauenhaften potholes sind "gefühlt" weniger geworden.

Jetzt hat mich Ihr Beitrag dazu gebracht, mich via Suchmaschine mal über ein paar Plätze zu informieren, die ich von damals noch in Erinnerung habe - und habe so erfahren, daß das Guesthouse, damals noch recht neu, in dem ich abgestiegen war, "has been used before by criminals from DRC, Rwanda and Tanzania." Und 2009 wurde da dann einer der bedeutenderen Akteure des Genozids in Ruanda gefaßt (Idelphonse Nizeyimana).

Ach, die ganze Region hat und hatte immer schon auch ohne die islamistischen Spinner genug üble Dinge zu durchleiden.

Sie sind häufiger beruflich in Uganda? Ich bin dahingehend z.Zt. eher bei Tansania gelandet - und auch dort beklagen sich viele Einheimische über eine zunehmende Penetranz bestimmter islamischer Strömungen.

"Vertreter muslimischer Organisationen hatten nach dem Mord die Regierung für die Tat verantwortlich gemacht und ihr außergerichtliche Hinrichtungen vorgeworfen."

Außergerichtliche Hinrichtungen sind definitiv nicht okay. Allerdings würde es mich doch interessieren, ob sich dieselben (!) Vertreter denn auch mal zum Wirken dieses Aboud Rogo Mohammed oder der von ihm unterstützten Organisationen und deren Gräueltaten geäußert haben. Das verdiente schon einmal einer journalistischen Nachfrage.

Die Täter-Opfer-Umkehr ist nicht nur in der österreichischen Politik bemerkbar. Das Spiel geht immer wieder von Neuem los, die Racheaktionen hören nicht auf, solange die Justiz nicht aktiv wird. Doch die nationale Justiz ist in ihren Möglichkeiten beschränkt, dafür braucht es militärischen Einfluss der AU und AMISOM. Afrika muß das selbst regeln, sonst gibts wieder eine nationale Ideologie kontra dem Westen, was natürlich in vielerlei Hinsicht ein Blödsinn ist, doch leider der Populismus von radikalen Extremisten in Entwicklungsländern starken Zulauf hat.

in der religion des friedens ist das nicht vorgesehen.

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