Tristesse auf Frankreichs Arbeitsmarkt

28. August 2012, 08:49

Die Lage am französischen Arbeitsmarkt trübt sich merklich ein - zum nunmehr 15. Mal in Folge. Knapp drei Millionen sind ohne Job

Paris -  In Frankreich gerät die neue sozialistische Regierung wegen der Konjunkturflaute nur wenige Monate nach Amtsantritt zunehmend unter Druck. Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault räumte am Montagabend im Fernsehen erstmals ein, die Wirtschaft werde im nächsten Jahr womöglich doch nicht so stark wachsen wie erhofft. Die Regierungsprognose von 1,2 Prozent müsse möglicherweise etwas gesenkt werden, sagte Ayrault, ohne jedoch eine neue Zahl zu nennen.

Die meisten Volkswirte trauen der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone nach einer Stagnation in diesem Jahr 2013 nur ein Plus von 0,5 bis 1,0 Prozent zu. Für das laufende dritte Quartal sagt die Zentralbank des Landes sogar eine Schrumpfung um 0,1 Prozent voraus. Damit erhalten Hoffnungen auf eine rasche Erholung nach der Wahl einen Dämpfer.

Hollandes Popularitätswerte brechen ein

Die Wirtschafts- und Arbeitsmarktmisere belastet auch das Ansehen von Präsident François Hollande. Allein im August brachen seine Popularitätswerte in einer Ipsos-Umfrage zum Vormonat um elf Punkte ein. Eine Senkung der Wachstumsprognose könnte ihm weitere Zustimmung kosten. Viele Franzosen sind der Ansicht, dass die Regierung nicht genug gegen die steigende Arbeitslosigkeit unternimmt. Diese will noch in dieser Woche ein Beschäftigungsprogramm vorstellen.

Massive Stellenstreichungen bei großen Konzernen wie dem Autobauer PSA Peugeot Citroën oder dem Einzelhändler Carrefour haben auch die Gewerkschaften auf den Plan gerufen. Die jüngste Statistik ergab: In Frankreich gibt es mit fast drei Millionen so viele Arbeitslose wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. Ihre Zahl kletterte im Juli den 15. Monat in Folge auf nunmehr 2,987 Millionen, wie das Arbeitsministerium am Montagabend mitteilte. Das waren 41.300 mehr als im Juni. Es ist der höchste monatliche Anstieg seit der Finanzkrise von 2008 und 2009 und zugleich der höchste Stand seit Juni 1999. Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass sich der Trend im September fortsetzen wird. Viele Firmen hätten Stellenstreichungen bewusst vor den Wahlen im Mai und Juni aufgeschoben.

Zuletzt wuchsen die Sorgen, dass sich die Euro-Schwergewichte Deutschland und Frankreich dem Abwärtsstrudel ihrer Handelspartner in der Währungsgemeinschaft kaum noch entziehen können. Denn Länder wie Italien und Spanien stecken tief in der Rezession und finden derzeit keinen Weg aus der Krise. (APA/Reuters, 28.8.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 36
1 2

Ohne diese Gewerkschaftsfanatiker stünde Frankreichs Arbeitsmarkt unendlich besser da.

jeder hat eine arbeit, nur keiner verdient was dabei?

santa fe auf Urlaub?

Sozialdividende, Existenzgeld, Basic Income Guarantee oder wie immer man das nennt.
Die einzige Lösung für eine friedliche Zukunft scheint ein bedingungsloses Grundeinkommen zu sein.

Eh klar, damit die Leute noch weniger Anreiz haben produktiv zu werden.

es fehlt nicht der anreiz sondern die möglichkeit. oder denken sie ernstlich, dass in spanien und griechenland die hälfte der jugen nicht arbeiten WILL?

Wer wirklich arbeiten will...

...findet immer irgend etwas.

Man kann ja auch eine eigene Firma aufmachen.

"Eine Senkung der Wachstumsprognose könnte ihm weitere Zustimmung kosten..."

IHN!!!! Wie können Leute, die vom Schreiben leben, solche Volksschülerfehler machen? So schwer ist Deutsch nicht!

ist doch ein völlig normale entwicklung in einer technologisierten wirtschaft und eintretender marktsättigung - aber anstatt das ganze als erfolg moderne system und produktionstechnik zu sehen, versucht man dieses "alle buckeln, ein paar verdienen" system bis zum exzess fortzuführen, den sozialstaat für den zinsdienst zu opfern, und solange von fleissig auf reich umzuverteilen, bis den fleissigen wiedermal der kragen platzt - alternativlos?

alternativlos ist nur eines: endlich mal den faktor einkommen vom faktor arbeit zu trennen, arbeitslosigkeit als erfolg einer modernen gesellschaft zu werten, und mit den irren profiten aus maschineller produktion und kapitalertrag ein bge zu finanzieren - wär nur eine art rückverteilung von werten

Die vergötterte Arbeit gibts im Kapitalismus nur, wenn damit Gewinn, wenn Wachstum generiert werden kann. Und die Ideen, wie solches wieder in ausreichendem Ausmaß generiert werden sollte, sind ja überschaubar bzw nicht vorhanden. Damit gibts aber auch keine Arbeitsplätze und keine Existenzberechtigung für das Menschenmaterial.

Die dzt einzigen Möglichkeiten, die vorhandenen Kapitalberge zu erhalten bzw gar zu vergrößern, ist die Verwertung des Sozialstaats, ist die Verbilligung jener, die noch für den kapitalistischen Betrieb verwendet werden können. Bloß fällt dann auch die Massennachfrage weg.

Aus dieser Aporie gibts wohl keinen Ausweg, es geht bloß um die Frage, wer die Kosten der notwendigen Entwertung zu tragen hat.

Es gibt Auswege. Sie will nur niemand hören. und sie wäre so skuril das klingt sogar noch Generationenübergreifend Gerecht. Ich habe den Stein der Weisen gefunden, aber das hilft nichts.

Es ist wie mit jemanden, der viel viel Geld hat aber nichts dafür kaufen kann. Reich, aber doch wertlos. ;)

Ok, ein wenig dick aufgetragen wars ja. Aber eine super Lösung habe ich trotzdem. ;)

klingt vielleicht etwas deprimierend, aber es gibt noch einen anderen "ausweg".

erhöhter luxusgüterkonsum - findet ja auch jetzt schon statt, während der absatz für massengüter zurückgeht, verkaufen sich luxusgüter (luxusautos, große villen, yachten, etc.) weiterhin hervorragend. solange der prozess langsam vonstatten geht, gibt es keinen volksaufstand und die wi-struktur kann sich ändern (mehr dienstboten...). und dann gibts zur not noch überwachungstechnologien, wenn es trotzdem brenzlig wird.

auch bei starker einkommens- und vermögenskonzentration muss es nicht notwendigerweise zu einer überakkumulation oder asset market bubbles kommen - eigentlich muss man sagen, leider.

Das sind mE Tröpfchen auf dem heißen Stein. Damit kriegt man die gewünschte und notwendige weitere Dynamik in der Kapitalverwertung nicht mehr ins Laufen. Man könnte auch zB alles zubetonieren, nur schafft das keine Grundlage für weitere Akkumulation. Und das ist, was fehlt. Hoffnungsträger für realwirtschaftliche Verwertung, wie vor 30 Jahren die Mikroelektronik und vor langer Zeit die Automobilmachung. Und selbst wenn zB die Energiewende ausreichend Finanziers (aber: wer macht die notwendigen Schulden, woher die Ressourcen?) fände, auf der heutigen Stufe der Produktivität schafft das wohl auch keine gröberen Beschäftigungseffekte mehr.

Und 'realen' Wert und immer mehr Wert ohne Arbeit gibts nicht.

Sicher gibt's einen Ausweg: Umverteilung

Die Ungleichheit ist in den letzten Jahrzehnten in ganz Europa enorm gewachsen - bei den Einkommen und noch mehr bei den Vermögen.

Wir sind heute als Gesamtgesellschaft reicher denn je, aber immer mehr kommen kaum noch über die Runden. Das ist einfach absurd.

Schuld daran ist die neoliberale Politik, die seit langer Zeit alle Regierungen machen, egal ob konservativ oder sozialdemokratisch geführt. Die reichsten paar Prozent werden immer reicher. Die breite Bevölkerung zahlt dafür.

Wenn wir diese Politik ändern und - europaweit - Vermögenssteuern etc. einführen, können sehr wohl den allgemeinen Wohlstand heben und auch mehr Arbeitsplätze schaffen, weil bessere Verteilung auch für mehr Nachfrage sorgt.

Zeit, dass wir damit anfangen!

sie haben vollkommen recht wir leben in einer zweiklassengesellschaft von 95 % die immer ärmer werden und 5 % immer reicher, und es ist nur eine frage der Zeit bis das kartenhaus zusammenbricht ! Statt das die vermögenden endlich anfangen zu zahlen werden sie noch immer in schutz genommen es ist eine sauerei was da passiert !!

Der Neoliberalismus war der Ausweg aus einem schon in 70ern bestehenden realen Verwertungsproblem, um eben weiter Kapitalismus spielen zu können. Ich bezweifle einerseits, halte es für Illusion, daß es möglich ist, die Systemdynamik im erforderlichen Ausmaß zurückzudrehen und es dann besser zu machen. Andererseits stellt sich auf dem jetzigen Niveau die Frage, wie, womit der Reichtum weiterverwertet, realisiert werden sollen. Dafür sind wir vermutlich sogar schon zu reich.
Vermögensbesteuerung nähme, zugegeben, etwas Druck heraus, am weiteren Wachstumszwang, am Verhältnis Lohnarbeit-Kapital mit seinen laufenden Produktivitätsschüben zugunsten des aus-Geld-mehr-Geld-machens, somit an den Grundlagen änderte sich aber nix, ist Symptombekämpfg.

Abschaffung der Körperschafttssteuern, nur noch die Natürliche Person wird besteuert und zwar in Abhängigkeit ihrer Position im Unternehmen.

Steuer auf EinkommensVERTEILUNG. Je Ungleicher die Verteilung im Unternehmen, desto höher die Steuer. Ermittelt durch den "Unternehmensgini" im Zeitraum von 18 Monaten, daraus wird der Median genommen und als Basis für die Steuer herangezogen.

Entweder wird in den Steuerzahler investiert, oder in den konsum um die Steuerlast zu minimieren. Arbeitnehmer und Arbeitgeber eines Unternehmen werden zu Verbündeten im Kampf um die Vorherschaft gegenüber den anderen Unternehmen.

Gut so! Damit ist das Geld durch echte Werte gedeckt und Gold wird NICHT benötigt. Unnötig.

eine abschaffung der KöSt, und besteuerung der gewinnentnahmen der unternehmenseigentümer nach den steuersätzen, die für natürliche personen gelten, hätte wahrscheinlich folgenden effekt. derzeit bezahlen sie 25% KöSt auf den gewinn, egal wieviel sie entnehmen, für die entnahme nochmal 25% KESt.

in ihrem modell wird sich ein unternehmer immer nur sehr wenig ausschütten lassen. entnimmt er nichts, steigt trotzdem sein vermögen und er zahlt keinen cent steuern - im gegensatz zu den 25% jetzt. die gewinne bleiben im unternehmen und werden wahrscheinlich auch nicht in reale investitionen, sondern in den finanzmarkt gesteckt.

eine strafsteuer für firmen mit extremen gehaltsunterschieden halte ich aber für überlegenswert!

Eben, wenn ein Unternehmer meint, er muß sich wenig gönnen und es im Unternehmen lassen, dann kann er eben NICHT beinhart bei den mitarbeiter sparen. Wenn er allerdings VIEL entnehmen will, muß er (um niedrige steuern zu zahlen) auch den mitarbeitern VIEL geben, damit würde der konsum angekurbelt oder aber, er gibt ein paar mitarbeiter mehr und stellt 10 neue mitarbeiter an, um die verteilungskoeffizienten zu erreichen.

Das würde die Arbeitslosigkeit senken und damit die Kosten des Staates ebenfalls.

Gleichzeitig steigt die Chance in der Volkswirtschaft für innovative unternehmer am markt fuß zu fassen.

Wie mans dreht, entweder tut er was für die gemeinschaft durch hohe steuern oder aber durch schaffen bezahlter arbeitsplätze. beides ok.

verstehe ich richtig, sie sehen sich den gewinn des unternehmens an. etwa 50 mio. euro, 1000 mitarbeiter mit insgesamt 50 mio gehalt, jeder mitarbeiter erhält also 50.000 gehalt und erwirtschaftet 50.000 profit. der gewinn selbst wird nicht mit KöSt besteuert, aber die 50.000 profit pro mitarbeiter werden nach progressivem einkommensteuersatz besteuert.

hat er stattdessen 5000 mitarbeiter und erwirtschaftet denselben gewinn, erwirtschaftet jeder mitarbeiter 10.000 euro und deshalb fallen keinerlei steuern an (freibetrag). somit hätte er einen anreiz mehr menschen anzustellen um die steuerlast zu reduzieren.

Ich werde das Posting noch detailliert beantworten. Ich muß es allerdings mal unmißverständlich erklären und begründen, warum ich diese Ansicht vertrete.

sehe ein problem. bei kapitalintensiven betrieben wird der gewinn pro mitarbeiter immer höher sein, als bei arbeitsintensiven. deshalb werden kapitalintensive betriebe, insbesonders hochtechnologie im vergleich zu einem wachdienst steuerlich benachteiligt.

hinzu kommt, dass der steuertarif stärker als der derzeitige Einkommenssteuertarif gestaffelt sein müsste - der max. grenzsteuersatz müsste deutlich angehoben werden.

Nein, die Kapitalintensiven werden nicht benachteiligt. Wenn der Gewinn pro mitarbeiter höher ist, hat er erhöhte Wertschöpfung geleistet. Auch der Mitarbeiter. Dann ist er an dieser Leistung aber auch entsprechend mit Gegenleistung zu belohnen.

Paßt ja

Jetzt kann der Sprückeklopfer Hollande ja zeigen, was er kann. Vielleicht eine neue Reichensteuer um seine Wähler zu beruhigen?

gute Idee!

mit dem Geld kann man seine Infrastruktur auf Vordermann bringen, sein Bildungssystem verbessern, in die Forschung investieren, Wohnraum schaffen, etc.

schups gehts mit der Arbeitslosigkeit nach unten, und FR bleibt ein attraktiver Standort für Unternehmen UND (jetzt kommts) auch für die "Reichen" (noch immer finanz. wohlhabend)

Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault räumte am Montagabend im Fernsehen erstmals ein, die Wirtschaft werde im nächsten Jahr womöglich doch nicht so stark wachsen wie erhofft.

das ist aber schlecht denn das ganze (stark ausgabenlastige) programm der sozialisten ist auf einem fabelhaften wachstum von 2% aufgebaut.

na egal schwamm drüber. einfach nicht nachdenken,
venceremos ;)

Posting 1 bis 25 von 36
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.