Auch der Nachwuchs spielt international

Hannes Biedermann
28. August 2012, 08:20
  • 14 Teams aus fünf Nationen starten am kommenden Wochenende in die neu geschaffene Liga.
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    foto: eliteprospects.com/timo savela

    14 Teams aus fünf Nationen starten am kommenden Wochenende in die neu geschaffene Liga.

  • Die Grundzüge der Kaderregelung in der Erste Bank Young Stars League.
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    grafik: derstandard.at/hannes biedermann

    Die Grundzüge der Kaderregelung in der Erste Bank Young Stars League.

Am Wochenende startet mit der Erste Bank Young Stars League ein neuer Eishockey-Bewerb, in dem U20-Teams aus fünf Nationen spielen

Obwohl die Erste Bank Eishockey Liga im Sommer 2012 durch die Aufnahme des Dornbirner EC und des HC Innsbruck auf die Rekordgröße von zwölf Mannschaften angewachsen ist - die zukunftsträchtigste und erfolgreichste Veränderung wurde eine Etage tiefer vollzogen. Nicht zuletzt auf Betreiben des Ligasponsors Erste Bank erhält die EBEL ab der neuen Saison einen eigenen Unterbau, die Erste Bank Young Stars League (EBYSL).

14 Klubs aus fünf Nationen

In diesem neuen, grenzübergreifenden Bewerb matchen sich zukünftig 14 Mannschaften aus jenen fünf Nationen, in denen auch EBEL-Eishockey gespielt wird. Mit Ausnahme von Dornbirn stellen alle elf Vereine ein Team, ergänzt wird das Starterfeld durch zwei Auswahlen der Lower Austria Stars und den HD mladi Jesenice.

Für das Nachwuchseishockey in Österreich stellt die Etablierung der neuen Liga einen Meilenstein dar, hatte die nationale U20-Meisterschaft in den vergangenen Jahren doch erhebliche Einbußen hinsichtlich ihrer Attraktivität und Qualität zu verzeichnen. Format und Rahmenbedingungen in der EBYSL setzen die Klubs nun unter Druck, im Juniorenbereich professioneller und zielgerichteter zu agieren.

Auch für die Vereine aus Slowenien, Ungarn und Kroatien stellt die Teilnahme am neuen Bewerb einen maßgeblichen Fortschritt dar, spielten ihre Nachwuchsteams in den letzten Jahren doch in den in der Regel nur wenige Klubs umfassenden nationalen Meisterschaften mit, in denen sowohl die geringe Anzahl an Saisonspielen als auch das eher bescheidene spielerische Niveau einer prosperierenden Entwicklung der Juniorenspieler im Wege stand.

Spielgemeinschaften und eine Akademie

Zwei Teams in der Erste Bank Young Stars League werden von Spielgemeinschaften gebildet: Der Kader des EC Salzburg wird durch die vielversprechendsten Talente des Zweitligisten Zell am See ergänzt, in die EBYSL-Mannschaft von Medveščak Zagreb werden die besten Akteure aller anderen vier kroatischen Klubs eingebaut, um möglichst konkurrenzfähig zu sein.

Eine Sonderposition im Ligagefüge nehmen die Lower Austria Stars ein. Unter diesem Namen firmieren die beiden Teams der Okanagan Hockey School, der mit reichlich kanadischem Know-How ausgestatteten Eishockeyakademie in St. Pölten, die vornehmlich internationale Spieler in der Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren ausbildet.

Bis zu 48 Spiele im Grunddurchgang

Der Spielmodus sieht eine Teilung der Liga in zwei Gruppen zu je sieben Teams vor, auf jede Mannschaft warten eine doppelte Hin- und Rückrunde in der eigenen Gruppe sowie eine einfache Hin- und Rückrunde gegen die sieben übrigen Gegner. Nach diesen 38 Spieltagen ist die Saison für den jeweiligen Gruppenletzten zu Ende, die anderen zwölf Teams ermitteln in einer weiteren Hin- und Rückrunde innerhalb der Gruppe (also zehn zusätzlichen Spielen) die Reihung nach dem Grunddurchgang. 

Für das in Kreuzspielen (1. Gruppe A gegen 2. Gruppe B, 1. Gruppe B gegen 2. Gruppe A) ausgetragene Halbfinale qualifizieren sich die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe, im Endspiel hat schließlich das Team mit mehr Punkten aus dem Grunddurchgang Heimrecht. Sowohl Semifinale als auch Finale werden nach dem Modus Best-of-three ausgetragen. Wie in der EBEL wird auch in der EBYSL parallel der österreichische Meistertitel (U20) ausgespielt, er geht an das nach den Play-offs am besten platzierte einheimische Team. 

Positiv anzumerken ist, dass im neuen Nachwuchsbewerb - anders als in der EBEL - die international übliche Drei-Punkte-Regel angewendet wird: Der Sieger eines Spiels erhält drei Zähler, bei einem Unentschieden werden jeweils einer sowie ein zusätzlicher für den Sieger der Verlängerung bzw. des Penaltyschießens verteilt.

Komplizierte Kaderregelung

Eine der wesentlichen Herausforderungen im Zuge der Etablierung der EBYSL war die Gestaltung der Durchführungsbestimmungen, zu unterschiedlich orientiert präsentieren sich die Nachwuchsprogramme der einzelnen Klubs.

Der erreichte Konsens sieht vor, grundsätzlich eine U20-Meisterschaft für Spieler der Jahrgänge 1993 und jünger auszuspielen. Pro Spiel dürfen maximal drei Transferkartenspieler und zwei sogenannte "Overager" (nationale Spieler der Jahrgänge 1991 und 1992, die im EBEL-Kader bzw. bei Nicht-EBEL-Vereinen auf einer seperaten Liste gemeldet werden müssen) zum Einsatz gebracht werden, wobei pro Import, auf den verzichtet wird, ein weiterer Overager auf den Spielbericht darf. Um einheimischen Ersatztorhütern aus den EBEL-Kadern mehr Spielpraxis zu verschaffen, kann einer dieser insgesamt bis zu fünf Overager pro Mannschaft auch ein nach dem 1. Jänner 1989 geborener Goalie sein. 

Ausgenommen von dieser Regelung sind die beiden Teams der Lower Austria Stars, die aufgrund der internationalen Ausrichtung der Okanagan Hockey School eine unbegrenzte Anzahl an Imports, gleichzeitig aber keine Overager einsetzen dürfen.

Finanzielle Unterstützung durch Ligasponsor

Neben einer zu erwartenden deutlichen Steigerung des Qualitätslevels des Eishockeys in der EBYSL im Vergleich zu den nationalen Meisterschaften der vergangenen Spielzeiten kommt auf die Juniorenteams auch ein maßgeblich intensiverer Spielplan zu. In den letzten drei Saisonen krönte sich der österreichische Champion im Schnitt nach 33 Partien, im neuen Bewerb werden es deren 52 bis 54 sein - ein Zuwachs von rund 60 Prozent.

Diese Intensivierung sowie die internationale Öffnung der Liga (weiteste Entfernung: Innsbruck - Székesfehérvár, 780 Straßenkilometer, Anm.) bedeuten für die teilnehmenden Vereine erheblich höhere Reisekosten. Zur Abschwächung dieses Effekts schüttet der Hauptsponsor der Liga Fahrkostenzuschüsse aus, die sich aus einem Basisbetrag und einem variablen Betrag, abhängig von den tatsächlichen Aufwendungen, zusammensetzen.

Bemerkenswert dabei ist, dass diese finanzielle Unterstützung an Qualitätskriterien der Nachwuchsarbeit im jeweiligen Klub geknüpft ist. Im vollen Umfang erfolgen die Zahlungen nur an jene Vereine, die hauptamtliche A-Lizenz-Trainer anstellen, mindestens sechs Trainingseinheiten pro Woche absolvieren und den Junioren ein Mindestlevel an sportmedizinischer Betreuung garantieren.

Fragezeichen Jesenice

Zwar sind die Rahmenbedingungen für die Erste Bank Young Stars League bereits im Detail abgesteckt, über der Teilnahme des HD mladi Jesenice an der am kommenden Wochenende startenden Meisterschaft schwebt jedoch noch immer ein Fragezeichen. Der Österreichische Eishockeyverband (ÖEHV) versagte dem Verein bisher die Spielgenehmigung und begründet das - reichlich obskur - mit den ausständigen Verbandsabgaben des ehemaligen EBEL-Klubs HK Jesenice.

Festzustellen ist dabei, dass es sich beim HD mladi Jesenice um einen gänzlich eigenständigen Verein handelt, der in den vergangenen Jahren sogar selbst mehrfach zum Opfer ausbleibender HKJ-Zahlungen wurde. Ein weiteres Problem für den slowenischen Vertreter stellt der Umbau der Heimstätte dar: Die Adaptierungen an der Dvorana Podmežakla im Vorfeld der Basketball-EM 2013 verunmöglichen den Eishockey-Spielbetrieb wohl noch bis in den November hinein.

Diesen unerfreulichen Herausforderungen in der Gorenjska zum Trotz ist im Allgemeinen Optimismus angebracht, mit der Schaffung der EBYSL ein für das Junioreneishockey in Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien neues Zeitalter eingeläutet und die Basis für eine nachhaltige Entwicklung der Nachwuchsarbeit in den EBEL-Klubs gelegt zu haben. (Hannes Biedermann, derStandard.at, 28.8.2012)

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24 Postings
Wer ...

... wehrt sich eigentlich gegen die 3-Punkte-Regel in der EBEL?

wenn man dem glauben kann, was man so hört...

wollen die vereine die zweipunktregel, damit es in der tabelle nicht so _aussieht_, als wäre ein Team "brutal" weit vorne, wenn es drei (oder mehr) spiele mehr gewonnen hat.

Woran man wieder einmal schön sehen kann, was da alle falsch läuft

1. Tolle sache!
2. Hoffe, dass HD mladi Jesenice auch zugelassen wird!
3. eine frage an die insider: wie muss ich mir 6 trainingseinheiten + spiele vorstellen? ich versteh schon den professionellen anspruch, mach mir allerdings sorgen um die schulischen ambitionen der nachwuchskräfte ;) - bitte um erklärung!

nachtrag: das war ein bisserl ein schnellschuss. hab mich da von der Okanagan Hockey School verwirren lassen. die u20-jungs sind ja schon etwas älter. trotzdem würds mich interessieren, wie oft und wann da üblicherweise trainiert wird und was sozusagen nebenbei noch möglich ist. seis ausbildung oder arbeit.

Naja wennst eine Trainingseinheit mit sagen wir 90-120 Minuten definierst, stellt das prinzipiell kein Problem dar.

Bei den Nachwuchscracks wird man zudem eigentlich keinen finden der nebenbei arbeitet (Schule, Heer, evtl Studium). Und sobalds den ersten Profivertrag haben (was ja Ziel des ganzen ist) wird er keinen Nebenjob mehr benötigen (Zugegeben reich werdens nicht auf Anhieb aber es wird genug sein um davon ganz gut leben zu können)

Die Okanagan Hockey School beinhaltet sehr wohl eine Schule (Unterrichtssprache Englisch), welche mit der Matura abgeschlossen wird. Diese ist meines Wissens nach Pflicht für alle Schüler und die meisten haben auch keine größeren schulischen Probleme. Generell machen viele Eishockeyspieler in Österreich Matura, da der Anteil derer, die Profis werden sehr gering ist. Wer nicht mit ~15 nach Kanada, in die USA, etc. geht hat eigentlich kaum Chancen bei einem EBEL-Club zu landen.

Ich denke du hast meinen Post falsch verstanden: Von den Nachwuchscracks wirst keinen finden der nebenbei arbeitet (von den Pros zu schweigen bis auf de 2 Postler gg)

Aber dafür die Nachwuchscracks eben alle nebenbei zur Schule gehen und in manchen Fällen sogar studieren (gab in Wien immer wieder mal einen der den Wechsel vollzogen hat um in Wien studieren zu können)

ich hab in meiner familie einen profifußballer (öst. bundesliga). ich weiß was er verdient, wie dann der lebenswandel ausschaut und wie viel zur seite gelegt wird ;). man ist auf jeden fall gut beraten auch dort zu überlegen was nach der profikarriere kommt. deswegen mach ich mir immer über solche dinge gedanken. ich liebe eishockey und bin natürlich an einer qualitätssteigerung interessiert, aber die jungs haben sich das hoffentlich gut überlegt...

Neija die Gehälter Fussball und Eishockey kannst schwer vergleichen. Also ich schätz mal das ein Nachwuchs Crack als ersten Profivertrag mit 20.000 Brutto Jahressalär aussteigt ca..

Und selbst ein Oliver Setzinger der in der NLB ganz gut verdient und zu teuer für Ö ist bekommt angeblich "nur" 275.000,-- Jahressalär.

Aber du hast recht das es wichtig ist da sich auch über die Zeit danach Gedanken zu machen. (Sehe ich aber vorallem als Aufgabe des Managers seine Cracks entsprechend zu beraten und Ihnen auch helfend zur Seite zu steehn)

Das wollte ich eh schon mal länger nachfragen. Was für ein Ziel verfolgt eigentlich diese Lower Austria Ice-Hockey Academie?

Der dortige Nachwuchs hat keine Kampfmannschaft vor Augen, und bis dato habe ich noch von keinem Spieler gehört, der dieses Programm durchgezogen hat und nun bei irgendeinen Klub angeheuert hat. Nicht falsch verstehen, finde ich super dass in NÖ in Punkto Hockey was getan wird, aber auf was hinaus?

PS: Die Finanzierungskriterien an Trainer und Training zu koppeln, finde ich toll.

Und der Vorteil einer Eishalle in STP ist, daß auch so "Talente" wie ich hin und wieder zu einem sehr vernünftigen Preis übers Eis schlittern können und versuchen einen auf Westlund zu machen! ;)

Solang gibts die Okanaga Hockey School Europe - also die L.A. Stars - noch nicht (gegründet 2009). Aber primär geht es darum Geld zu verdienen. Man sieht sich quasi als Elite Ausbildungszentrum im mitteleuropäischen Raum und lässt sich diese Ausbildung gutes Geld kosten.

dh, die Eltern pulvern Geld in die Kinder und deren Ausbildung. Ok, das ist nichts neues. Aber was wird ihnen danach versprochen? Wohin sollen die Kinder transferiert werden, wenn es keinen Profi-Betrieb gibt? Bzw, wenn es dies erst seit 3 Jahren gibt, wer spielt dann heuer dort?

OHS ist was ich weiss wirklich sehr breit gefächert (eigentlich sehr wenig Österreicher, viele Tschechen, Slowaken, Letten, Kanadier, alles drum und dran). Naja den Kids wird versprochen das se eine Top Ausbildung erhalten.

Denke die werden die notwendigen Netzwerke haben um die Jungs eben in den jeweiligen nationaligen Ligen unterzubringen.

Cseh ist zB als Goaliecoach dort angestellt. Damit könntest du zB Österreicher schon mal mit Cseh als Vermittler unterbringen.

Ist ja in der CHL auch nich anders. Die Kids kriegen dort 50 Dollar die Woche und haben ja auch kein Profibetrieb der drüber steht. Die was es nicht in den Draft schaffen (wir reden ja von über 600 Spielern - die können gar nich alle in den Draft) gehen auch ihren Weg.

Muss mich kurz selber korrigieren, sind sogar mehr Ös als ich dachte. Die aktuelle U20-A hat 14 Ös, 5 Schweizer, 3 Slowaken, 3 Kanadier, 3 Deutsche, 1 Ungar, 1 Schwede und 1 Slowene im Kader.

Ein paar Namen die mir so beim drüber schaun in die Augen gestochen sind: Tomanek, Antonitsch und Ladanyi

antonitsch sen.

ist selbst stark involviert dort.

praiseth the lord!

ich warte mal, ob die mladi spielen dürfen oder wie sich das entwickelt. aber generell ist allein die einführung schon begrüssenswert - und ein schritt in die richtige Richtung.
Kollege nightfighter dürfte allerdings im Text etwas nicht ganz verstanden haben :)

Schöne Rahmenbedingungen

So kann man auch hierzulande kanadische Talente fördern, aber greift es auch für Österreicher? xD

äh?

wie meinen?

Ja, es greift auch für Österreicher!! Keine Sorge.

..

Ok, dachte nur, dass die Österreicher dafür zu schwach sind

"dachte"

Denken hat manchmal auch mit Information zu tun. Und mit der Fähigkeit, diese zu verarbeiten.

Alles Gute auf dem weiteren Lebensweg.

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