Inseratenaffäre: Semantik

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  • Faymann und die "Blattln"
    foto: apa/georg hochmuth

    Faymann und die "Blattln"

Semantisch eine Frage der feinen Differenzierung, politisch von deprimierender Eindeutigkeit

Semantik ist (laut Wikipedia) die Theorie von der Bedeutung der Zeichen. Die Wissenschaft unterscheidet semasiologische von onomasiologischer Semantik. Die Semasiologie geht von der Bezeichnung, das heißt von den Formen sprachlicher Einheiten (Wörtern, Metaphern, Symbole usw.) aus und untersucht, welche Bedeutungen damit bezeichnet werden. Die Onomasiologie geht umgekehrt von den Sachen aus und untersucht, wie sie bezeichnet werden.

Mit diesem Wissen ausgerüstet, nähern wir uns einer Aussage des früheren Kommunikationschefs der staatlichen Autobahngesellschaft Asfinag, der bei seiner Einvernahme durch den Staatsanwalt ausgesagt hatte: Das Verkehrsministerium (=Werner Faymann) hätte die Millioneninserate an die Krawallzeitungen "Krone" und "Österreich" nicht "beauftragt", sondern nur "initiiert".

Semasiologisch oder onomasiologisch? Eher Letzteres. Wobei man sich das so vorstellen muss: "Beauftragt" bedeutet, dass der Verkehrsminister Faymann bei der Asfinag anruft und befiehlt: "Gebts denen Blattln halt was Ordentliches, damit s' schön über mich schreiben."

"Initiiert" würde sich etwa so anhören: "Gehts, war' des net a Idee, dass man was in die Blattln schaltet? Ihr würdets mir a Freid machen ..."

Semantisch eine Frage der feinen Differenzierung, politisch von deprimierender Eindeutigkeit. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 28.8.2012)

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