Irans Traum von einer besseren Blockfreien-Welt

Analyse | Gudrun Harrer, 27. August 2012, 18:29

Dass sich Vertreter der 120 Staaten starken Blockfreien-Gruppe in Teheran versammeln, ist ein PR-Erfolg für das iranische Regime. Die Botschaft an den Westen ist, dass der Iran keineswegs isoliert ist.

Teheran/Wien - Allein die Anwesenheit in Teheran anlässlich des Blockfreien-Gipfels sei ein Verrat am syrischen Volk, das von Irans Alliiertem Bashar al-Assad hingemetzelt werde, donnert der Leitartikler der Saudi-freundlichen Zeitung Asharq Al-Awsat, Tariq Alhomayed. Irankritische Beobachter betonen, dass viele Staaten des NAM (Non-Aligned Movement) sich in Teheran nur auf einer unteren Ebene vertreten lassen. Aber unter dem Strich verbucht der Iran ja doch einen PR-Erfolg, wenn er am Donnerstag den Blockfreien-Vorsitz von Ägypten übertragen bekommt - von Präsident Mohammed Morsi persönlich, auch wenn dieser lange mit seiner Zusage gezögert hat.

Irans Führung nützt die Gelegenheit, dem Westen, mit dem er im Dauerstreit wegen seines Atomprogramms liegt, vorzuführen, dass das Land keineswegs isoliert ist. Druck aus den USA und aus Israel konnten auch Ban Ki-moon nicht vom Besuch Teherans abhalten: Einen Block von 120 Ländern kann ein Uno-Generalsekretär nicht so leicht ignorieren.

"Thirdworldismus"

Der Iran sieht seine Wahl zum Blockfreien-Vorsitzenden als Akt des "globalen Widerstands", wobei die politische Einigkeit der NAM-Staaten natürlich eine Illusion des vom "Thirdworldismus" träumenden Iran ist. So will Teheran, obwohl es selbst zutiefst verstrickt ist, auch einen Plan für Syrien präsentieren. Ob die arabischen Golfstaaten daran Interesse haben, ist zweifelhaft.

Zwar haben sich zuletzt die Beziehungen Irans zu Saudi-Arabien atmosphärisch leicht verbessert: Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad war zum Krisengipfel der Staaten der OIC (Organization of the Islamic Conference) in Mekka eingeladen - bei dem Syrien aus der OIC ausgeschlossen wurde. Nachdem Saudi-Arabien beim OIC-Gipfel sein politisches Ego als Führer der islamischen Welt befriedigen konnte, nimmt es den iranischen Pfauenschlag als NAM-Vorsitzender offenbar etwas leichter hin. Abdulaziz bin Abdullah, zweiter Vize des kranken Außenministers Saud al-Faisal, vertritt sein Land in Teheran: kein Topmann, aber immerhin der Sohn des Königs.

"Umfassender Plan" für Syrien

Neben dem "umfassenden Plan" für Syrien, den der Iran vorstellen will, hat auch noch der Ägypter Morsi eine Initiative im Gepäck: Er regte bereits beim OIC-Gipfel in Mekka eine neue Aktionsgruppe für Syrien an, die aus Saudi-Arabien, Iran, der Türkei und eben Ägypten bestehen solle. Morsis Iran-Besuch ist auch in diesem Kontext zu sehen, auch wenn die Türkei als Nato-Land natürlich nicht zum NAM gehört.

Die Iraner, die laut Kairo Morsis Initiative unterstützen, haben dabei zweierlei Interesse: Erstens wollen sie bei der Suche nach einer Lösung für Syrien nicht übergangen werden - was der Westen tut. Zweitens ginge der von Morsi erträumte Wiederaufstieg Ägyptens als regionaler Leader auf Kosten Saudi-Arabiens.

Wobei diese Schuhe Morsi aber noch etwas zu groß sein dürften. Sein Lavieren im Verhältnis zum Iran und zu Israel zeugt nicht gerade von klaren außenpolitischen Positionen. Und die von ihm angestrebte völlig "unabhängige" Politik Ägyptens findet ihre Grenzen wohl auch in den wirtschaftlichen Realitäten. Denn Kairo braucht dringend Finanzhilfe aus den USA und von den Golfstaaten. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 28.8.2012)

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Irans Traum von der Atombombe und der Macht im Nahen Osten, aber bestimmt nicht von einer blockfreien Welt. Höchstens dann wenn der Iran diese "blockfreien" anführt und alle auf den Iran hören.

Prestige?

Wieviele von diesen Staaten haben demokratisch gewählte Staatsoberhäupter. Wieviele ein unabhängiges Rechtssystem.

Worüber unterhalten sich die Despoten so? Wie man sich vor seiner Bevölkerung schützt damit man nicht wie Gaddafi endet?

Für eine angebliche "Isolierung" des Iran, wie uns fortwährend eingetrichtert wird,…

…war das ein ziemlicher Aufmarsch bei der NAM-Konferenz in Teheran.

Sogar der UNOCAL-Präsident, Hr.Karzai, ließ sich blicken und läßt die Hexe des Westens ziemlich blaß aussehen.

Und wenn -etwas weiter unten- über "Moral" philosophiert wird, muß man der armen Seele zugutehalten, daß er offenbar nicht mehr genau weiß, von was er da schreibt.

Einen Block von 120 Ländern ...

kann ein Uno-Generalsekretär nicht so leicht ignorieren. Warum eigentlich nicht?

sie sind mit sicherheit einer der demokratie fordert, nicht wahr!?

wie kann einer so d*mm sein was derart bl*des zuschreiben. so ein dummer text kann nur nur von einem rassisten stammen, der sich über alles andere stellt.

Weil er nicht Generalsekretär "des Westens" ist,

sondern von 193 UN-Mitgliedsstaaten, darunter auch die 62 % der Blockfreien.

das kapiert er nicht, geben sie es auf.

Wenn er will,

kann er. Moralisch müsste er, weil das UNO-Land Iran ständig ein anderes UNO-Land mit Vernichtung droht, nämlich Israel. Das widerspricht nicht nur den UNO-Bestimmungen. Nicht hinzufahren wäre ein klares politisches Signal. Hinzufahren ist ebenfalls ein politisches Signal!

Ich merke keine Ironie in ihren Worten??
Aber ernst können sies ja nicht meinen was sie schreiben!?

das ist aber wohl ein Bloedsinn..................oder? wer bedroht wen? we sagt die ganze Zeit wen angreifen zu wollen? also .................................LESEN und dann KOMMENTIEREN

@77 88

Wann hat der Iran einem anderen Land mit Vernichtung gedroht?
Bitte um den Zusammenhang ihres Postings.

Naja, dann müsste man die Blockfreien-Konferenz

auch als politisches Signal sehen, immerhin sind hier mehr als die Hälfte der UN-Staaten zu Besuch.

Als GS ist Ban der Neutralität verpflichtet und hat jedes Land gleich zu behandeln. Immerhin hat er die iranische Hetze verurteilt, was bei Ashton dann schon ein wenig länger gedauert hat.

Sie werden aber zugeben müssen ...

... dass unter diesen Blockfreien eine ganze Menge an Chaosstaaten sind, oder?
Ban könnte durchaus die Drohungen des Irans gegen Israel als Begründung nehmen, um nicht hinzufahren. Denn Israel droht dem Iran "nur" mit der Zerstörung der A-Anlagen, der Iran droht Israel mit der völligen Vernichtung des zionistischen Regimes. Darunter verstehen die Mullahs (aber nicht nur sie) Gesamtisrael, vom Jordan bis zum Mittelmeer. Das Zionistische Regime ist nicht die Nethanjahu-Regierung, sondern jede israelische Regierung. Weil das damalige englische Palästina einmal Teil des Dar el Islam war, als die Osmanen es beherrschten, darf es niemals mehr unter die Hand von Ungläubigen kommen (zum Dar el Dschihad) werden. Nur dumm, dass es das bereits ist.

Ob Chaosstaaten oder nicht hat Ban nicht zu tangieren.

Sein Job ist es, zu vermitteln, mit allen zu reden, Diplomatie zu üben. Und dazu gehören eben auch die Verhaltensauffälligen. Ansonsten müsste man überlegen, wo die Grenze zu ziehen ist. Meidet man die Droher, müsste man gleich auch mal alle meiden, die tatsächlich Krieg führen. Bezieht man dann gerechterweise noch die ein, die Menschen- und/oder Völkerrecht verletzten, dann bleiben nicht mehr viele übrig, mit denen man reden, die man besuchen darf. Zumal Ban ja auch in Teheran selbst durchaus deutliche Worte gefunden hat.

Bin natürlich grundsätzlich auch deiner Meinung ...

... Doch der Iran tut etwas, das so nicht im Raum stehen gelassen werden kann. Er droht Israel mit der Vernichtung! Zusätzlich kämpft er auch gegen Israel mit den Stellvertretern Hamas und HisbAllah.
Israels Drohung, die A-Anlagen Irans zu zerstören, ist keine Bedrohung des Irans als Land. Man will nur sicherstellen, dass ein Land, das auf Grund seiner derzeitig herrschenden Ideologie Israel nie anerkennen und es ständig bekämpfen wird, keine Waffe hat, die die Existenz Israels gefährden kann. Dabei geht es gar nicht um einen direkten Angriff, vielmehr um die Möglichkeit, schmutzige Bomben in die Hand von Terroristen zu geben (z.B. Hisballah).

welchen sinn

hat eigentlich die blockfreien-bewegung in der heutigen zeit? seit 1990 gibt es keine systemkonkurrenz und daher auch keine blöcke mehr. es gibt, wenn man so will, einen einzigen block und das ist der globale kapitalismus. wenn man die bedeutung von "blockfrei" zu "kapitalismusfrei" aktualisieren würde, okay, dann hätte diese bewegung noch einen sinn und ein sehr anspruchsvolles ziel. das hauptziel der blockfreien war einmal der antikolonialismus und man kann sagen, dass dieses ziel zwar nicht praktisch, aber zumindest formal-rechtlich weitgehend erreicht wurde. vielleicht bedarf es einer modernisierung der blockfreien-bewegung. eine demokratisierung wäre natürlich auch wünschenswert, wobei dann länder wie iran dort nix zu suchen hätten.

diese bewegung ist genauso im kapitalismus verhaftet wie die kapitalistische seite.

ja eh

das war auch keine tatsachenfeststellung. was ich damit sagen wollte: da es heute nur noch einen - kapitalistischen - block gibt, müsste derjenige, der sich als "blockfrei" versteht, eigentlich gegen den kapitalismus auftreten. ich wollte damit nicht sagen, dass die blockfreien tatsächlich vom kapitalismus befreit sind.

Ernst aber nicht Ernesto

Im Augenblick führt kein Weg am Kapitalismus vorbei.

Die sozialistische Idee ist dank der menschlichen Gier zur Pharse verkommen.

Es geht bei den blockfreien Staaten nicht um Sozialismus oder Kapitalismus, es geht viel weiter.

Es geht um Selbstbestimmung, die wirtschaftliche Versklavung, es geht um Kolonialismus.

Und um diese hintanzuhalten ist eben auch die NAM unverzichtbar.

Pepi Berger

Naja.

Ein paar sind zumindest dabei, sich in präkapitalistische Feudalgesellschaften bzw. Despotien zurückzuentwickeln.

nein.

Nur weil ich etwas nicht befürworte, muss ich nicht zwangsläufig dagegen sein.

Oh doch. Es gibt den einen dominierenden Block um die USA sehr wohl noch. Gerade für den Iran ist das Problem noch grösser geworden, da es kein ernstzunehmendes Gegengewicht mehr gibt.

Ansonsten sind die Kongresse der 'Blockfreien' so etwas wie ein Opernball für Diktatoren, absolute Monarchen, Revolutionsführer und ähnliche bluttriefende Gestalten.

Das stimmt so nicht ganz. Gerne vergisst man, dass China, USA und Russland (also die wichtigen Länder im UN-Sicherheitsrat) alles ganz genau abstimmen. Die drei tun sich nicht gegenseitig weh, da sie schon dermaßen wirtschaftlich miteinander verzahnt und abhängig sind (eben durch Globalisierung).
Gerne wird dann uns und den Medien eine Art Show geliefert, wenn Russland mal wegen Kosovo o. Syrien poltert (ist denen im Endeffekt völlig egal), wenn China wegen Lybien poltert (war ihnen auch egal bzw. die Intervention sehr wohl mit der USA abgestimmt) oder die USA poltert weil Menschenrechte in Russland oder China nicht eingehalten werden (interessiert sie nicht besonders, da ist der Handel wichtiger).

Gut formuliert!

EU-Block.....

Den EU-Block nicht vergessen, der mit dem EU-Fiskalpakt soeben fesgezurrt wurde und mit dem baldigen NEUEN EU-VERTRAG in BETON gegeossen werden soll.

2.REPUBLIK statt 4.REICH!!..

Das ehemals BLOCKFREI, ehemals NEUTRALE Österreich könnte in der GEMEINSCHAFT DER BLOCKFREIEN eine BEDEUTENDERE ROLLE spielen als im kommenen 4.REICH der EU (als Vasall und Wurmfortsatz Deutschalnds)!!...

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