Heimische Ökonomen im US-Wahlkampf

András Szigetvari
27. August 2012, 17:54
  • Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan verfolgt ein 
klares Rezept: Weniger Staatsausgaben, und der Aufschwung wird schon 
kommen.
    foto: dapd

    Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan verfolgt ein klares Rezept: Weniger Staatsausgaben, und der Aufschwung wird schon kommen.

Die Thesen einiger österreichischer Ökonomen feiern mitten im US-Wahlkampf ein Comeback

Die Thesen einiger österreichischer Ökonomen feiern mitten im US-Wahlkampf ein Comeback. Die Republikaner nutzen vor allem die Werke Friedrich Hayeks für ihren Kampf gegen einen starken Staat.

 

Wer verstehen will, wie Republikaner und Demokraten ticken, findet bei Amazon Hilfe. Der Onlinehändler bietet im Präsidentschaftswahlkampf ein Ranking der beliebtesten politischen Bücher in den USA an. Amazon hat eine Liste mit 250 eher rechten (republikanischen) und 250 eher linken (demokratischen) Werken zusammengestellt. Die größte Überraschung liefert die republikanische Bestsellerliste: Auf Rang 16 der meistbestellten Werke findet sich dort zwischen lauter Neuerscheinungen Der Weg zur Knechtschaft (The Road to Serfdom).

Das 1944 erschienene Buch des aus Österreich stammenden Ökonomen Friedrich Hayek ist eine Kampfschrift für den Wirtschaftsliberalismus. Bereits kleinste staatliche Eingriffe in den Markt führen in die Despotie, argumentiert Hayek, weshalb sich der Staat aus dem Wirtschaftsleben gefälligst raushalten sollte. Was aber macht das Werk fast 70 Jahre nach seinem Erscheinen so populär?

Die Antwort darauf heißt Paul Ryan: Seitdem der Republikaner seine Kandidatur für die Vizepräsidentschaft bekanntgab, ist in den USA ein Hype um Hayek entstanden. Ryan bezeichnete den 1992 verstorbenen Ökonomen als eine seiner großen Inspirationsquellen. In seiner "Roadmap for America's Future", einem Plan zur Sanierung des Haushaltes mittels Kürzungen bei Gesundheitsausgaben, erwähnt Ryan Hayek im selben Atemzug mit US-Präsident George Washington.


Zweites Comeback


Streng genommen feiert Hayek sein zweites Comeback: Die Tea Party nimmt seit 2009 öfter Bezug auf den Österreicher. Die konservative Abgeordnete Michele Bachmann bezeichnet seine Bücher als ihre liebste Strandlektüre. Die Tea Party hat neben Hayek auch andere Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie wie Ludwig von Mises zu neuer Beliebtheit verholfen.

Dabei nutzen die Republikaner Hayek und Mises als vermeintliche Belege, um zu zeigen, dass ein starker Staat gefährlich ist und die USA stattdessen mehr individuelle Freiheit, mehr Wettbewerb - sprich mehr Kapitalismus - brauche. "Ryans Bezüge auf Hayek sind oberflächlich. Aber es geht ihm nicht um Details, sondern um die ideologische Grundausrichtung", sagt Peter Boettke von der George Mason University, einer Hochburg der Hayekianer.

In den USA spielt das politische Bekenntnis zum freien Markt eine traditionell wichtigere Rolle als in Europa. Daher ist weniger der Rückgriff auf Hayek überraschend als dessen Zeitpunkt: Die USA erleben seit 2008 die schwerste Krise der Marktwirtschaft seit den 1930er-Jahren. Der Bankencrash hat die Steuerzahler hunderte Milliarden Dollar gekostet. Wieso floriert also der Ruf nach mehr Kapitalismus gerade jetzt?

Für den kalifornischen Ökonomen Barry Eichengreen sind die Werke der "Austrians" der ideale Ansatzpunkt für einen ideologischen Gegenangriff auf das System Obama. Seit 2008 stehen sich zwei Narrative über die Ursachen der Krise gegenüber, sagt Eichengreen im Standard-Gespräch.

Die erste lautet, dass die Deregulierung in der Finanzwirtschaft zum Crash führte. Die zweite, dass erst Interventionen der US-Notenbank und staatlichen Rettungspakete die Krise befeuerten. "Während sich der erste Standpunkt wissenschaftlich belegen lässt, etwa mit Zahlen zum Spekulationsverhalten, gibt es für die zweite These keine empirischen Grundlagen. Um diesen Mangel auszugleichen und Belege für ihre Ideologie zu finden, greifen Ryan und die Tea Party auf Hayek zurück", meint Eichengreen. Obama hat zudem ein 787 Milliarden Dollar schweres Stimuluspaket aufgelegt, betreibe also "mild" keynesianische Politik. "Das provoziert die Gegner eines starken Staates."

Ähnlich argumentiert der Philosoph Boris Groys: Um nach dem Crash mit dem Ruf nach "mehr Markt" punkten zu können, hätten die Konservativen eine Kernthese entwickelt, wonach der Kapitalismus in den USA eigentlich "nie wirklich stattgefunden hat, ein unerfülltes Versprechen blieb". Die Lehre aus der Krise sei demnach, dass weniger Regeln nötig sind, damit der Kapitalismus einwandfrei funktionieren kann. Für diese Argumentation findet sich bei den Austrians viel Material. (András Szigetvari, DER STANDARD, 28.8.2012)

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>Die konservative Abgeordnete Michele Bachmann bezeichnet seine Bücher als ihre liebste Strandlektüre

Hahahahaha ohwow! Wie kann man nur so dreist lügen? Selbst Volkswirte tun sich schwer, das Buch zu lesen.

Der Rest: Wer wirklich glaubt es komme zu keinem Marktversagen und denkt, die unsichtbare Hand regelt alles effizient, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

"gibt es für die zweite [Hayek'sche] These keine empirischen Grundlagen"

Wie bitte??? Siehe dazu

http://www.mises.org/books/desoto.pdf

chapter 6/18

Ausgerechnet auf das Onlineportal des Mises Institutes zurückzugreifen, zeugt nicht gerade von einem Sinn für saubere Wissenschaftlichkeit. Ein besseres Beispiel politisch geleiteter Pseudowissenschaft habe ich, ehrlich gesagt, selten gesehen.

Von einem Plädoyer für ein Fahren ohne Promillegrenze, bis hin zu Analysen, die z.B. Somalia, auf primitivste Art und Weise und auf Basis von haarsträubend selektiven empirischen Daten, das perfekte politische System attestieren, wird da methodisch und theoretisch unsauber bis zum Abwinken ein wahres erzkonservatives Utopia herbeiphilosophiert.

I'm really sorry, aber all dieser Wahnsinn kommt nicht irgendwoher: Mises mag zwar als Teil des renommierten Wiener Kreises am "Großprojekt" Logischer Positivismus mitgewirkt haben, aber das bedeutet noch lange nicht, dass seine theoretischen Elaborate - inklusive jener in dessen Tradition - wissenschaftlich viel mehr wert sind, als das Blatt auf dem sie stehen.

"Mises [...] als Teil des renommierten Wiener Kreises am 'Großprojekt' Logischer Positivismus mitgewirkt"

(1) Ludwig von Mises (nach dem das amerikan. Mises-Institut benannt ist) in einer Tradition oder gar als Teil des Wiener Kreises zu sehen, ist ungefähr so korrekt, wie Karl Marx als einen Verteter der Kapitalismus oder Gott als Anhänger des Atheismus anzusehen. Ich möchte aus Platzgründen jetzt nicht auf LvMises' vehemente Ablehnung der Auffassungen des Wr. Kreises eingehen, können Sie ja googlen. Wäre ich fies, könnte ich Ihnen jetzt aufgrund dieses Irrtums jegliches Verständnis erkenntnistheoretischer Zusammenhänge abzusprechen, aber ich nehme ich sehr stark an, Sie haben einfach Ludwig von Mises mit seinem Bruder Richard von Mises verwechselt, der in der Tat ein aktives Mitglied des Wr. Kreises war.

(2) Ihre Meinung über das Mises-Institut steht Ihnen natürlich völlig frei. Aber selbst wenn Sie recht hätten, was genau hat das mit der Arbeit des spanischen Ökonomen Huerta de Soto zu tun?

Präziser: wenn Sie finden, dass das Mises-Institut Blödsinn vertritt, und daraus pauschal allem die Glaubwürdigkeit absprechen, was irgendwie damit zu tun hat, machen Sie nichts anderes als aus einzelnen Beobachtungen auf das Allgemeine zu schließen - das nennt man Induktion. Soweit zu Ihrem Anspruch auf "saubere Wissenschaftlichkeit" ...

Alternativ könnten Sie sich eine eigene Meinung bilden und das Kapitel ja auch hier suchen und lesen:

www.jesushuertadesoto.com

"auf Basis von haarsträubend selektiven empirischen Daten, das perfekte politische System attestieren"

(3) Sie können LvMises, oder den anderen "Austrians" meinetwegen alles vorwerfen, aber sicher nicht, deren Theorien auf "haarsträubend selektiven empirischen Daten" aufzubauen.

Schlicht und einfach deshalb, weil die Österr. Schule sich sehr intensiv mit epistemologischen Problemen auseinandersetzt und zu Ableitungen von ökon. Aussagen auf empirischer Basis ein sehr kritisches/vorsichtiges Verhältnis hat - Mises geht sogar so weit, solche vollkommen abzulehnen und stattdessen einen aprioristischen Ansatz mit reiner Deduktion zu vertreten (sein Buch "Human Action")

Ihr Vorwurf ist absurd, denn vielmehr wird der Österr. Schule stets vorgehalten, zu skeptisch bezüglich Ableitungen von ökon. Aussagen auf Basis empirischer Daten zu sein!

PS:

Nur damit da kein Missverständnis aufkommt: Mit "erzkonservativ" waren natürlich kulturelle und nicht wirtschaftliche Einstellungen gemeint. Letztere sind selbstverständlich erzliberal. ;-)

Die USA erleben seit 2008 die schwerste Krise der Marktwirtschaft seit den 1930er-Jahren. Der Bankencrash hat die Steuerzahler hunderte Milliarden Dollar gekostet. Wieso floriert also der Ruf nach mehr Kapitalismus gerade jetzt?

Das ist, wie zu diesem Thema hier erwartet, fachlicher Humbug.
Richtig müsste es heissen: Die USA erleben seit 2008 die schwerste Krise der sozialistisch-lobbyistischen Planwirtschaft seit den 1930er-Jahren. Die Aufgabe der Freiheit hat die Steuerzahler hunderte Milliarden Dollar gekostet.

Wieso floriert also der Ruf nach mehr Kapitalismus gerade jetzt? Weil es in den USA keinen echten Kapitalismus gibt, es hat ihn auch nie wirklich gegeben, da er immer von der herrschenden Elite gehasst wurde, weil er den Menschen Freiheit gibt und die öffentliche Hand stark einschränkt.

Wenn man von jedem Ihrem Satz das Gegenteil nimmt, ergibt sich so ungefähr die Wahrheit. Ich darf Sie beruhigen, gegen dieses von ein Paar Milliardären gezielt und demonstrativ in die Welt gesetzte Märchen sind nicht nur Sie nicht immun.

Unfassbar wieviele Menschen gerne in Schubladen denken, ihre Lager nie verlassen und sich dabei auch noch überlegen fühlen.

Kleiner Tip: Viele Keynesianer lesen, dann auch Neoklassiker und dann aber natürlich auch Hayek, von Mises, Rothbard et al.

Und dann eine eigene Meinung bilden und mitreden. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Dieser Hayek-Hype scheint mir ähnlich dogmatisch

zu sein, wie seinerzeit der "Marx-Hype" bei den Kommunisten.

Meiner Meinung nach wäre weniger Dogmatismus gefragt, dafür mehr Fakten und gesunder Menschenverstand.

also ich weiß nicht. ich bin ja kein ökonom aber die ökonomen kennen sich ja anscheinend auch nicht aus.

warum sollte sich ein markt komplett selbst regulieren? das klingt für mich schon fast nach einem pseudo esoterischem unfug? ein "bisschen" und auch ein "bisschen mehr" regulierung ist schon notwendig sonst gibts für alle ein desaster finde ich.

aber dieses video ist einfach immer wieder lustig:

http://www.youtube.com/watch?v=467hCNuGvNw

Die Schwerkraft braucht auch keine Regulierung. Da ist noch keinem Politiker eingefallen diese regulieren zu wollen. Den Markt, den aber keiner versteht, den wollen sie alle regulieren.

Interesseantes Post!

Was würdens denn aus Ihrer Sicht regulieren müssen?

naja ich finde eben fast keine regulierung (fast kein staat) so wie es die republikaner in den usa wollen und predigen falsch. weil es zu wenig ist.

so wie es hier in europa ist finde ich es auch nicht richtig, weil es meiner meinung nach "zuviel staat" bzw regulierung ist.

ich finde obama ist da schon auf dem richtigen weg. der staat hat, finde ich eine eine moralische verantwortung der er nachkommen muss. der staat sollte impulse geben aber nicht den ganzen "track" vorschreiben.

ich verstehe nicht wie diese "kein staat" ökonemen auf die idee kommen, dass ein markt sich von selbst reguliert und praktisch vollbeschäfigung schafft...das ist einfach nur propaganda käse um die reichen zu schützen.

Gibt es irgend etwas spezielles, was Sie regulieren möchten?

Leute, die sich nicht mit Ökonomie auskennen, erkennt man vor allem daran,

dass sie behaupten, dass Ökonomen behaupten würden, ein Markt würde keinerlei Regeln brauchen, und sich selbst organisieren.

und wie es richtig ginge erfährt man dann hier:

www.wissensmanufaktur.net

ist der einzige unabhängige und nicht an eine der oben genannten "wirtschaftsreligionen" gebundene thinktank im deutschsprachigen raum, der flexibel genug ist das beste aus allen lehren zu verbinden und in ein gesamtkonzept zu verpacken - besetzt mit personen aus wirtschaft und recht die den verlauf der krise schon in den 90ern exakt vorhergesagt haben und mit allen thesen recht behalten haben, wärend jene politisch gefälligen "experten" die uns die medien vorsetzten noch von wachstum und selbstregulierenden märkten träumten.....

http://www.youtube.com/watch?v=quTEbY7nQsg

http://www.youtube.com/watch?v=HzSIVLJWs8Q

Extra für Sie ein kleiner Exkurs
Es geht dabei nicht um Wirtschaftsreligion sondern um Modelle.

Diese sind da um Zusammenhänge abzubilden und Denkanstöße zu geben. Diese 1:1 umzusezten funktioniert auch nicht, da das System zu komplex ist (Deshalb auch Modelle).

In der Praxis läuft es eher mit "learning by doing it" bzw "try and fail" ab. Eine Frage welche sich immer stellt: Was wäre weshalb besser gewesen, und was stand damit im Zusammenhang? Hinzu kommt bei diversen Modellen das historisch, gesellschaftliche Umfeld.

Lange Rede kurzer Sinn:
Was wir von so alten Theorien mitnehmen können sind Ideen, mehr nicht.

try and fail? interesting - also das verzinste geldsystem haben wir jetzt ca. 40 mal ausprobiert und es hat immer versagt - sollen wirs nochmals versuchen, oder machen wir mal was vernünftiges?

das problem mit den vertretern diese theorien, egal jetzt welche theorie es ist, ist ihre mangelnde flexibilität und ihre an religiösen eifer erinnernde sturheit - jeder pocht auf seine theorie, und zwar inklusive punkt und beistrich, und keiner ist bereit auch nur einen cm abzuweichen, bzw. zuzugeben, daß jede dieser theorien ihre fehler aber auch ihre vorteile hat - die richtige mischung machts - um die zu finden muss man aber unvoreingenommen alle theorien durchforsten die schwächen aufzeigen und die stärken finden - und zwar ohne tabus

Kein Wunder dass das Buch 1944 erschien

das war das Jahr von Bretton Woods (=WTO) dem Beginn des amerikanischen Imperiums und dem Ende der freien Wirtschaftsentwicklung.

Der letzte Absatz erinnert mich sehr an den typischen Standard-Poster. Der meint ja auch, dass es den wahren Kommunismus noch nie gegeben hat und es jetzt an der Zeit wäre, ihn endlich umzusetzen ;-)

Die "Oesterreicher" liefern einen wesentlichen Beitrag zur Krisenerklaerung, aber nicht den den wichtigsten. Stichwort Manipulation des Marktzinses durch die Zentralbanken. Gesells Erklaerung greift tiefer, er erkennt, das der Zinsmarkt a priori

extrem schlecht funktioniert.

http://tinyurl.com/9sbuj62

In jedem Fall ist es wichtig, UNDOGMATISCH vorzugehen, denn dann kann man erkennen, dass selbst Ultraliberale und Marx und viele andere wichtige Erkenntnisse gewonnen haben - und auch viel Unsinn verzapft haben.

http://tinyurl.com/9772ncd

Zu Behauptungen im Artikel:

1) Die Deregulierung hat den Crash verzoegert und verschlimmert, nicht verursacht.

2) DerZusammenhang zwischen der Geldmenge und den Blasen ist logisch leicht begruendbar und empirisch belegt.

Die zusaetzliche Geldmenen gehen nicht in die Realwirtschaft sondern in die Blasen und befeuern sie. Die Erklaerung dafuer findet man uebrigens bei Keynes, der sie von Gesell abgekupfert hat.

wird doch ned schon wieder ein österreicher sein

der die welt an den abgrund führt....

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