Effekte steigern, Blicke schärfen

Schau "Bedenken von schlicht Erlebtem" von Daniel Hafner in der Wiener Kiesler-Stiftung

Haben Sie schon einmal während des elektrisch unterstützten Zähneputzens in die Röhre geschaut? Nein? Daniel Hafner schon. Der Künstler stellte dabei fest, dass, wenn der Kopf mit einer 60-Hertz-Frequenz in Schwingung gebracht wird, Dinge mitunter anders aussehen: Bilder auf einem Röhrenbildschirm wirken etwa so als seien sie in Schwingung geraten. In der Ausstellung "Bedenken von schlicht Erlebtem" in der Wiener Kiesler-Stiftung hat Hafner eine Art Laborsituation geschaffen, mit der das durch Kongruenz der Frequenzen bedingte Phänomen nachvollziehbar wird: Linien beginnen wie in der Op-Art zu tanzen und statische Fotografie erhält eine weitere Dimension.

Welche Auswirkungen haben körperliche Empfindungen für die Wahrnehmung? Wahrnehmungspsychologische Fragen stehen im Zentrum von Hafners ästhetisch wie technisch präzisen, auf das Notwendigste reduzierten Arbeiten. Wie ein Wissenschafter löst der 33-Jährige Phänomene aus alltäglichen Seherlebnissen heraus und transferiert sie in den Kunstraum. Dort sensibilisiert sich durch veränderte Erwartungshaltungen auch die Wahrnehmung. Steht im Physiklabor die Frage nach dem Warum im Vordergrund, so geht es hier mehr um das Isolieren und Steigern von Effekten.

Um minimale Modulationen geht es in "Travelling Waves": Digital manipulierte Handzeichnungen, Strichknäuelkompositionen, die sich durch kleine Störungen auszeichnen, werden jedoch wieder von Hand abgezeichnet. Blick schärfend. (kafe, DER STANDARD, 28.8.2012)

Österreichische Kiesler-Privatstiftung, 6., Mariahilfer Straße 1b. Bis 22. 9.

Share if you care
3 Postings
Immerhin besser als gar keine Kritik im Standard.

Aber sehr viel Sprache wurde nicht gefunden für die - sehr sehenswerte - Ausstellung.

Sprache...

Ich gebe Ihnen Recht, aber oft verstellen allzuviele Worte im Zusammenhang mit Kunst das unmittelbare sinnliche Erleben.
Erst wirken lassen dann darüber nachdenken und dann- vielleicht- darüber reden. Das ist eben die Schwierigkeit bei der Vermittlung von Kunst, die sich dem Betrachter nicht sofort erschließt.
Über diese Ausstellung, die auch im Zusammenhang mit Ergebnissen der Hirnforschung gesehen werden kann, gäbe es allerdings wirklich mehr zu sagen! Unter Anderem über den Zusammenhang zwischen der akustischen Installation mit den visuellen (optischen) Arbeiten. "Travelling Waves"....

archo

Das ist eben die Schwierigkeit bei der Vermittlung von Kunst, die sich dem Betrachter nicht sofort erschließt.

tja da hilft manchmal nur eine mind-expanding essenz...was aber in unseren land nicht gestattet ist

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.