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London - Klatsch und Tratsch über die letzten großen Deals in ungezwungener Atmosphäre bei einem Feierabendbierchen auszutauschen gehörte für die Banker-Elite der Londoner City stets dazu. Geht es nach den Wünschen imagebewusster Großbanken, soll es damit nun ein Ende haben.
Nach den Skandalen der vergangenen Jahre, zuletzt rund um Zinsmanipulationen, wollen sich renommierte Geldhäuser einem Kulturwandel unterziehen. Das oberste Ziel: das unselige Zockerimage loswerden, um im Gegenzug das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es vielerorts eigene Workshops und konzerninterne Webcasts, welche das adäquate Verhalten sowie die Auswahl angemessener Gesprächsthemen beim Pub-Besuch lehren. Die wichtigste Lektion laut einem Banker: Rede nicht über Kunden und noch viel weniger über Interna. "Du musst dich umdrehen und sagen: Nein, lass uns nicht darüber sprechen." Stattdessen müsse das Gespräch auf Unverfängliches gelenkt werden.
Das arbeitgeberseitige Pendant zu den neuen Benimmregeln heißt: Überwachung. "Eine Bank will nicht einfach dasitzen und abwarten, bis die Aufseher den durchschlagenden Beweis finden. Als Bank will man das Problem aufspüren und dann eine Lösung entwickeln", sagt James Worsnip. Worsnip arbeitet bei einer Beraterfirma namens AlixPartners, welche Softwarepakete für ihre Kunden anbietet, mithilfe derer die geschäftliche Kommunikation ihrer Mitarbeiter analysiert werden kann. Auf den Verdacht von Insiderhandel hin können so E-Mails nach heiklen Schlagworten durchforstet werden. Telefonate würden mitunter live abgehört.
Bei den an die kurze Leine genommenen Bankern stößt der aufgezwungene Kulturwandel auf wenig Gegenliebe. "Jeder ist heute noch paranoider, das ist sicher", sagt ein Manager einer Investmentbank. (Reuters, red, DER STANDARD, 28.8.2012)
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