"Der Fußball ist kein Schlaraffenland"

Dario Baldauf ist in und um Wolfsberg ein kleiner Held, der Außenverteidiger hat das einzige Tor gegen Rapid erzielt. Gesehen hat er es übrigens nicht

Wolfsberg/Wien - Am Montag ist es in Wolfsberg ziemlich still gewesen. Die Lavanttal-Arena wurde gesäubert, der Müll vom Vortag abtransportiert, 7300 Menschen hinterlassen Spuren. Kein Training, nicht einmal ein gemeinsames Auslaufen war angesetzt. Es wurde jedem Einzelnen überlassen, die Zeit totzuschlagen. Dario Baldauf hat lange geschlafen, danach gefrühstückt und gefaulenzt. Sein weiterer Plan sah "nichts Besonderes" vor. Dass der 27-jährige Vorarlberger nun eine Kärntner Legende ist, würde er nie unterschreiben. Er hält den Hype für "ein bisserl übertrieben". Schließlich sei es nur ein Fußballspiel gewesen. Der WAC hat es gegen Rapid 1:0 gewonnen.

Baldauf köpfelte in der 18. Minute das Tor. Der Aufsteiger hat somit zum ersten Mal in einer Partie im Oberhaus daheim getroffen. Nach drei Fehlversuchen. "Irgendwann musste es passieren", sagt Baldauf. Auf höfliches Nachfragen schildert er die Szene: "Freistoß von Michael Liendl. Ich bin dort hingelaufen, wo es ausgemacht war, in die Mitte des Strafraums. Ich habe gemerkt, dass der Ball in meine Richtung fliegt. Ich war besser positioniert als der Rapidler Sonnleitner, bin gesprungen und habe die Augen zugemacht. Das ist ein Reflex, eigentlich habe ich nichts vom Tor gesehen." Rapids Goalie Lukas Königshofer hatte sich verflogen. "Das habe ich überhaupt nicht mitbekommen."

Baldauf ist Außenverteidiger, an der rechten und linken Seite einsetzbar, gegen Rapid war es die linke. "Ich bin beidbeinig." Sein Jubel fiel nicht gerade epochal aus. "Kann daran liegen, dass ich es nicht gewohnt bin." Vor acht Jahren hat er in der Bundesliga schon einmal getroffen, beim 3:1 der Admira gegen Mattersburg. Auch mit dem Kopf, geflankt hatte Nenad Bjelica, der nun Trainer in Wolfsberg ist. Baldauf: "Eine nette Anekdote."

In der Akademie Vorarlberg geschult, kam er 2003 zum FC Lustenau. 2004 wurde er von der Admira verpflichtet. 2005 wechselte er dummerweise zu Schwarz-Weiß Bregenz, der Verein ging in Konkurs. Altach erbarmte sich, 2008 kehrte er zum FC Lustenau zurück. Seit 2010 dient Baldauf auf Vermittlung seines Beraters Alexander Sperr dem WAC. "Ich bin kein Träumer. Bist du zehn Jahre im Profigeschäft, merkst du, der Fußball ist kein Schlaraffenland. Es können nicht alle ins Ausland wechseln." Ihm reicht es, Fan von Borussia Dortmund zu sein. "Man muss Realist bleiben." Möglicherweise sei er ein zumindest nicht untypischer Vorarlberger. "Bodenständig, nicht abgehoben." Mit dem Klischee "Schaffe, schaffe, Häusle baue" fange er allerdings wenig an. "Das passt nicht in meine Welt."

In Wolfsberg ist der gebürtige Bregenzer angekommen. Er hat in Kärnten Freundschaften geschlossen, über die Landespolitik wundere er sich zwar, "aber die wird ja nicht von mir gestaltet und beeinflusst". Der WAC sei ein spielfreudiges, funktionierendes Gebilde, Bjelica lege Wert auf Arbeit und Disziplin. "Wir haben uns überhaupt nicht verändert, wir spielen auch im Oberhaus immer auf Sieg. Das klappt halt nur manchmal." Mit dem Abstieg wolle man nichts zu tun haben. "Ich sage auch nicht, dass wir Neunter werden wollen. Das wäre ein komisches Ziel."

Das Tor sei schon "das persönliche Highlight" gewesen. "Aber viel wichtiger war der Aufstieg, das war das Ergebnis einer einjährigen Arbeit. Gegen Rapid habe ich nur den Kopf hingehalten." (Christian Hackl, DER STANDARD, 28.8.2012)

  •  Dario Baldauf kommt vor Rapids Mario Sonnleitner dran, es wird gleich 1:0 für Wolfsberg stehen.
    foto: dapd/leodolter

    Dario Baldauf kommt vor Rapids Mario Sonnleitner dran, es wird gleich 1:0 für Wolfsberg stehen.

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