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vergrößern 800x533Die neue Forschungsstadt Skolkovo wird nur mittels hunderter QR-Codes präsentiert: Der russische Pavillon stellt auf der Architektur-Biennale von Venedig ein utopisches Stadterweiterungsprojekt vor.
Die meisten Länder haben die Botschaft begriffen. Einige scrollen sich ins Abseits.
Überraschung: Die Architekten dieser Welt haben die iPads, Tablets und QR-Codes für sich entdeckt. Ein auffällig großer Teil der 13. Internationalen Architektur-Biennale in Venedig, die am Mittwoch offiziell eröffnet wird, greift auf diese praktischen technologischen Errungenschaften zurück. Da wird gescannt, geswypt und gescrollt bis zum Daumenkatarrh. Manche Beiträge verwehren sich überhaupt der Realität. Sie bleiben virtuell.
Russland ist so ein Beispiel. Im Untergeschoß ihres Pavillons stellt Kurator Sergej Tschoban geheime Forschungsgelände und nicht öffentlich zugängliche Wissenschaftsstädte aus der Zeit des Kalten Krieges aus. Bis heute sind diese Orte - dargestellt anhand von Schwarz-Weiß-Fotos - blinde Flecken auf der Landkarte.
Dem gegenüber präsentiert Tschoban das Moskauer Stadterweiterungsprojekt Skolkovo. Die neue Forschungsstadt, eine Art russisches Silicon Valley, befindet sich derzeit in Bau und ist das Prestigeprojekt Russlands schlechthin. Jedoch: Man sieht nichts. Der gesamte Pavillon besteht aus hunderten quadratischen QR-Codes, die erst mit dem Tabloid fotografiert werden müssen und deren Inhalte sich nach dem Scannen schließlich auf dem Touchscreen offenbaren. Das Ganze erinnert an den Science-Fiction-Horrorfilm "Cube" (1997).
"Skolkovo wird eine offene, transparente, freundliche und einladende Science-Metropole sein, eine Art öffentliche iCity", erklärt Tschoban im STANDARD-Interview. Der PR-Ton ist unüberhörbar. "Und anders als die geheimen Wissenschaftsterritorien der Vergangenheit wird Skolkovo für jeden frei zugänglich sein."
Davon ist nicht viel zu merken, denn mehr als über die Offenheit präsentiert sich Russland über das Prinzip des Ausschlusses. Keine Technik? Kein Inhalt. Das Generalmotto "Common Ground", das Biennale-Direktor David Chipperfield wie einen Schleier sorgfältig über die insgesamt 55 Länderbeiträge und 58 Kunstprojekte im Arsenale und in den Giardini legte, sucht man hier vergeblich.
Auch andernorts spielt die Technik eine wichtige Rolle. Das Projekt Gateway von Norman Foster, Carlos Carcas und Charles Sandison projiziert mehr oder wenige bekannte Bauwerke sogenannter Stararchitekten an die Wände und verdeutlicht mit der passenden Geräuschkulisse beziehungsweise mit einer entsprechend dramatischen musikalischen Untermalung, wie sich Architektur durch ihre Nutzung verändert. Ja, eh. Und immer wieder QR-Codes zu Scannen.
Unter den technikaffinen Beiträgen ist der österreichische Pavillon heuer die einzige große positive Ausnahme. Nach vielen Jahren ist das Josef-Hoffmann-Haus endlich wieder einen Ausflug wert. Kurator Arno Ritter und Architekt Wolfgang Tschapeller spielen in ihrer Installation "hands have no tears to flow ...", für die das BMUKK 400.000 Euro zur Verfügung stellte, mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Raum.
Zu diesem Zweck wurden 32 Personen mit jeweils rund vier Millionen Punktdaten dreidimensional vermessen und in Bewegung gesetzt. Die animierten Figuren gehen, tanzen und kriechen an den Wänden des Innenraums. Zwei dieser Figuren sind interaktiv: Sie nehmen die Bewegungen der Besucher auf und treten auf diese Weise - zumindest mit den besonders Aufmerksamen unter ihnen - in Kontakt. "Wir haben bei unserer Arbeit gemerkt, dass die Figuren eigentlich sehr ähnlich konstruiert sind wie Räume", erklärt Ritter. "Für die Zukunft lassen sich daraus durchaus Schlüsse für das Verhältnis von Raum und Körper ziehen." Architekt Tschapeller formuliert es noch etwas konkreter: "Ich denke, dass wir unsere Räume in Zukunft näher am menschlichen Körper entwerfen werden. Damit könnte das Subjekt mehr in den viel diskutierten Mittelpunkt der Architektur rücken."
Dieser Mittelpunkt schließlich ist es, der die Biennale unter Schirmherrschaft von Chipperfield so spannend macht - von wenigen Selbstbeweihräucherungs-Aktionen von Zaha Hadid, Herzog & de Meuron & Co einmal abgesehen. Die interessanten Fragen stellen heuer definitiv Chile, Bahrain, Japan und Dänemark. Sie alle interpretieren den "Common Ground" nicht als gebaute Architektur, also als künstliche Landschaft - sondern als natürliche.
Chile schickt seine Architekten in die Salzwüste, Bahrain befasst sich mit dem medialen Bild seiner Landschaft, die sich in Form von Hintergrundbildern auf BBC und CNN manifestiert, Japans Kommissär Toyo Ito denkt über billige und intelligente Wiederaufbaumöglichkeiten jener Gegenden nach, die 2011 vom Tsunami in Mitleidenschaft gezogen wurden, und Dänemark widmet sich dem öffentlichen Freiraum auf Grönland, Strategien inklusive. Der Schutz dieses architektonischen und klimatisch wichtigen Raumes geht uns alle an. Diese Message sitzt. Auch ohne Smartphone und Verschlüsselungszeremonie. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 28.8.2012)
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OK, ein "Tabloid" ist ein (Print-)Zeitungsformat, kein ein "Tabletcomputer".
"Swypen" bezeichnet eine Tastatureingabeform unter Android und
ein "Katarrh" ist eine Entzündung der Schleimhäute, an denen der Daumen arm ist.
Sorry für die Besserwisserei, aber der Eröffnungsabsatz schreit nach einem Wörterbuch (und zeigt übrigens, dass es Sinn macht, neue Wortkreationen ins Wörterbuch aufzunehmen, damit solche Missverständnisse verhindert werden.
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