Schimpansen handeln nach dem Floriani-Prinzip

Die Menschenaffen üben bei Diebstahl Selbstjustiz, werden aber Kollegen bestohlen, ist ihnen das egal

Leipzig - Wenn Schimpansen von einem Artgenossen bestohlen werden, wehren sie sich und bestrafen den Missetäter. Werden aber Kollegen aus ihrer Gruppe beklaut, ist ihnen das egal, fanden Wissenschafter vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in einer im Fachblatt PNAS veröffentlichten Studie heraus.

Die Forscher gaben zunächst einem Schimpansen aus dem Leipziger Zoo die Chance, einem anderen das Futter zu klauen. "Nachdem der Diebstahl passiert war, gab es die Möglichkeit, dem Dieb das Futter wieder zu entwenden, ohne - und das ist der Kernpunkt - eine Belohnung dafür zu erhalten", erläutert Studienautorin Katrin Riedl. Es stellte sich heraus, dass es den Tieren egal war, wenn andere bestohlen wurden - und das unabhängig davon, in welcher Beziehung sie zu den Artgenossen standen.

Die Bestrafung Dritter - eine Eigenschaft, die das soziale Zusammenleben der Menschen aufrechterhält - habe sich als Durchsetzungsmaßnahme erst im Laufe der Evolution zum Menschen entwickelt, folgern die Wissenschafter. "Wenn es keine Möglichkeiten der Sanktionierung gäbe, würde in einer Gruppe kooperierender Individuen die Zusammenarbeit nachlassen, sobald sich nur wenige Individuen rein eigennützig verhalten", erklärt Riedl. (dpa/DER STANDARD, 28.8.2012)

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