Das große Gönnen

Kolumne |
  • Weihnachten zuhause bei Heidi List? Dieses Jahr ist niemand beleidigt, dass man am 15. schon auf die Bahamas abhaut. Schließlich ist die Reise eine Einladung.
    foto: pixelio.de/klaus brüheim

    Weihnachten zuhause bei Heidi List? Dieses Jahr ist niemand beleidigt, dass man am 15. schon auf die Bahamas abhaut. Schließlich ist die Reise eine Einladung.

Ein Ding der Unmöglichkeit: Den Rest des Jahres im geordneten Rhythmus zu beginnen, wenn es abends an der Tür läutet

Ende August, es riecht nach Herbst. Vor drei Tagen in vier Monaten ist Weihnachten. Diesmal mache ich's anders, diesmal wird's beschaulich. Nach diesem wahnwitzigen Sommer, der eigentlich ein lieblicher, ein familiärer sein sollte. Einer, den man im Schrebergarten verbringt mit dem neuen Baby, damit man sich so richtig als Familie noch einmal neu erfindet. Und der aber ein mit Kurzurlauben gespickter wurde, zweimal sogar ins benachbarte Ausland. In dem es wimmelte vor Gästekarten, Reitengehen, Bummelnächten in Alpendörfern mit Hüpfburgen und Blasmusik, Sommerrodelbahnen, Meerwellenhüpfen, Gondelfahren (auf den Berg, in Venedig), Schwimmengehen - und dabei dauernd Angsthaben, dass wer ersäuft. Kinderprügeleien, Beziehungskrisen, saublöde Vollräusche in keiner Relation zur Erholungsmöglichkeit danach. Ja, so lief es heuer. Aus verschiedenen Gründen, nämlich da war doch mehr Arbeit als geglaubt und keiner wollte mit den Kindern alleine sein - also hängte sich immer wer mit der Brut in andere Nester ein.

Gepflegt einen umhängen

Keine Ahnung, wie die Eltern das damals in den 70er Jahren hingekriegt haben, nämlich dass wir Trotteln ab 8 Uhr geschlafen haben und sie sich dann gepflegt noch einen umhängen konnten auf den Urlaubsterrassen, ohne dass wir störten. Und auf jeden Fall ohne dass wir um 21, 22, 23 Uhr sowie nach Mitternacht alternierend aufgewacht sind und betreut werden mussten mit Dingen wie Wadenkrämpfen, vergessenen Traumfängern sowie Hunger, Durst, Lulu. Irgendwer meinte letztens, das lag an der damaligen Existenz der Watschen in der Kindererziehung, dass wir so vorbildlich waren. Mich hat aber nie wer geschlagen. Andererseits hatte mein Vater eine sehr laute Stimme. Und ein extrem unterentwickeltes Interesse an Traumfängern.

Diesmal falle ich nicht drauf rein ...

Also - der Sommer hatte es in sich. Gestresst und braun gebrannt harrt man nun ängstlich wieder des Alltags im September. Und wünscht, man hätte diese zwei geplanten netten, intimen Monate noch vor sich. Diesmal falle ich aber nicht drauf rein, diesmal wird's anders. Keine Überraschungsgäste, die erst um 4 in der Früh gehen, keine chaotischen Nachmittagsbesuche mehr. Keine Zeit totschlagen, Hauptsache, das Werkl rennt, und daneben kommt man zu gar nichts von nachhaltiger Wichtigkeit (außer dass die Kinder gewachsen sind). Kein Stress. Wochenlanges Planen von sozialen Kontakten. Zwei lange vorher ausgemachte Spielenachmittage für die Kinder, einmal pro Woche angekündigte Gäste, die man raffiniert, aber unaufwendig bekocht. Wok am besten. Oder Pizza liefern lassen und als kulinarischen Wahnsinn verkaufen ("Die müsst ihr kosten. Wir lassen ja sonst nie liefern, aber die ist ein Muss!"). Den Rest der Woche gibt's Fremdbetreuung oder man versaut anderer Leute Wohnungen. Kultur am Abend, mit reservierten, ich wiederhole, reservierten Karten! Babysitter ruft täglich an, ob er kommen darf.

Wein holen!

Somit ist auch kein Burn-out bis Ende November zu befürchten und man kann gemütlich in den Advent übergehen. Der mit dem Keksebacken (woanders, nicht in unserer Küche), mit dem Rodelngehen (wer anderer mit meinen Kindern, der nichts vergisst wie Handschuhe oder warmen Tee. Ich bleibe daheim im Warmen). Und Weihnachten? Wie schön! Diesmal ist niemand beleidigt, dass man am 15. schon auf die Bahamas abhaut und bis, na ja, Mitte März bleibt. Die Reise ist eine Einladung, man selber derzahlert das ja nicht. Hauptsache, es geht einem gut. In der Großfamilie ist das große Gönnen ausgebrochen. Schön.

Jetzt ist es 23 Uhr. Zeit, schlafen zu gehen und das Leben im geordneten Rhythmus zu beginnen. Ich bin alleine vom Entschluss dazu erholt. Aha, es läutet an der Tür. Ich geh mal Wein holen. (Heidi List, derStandard.at, 27.8.2012)

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*auf deM Berg.....

Wenn um elfe abends wer läutet, holt Frau von Welt eher die Schrotflinte als Wein. ^^

was hat denn

die frau list für einen beruf, dass sie 2 monate ferien hat? da gibts eigentlich nur einen...

ok

das war der zweite.

Sers, was machst denn du bei uns Livestyleschnattergänsen? In den Fussballforen gehts rund.

sers! weisst, seit ich da per zufall so ein rosa badetuch per post zugestellt bekommen hab', interessier ich mich plötzlich für die mondäne welt der mode, der reichen und schönen!

nur die härtesten kommen durch.

kommt schon das nächste?

Aha, es läutet an der Tür. Ich geh mal Wein holen.

warum bringt der gast den wein nicht selber mit?

warum geht der mann nicht den wein holen?

es reicht wenn er die kohle dafür hergibt...

der rest ist frauensache...

es reicht

wenn er die kohle und sein letztes hemd gibt. ok.

in Zeiten wie diesen,

kann auch eine Frau den Keller mitsamt Wein finden, sind ja ned aufgemalt, die Beine.

wer sagt, dass der wein im keller ist.

sonst hätte ich gefragt:

warum geht der gast nicht selbst in den keller, holt den wein und läutet dann an der tür?

sicher, aber

die autorin hat ein baby und ist überlastet, deswegen.

man könnte doch aber auch in erwägung ziehen, sich die weinflaschen um den bauch zu binden (oder wahlweise: rücken) und das baby im weinkeller lagern (eichenfässer veredeln ja so manches). wirkte vielleicht der überlastung und dem stress entgegen.

warum kompliziert, wenns einfach geht

eine flasche rotwein leeren, dann schreibt sich die kolumne wie von selbst (hab's selber nicht ausprobiert).

und das baby gibt nach dem stillen auch eine ruh'. eine win-win-situation aus dem bilderbuch.

et à votre santé :-)

ah so,

hatte da andere Beweggruende vermutet, entschuldigung.

dem bin ich ausgewichen. ;)

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