West-Nil-Fieber: Globetrotter unter den Tropenkrankheiten

26. Juli 2013, 15:04
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Die Globalisierung begünstigt die Ausbreitung des Virus - Schwere Verläufe einer Erkrankung kommen jedoch selten vor

Seine große Reiselust und sein pünktlicher Auftritt zur Urlaubszeit in beliebten Ferienregionen wie Griechenland verschaffen dem West-Nil-Fieber seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit unter den Tropenkrankheiten. Doch auch in Mitteleuropa verbreitet sich das durch Stechmücken übertragene Virus nach und nach. Es ist dem des Dengue-Fiebers ähnlich und kann in seltenen schweren Verläufen zu Krankheiten wie Enzephalitis oder Meningitis führen.

Das West-Nil-Virus wandert nicht nur durch die Kontinente, sondern existiert angeblich schon seit Jahrtausenden. Alexander der Große soll bereits am West-Nil-Fieber verstorben sein. Bewiesen ist diese Annahme von Medizinhistorikern allerdings nicht, schließlich ist dem Virus erst seit seiner offiziellen Entdeckung 1937 in der West-Nil-Provinz Uganda forschende Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Verbreitung durch globalen Handel

Nach seinem endemischen Vorkommen im nordöstlichen Afrika und weiterem Auftreten in Asien, dem Mittleren Osten, Südeuropa und Australien wurde zunächst angenommen, dass dieser Erreger zwar ein weites Verbreitungsgebiet hat, aber nur wenig pathogen ist. Als schließlich vor gut zehn Jahren durch eine Reifenlieferung eine der gefährlichen Tigermücke verwandten Stechmückenart in die USA eingeschleppt wurde, änderte sich die Ansicht der Forscher, denn das West-Nil-Virus verbreitete sich auch in den USA und führte zu zahlreichen schweren Erkrankungen des Gehirns, mit zum Teil mit tödlichem Ausgang.

Der globale Handel und Austausch von Gütern begünstigt die Verbreitung von Mücken, die Viren übertragen können. "Stechmücken überleben auch in für sie neuen Regionen, denn sie sind sehr anpassungsfähig was das Klima betrifft", erklärt Harald Noedl vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien.

Entwarnung für Urlauber

Das West-Nil-Virus ist das geografisch am weitesten verbreitete durch Mücken übertragene Virus. Dennoch brauchen sich Urlaubsreisende, die in südliche Destinationen unterwegs sind, nicht vor einer Ansteckung fürchten, beruhigt Tropenmediziner Noedl. Der Ausbruch des West-Nil-Fiebers im Sommer 2011 in Griechenland (mit drei Toten und 44 Erkrankten allein im Monat August) sei Noedl zufolge nichts Neues und auch nicht schlimmer als in den vergangenen Jahren. "Lokale Gesundheitsbehörden informieren Touristen, wenn eine akute Gefahr von Stechmücken ausgeht", entwarnt auch Franz Allerberger von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)

Ein Prozent ernsthaft krank

Die vom West-Nil-Virus primär Betroffenen sind Vögel. Sie dienen den Insekten als Reservoir. Mücken infizieren sich bei der Blutmahlzeit an virämischen Vögeln und können so das Virus auf andere Vögel weitergeben. "Die Übertragung auf Säugetiere, also auch auf den Menschen ist möglich, eine tatsächliche Ansteckung allerdings selten, da die Virenlast im Menschen viel niedriger ist als am Tier", erklärt Noedl. Eine Weitergabe von Mensch zu Mensch sei nicht möglich.

Sollte jemand tatsächlich mit dem Virus infiziert werden, heißt das noch lange nicht, dass er davon auch krank wird. Für gesunde Menschen ist eine Erkrankung am West-Nil-Fieber unwahrscheinlich. "Von schweren Verlaufsformen infolge einer Infektion sind eher ältere oder aufgrund chronischer Grundkrankheiten wie Diabetes geschwächte Menschen betroffen", so Noedl. Laut einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation erkranken 80 Prozent der Infizierten überhaupt nicht und die 20 Prozent Erkrankten leiden hauptsächlich an harmlosen Verlaufsformen mit grippeartigen Symptomen. Hier sei keine Behandlung nötig. Bei nur einem Prozent kommt es tatsächlich zu schweren Krankheitsverläufen wie Enzephalitis oder Meningitis, die durch Symptome wie Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit des Betroffenen angekündigt werden.

Auch heimische Gelse ist Überträger

Stechmücken vermehren sich, insbesondere heuer nach dem verheerenden Hochwasser, auch hierzulande schnell. Nicht nur eingeschleppte exotische Mückenarten können den Krankheitserreger verbreiten, sondern auch heimische Gelsen. "Niemand sollte sich fürchten, aber Stechmücken sind nun nicht mehr ganz ungefährlich. Ähnlich wie bei den Zecken vor 20 Jahren muss sich heute das Bewusstsein für die mögliche Krankheitsübertragung durch Stechmücken ändern", erklärt Allerberger. Die AGES überwacht mittels eines Gelsenmonitorings die Überträger von humanpathogenen Viren wie dem West-Nil-Fieber, Dengue oder Chikungunya laufend.

Regentonnen abdecken

"Derzeit ist das Risiko einer Ansteckung am West-Nil-Fieber aber hierzulande gering", stellt AGES-Mediziner fest. Seit 2009 gab es in Österreich erst fünf dokumentierte Fälle von Menschen, die sich mit dem Virus infiziert hatten. Mit einfachen präventiven Mitteln ließe sich der Sommer aber unbesorgt genießen. Etwa Regentonnen abdecken, da Stechmücken ihre Eier in Wasseransammlungen ablegen. Fliegengitter verwenden, mit geschlossenen Fenstern schlafen und abends am Wasser besser mit langärmeliger Kleidung den Sonnenuntergang genießen. (Elisa Weingartner, derStandard.at, 26.7.2013)

  • Das West-Nil-Virus ist das geografisch am weitesten verbreitete durch Mücken übertragene Virus.
    foto: epa/james gathany/centers for disease control

    Das West-Nil-Virus ist das geografisch am weitesten verbreitete durch Mücken übertragene Virus.

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