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Ein wichtiges Werkzeug für jeden Turnusarzt: Das Stetoskop
Wer in einem österreichischen Spital das Bett hüten muss, wird dort auch außerhalb der Visite vermehrt junge Ärzte in Ausbildung zu Gesicht bekommen, die regelmäßig Blut abnehmen oder Infusionen anhängen. Zwar sind dies unbestritten wichtige Aufgaben in der Patientenbetreuung - problematisch kann es aber dann werden, wenn medizinische Kernkompetenzen in der praktischen Ausbildung der Ärzte in den Hintergrund treten. Schließlich müssen die jungen Mediziner nach ihrer Turnuszeit in Eigenverantwortung über Menschenleben entscheiden.
In Österreich dauert der Turnus mindestens drei Jahre und wird im Rotationsprinzip in den Fächern Allgemeinmedizin, Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, HNO, Dermatologie, Innere Medizin , Kinderheilkunde, Neurologie und Psychiatrie durchlaufen. Der Turnus endet nach bestandener Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin mit der Berechtigung zur selbständigen Berufsausübung, dem Ius Practicandi. Eine anschließende Ausbildung zum Facharzt, nimmt je nach Fach und Verfügbarkeit einer Stelle durchschnittlich fünf Jahre in Anspruch.
"Sechs Jahre Mindeststudienzeit eingerechnet, dauert es gut und gerne 14 Jahre, bis ein Facharzt seine Ausbildung geschafft hat - manchmal auch länger", rechnet Karlheinz Kornhäusl vor, seit Juni dieses Jahres Obmann der Bundessektion Turnusärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Mit Stand März 2012 arbeiteten in Österreich insgesamt 6.968 Turnusärzte, die meisten (2.276) davon in Wien. In Oberösterreich oder Vorarlberg etwa, gäbe es wiederum viele freie Turnusstellen, aber kaum Interessenten. Das wird vor allem auf die Rahmenbedingungen des Turnus zurückgeführt.
Auch Kornhäusl befindet sich derzeit in Turnusausbildung zum Allgemeinmediziner. Wie wohl er, wie Kornhäusl selbst sagt, die Schattenseiten persönlich kennt, habe er doch großteils Glück gehabt und in Abteilungen gearbeitet, wo ihm viel gezeigt und beigebracht worden sei. Der Regelfall scheint das allerdings nicht zu sein. Denn entgegen den allgemein geltenden Richtlinien in Österreich differiert die Qualität der Turnusausbildung je nach Institution und Bundesland. Die letztgültige gesetzliche Grundlage für die Turnusausbildung ist das Ärztegesetz aus dem Jahr 1998, das neben den zu durchlaufenden Fachbereichen festlegt, in welchen Einrichtungen der Turnus zu absolvieren ist und wer die Abschlussprüfung organisiert und durchführt - dies wiederum obliegt der ÖÄK.
Die Ärztekammer ist es auch, die darüber hinaus ein Tätigkeitsprofil für Turnusärzte erarbeitet hat. Die Ausbildungsordnung enthält die prioritären medizinischen Kenntnisse und Fertigkeiten, die an die jungen Ärzte zu vermitteln sind. Dazu zählen etwa das Assistieren bei Operationen, die Erstbeurteilung bei Notfällen und das Erkennen der für die jeweiligen Fachrichtungen typischen Krankheitsbilder - die nötigen diagnostischen und therapeutischen Schritte eingeschlossen. Aufgaben wie Blutdruckmessen, EKG-Schreiben oder rein administrative Arbeiten etwa, gehören nicht zu den Agenden der Turnusärzte. Ärztliche Tätigkeiten, wie die Verabreichung subkutaner bzw. intramuskulären Injektionen oder das Legen von Dauerkathetern und peripherer venöser Zugänge, können auf das Krankenpflegepersonal übertragen werden. Die einzelnen Fachrichtungen sind vom Turnusazt ohne Unterbrechung zu absolvieren. Eine Supervision ist als fixer Bestandteil ebenso vorgeschrieben.
Die Ergebnisse einer ÖÄK-Erhebung, die zu Jahresbeginn 2012 mit einem Sample von knapp 3.800 Turnusärzten in Österreich durchgeführt wurde, zeigen jedoch die Kluft zwischen den Anforderungen auf dem Papier und den Bedingungen in der Praxis deutlich auf: Die Qualität der Ausbildung wurde von einem hohen Anteil der befragten Turnusärzte als "nicht genügend" bewertet. Mehr als 50 Prozent gaben zudem an, dass sie die vorgesehenen Abteilungen des Spitals nicht alle durchlaufen hätten. In der Ambulanz war ein Großteil der Befragten (mehr als 60 Prozent) selten bis nie tätig, auch nicht beobachtend, selbstständig schon gar nicht (mehr als 70 Prozent). Untersuchungen in Eigenregie und kleinchirurgische Eingriffe wie Wundversorgung wurden selten bis nie vorgenommen, abteilungsspezifische Untersuchungen wie Ultraschall noch seltener, Visiten ebenso wenig.
Auch das sogenannte „Teaching at the Bedside" (der Unterricht am Krankenbett, Anm. Red.) wird der Studie zufolge vernachlässigt. Sogar die wichtige Möglichkeit der Supervision bleibe manchen Turnusärzten verwehrt. Kritik gibt es nicht zuletzt in Bezug auf die Arbeitsbedingungen als solche: Vor allem häufige Nacht- oder Wochenenddienste empfinden die Turnusärzte als Belastung. Überstunden würden außerdem nicht zwangsläufig abgegolten. Ein gutes Zeugnis bekamen indessen die Stammbelegschaften der heimischen Spitäler ausgestellt: Diese seien bei Fragen zu einer Therapie oder einem Eingriff fast immer für den Medizinernachwuchs erreichbar gewesen (Österreich: 76 Prozent, Wien: 68 Prozent Zustimmung).
Vor allem in kleineren Häusern müsse ein Arzt in Ausbildung ein breites Spektrum abdecken, könne dafür aber umso mehr lernen, schildert Stephan Traintinger, der seinen Turnus eineinhalb Jahre im Krankenhaus Oberndorf bei Salzburg absolviert hat, bevor er dort eine Stelle als Assistenzarzt für Chirurgie antreten konnte. "Ich war von Anfang an in das Team eingebunden, weil man einfach auch dringend gebraucht wird", so der 28-jährige Mediziner, der in Wien studiert hat und dann nach Salzburg gewechselt ist. Traintinger findet eine praktische Grundausbildung nach dem Studium prinzipiell wichtig und verfolgt selbst vor allem einen pragmatischen Ansatz: „Wenn man in einem Haus als Turnusarzt arbeitet und die Leute erst einmal wissen, was man drauf hat, kann man sich ein Bild über die Rahmenbedingungen vor Ort machen und vielleicht die eigenen Chancen erhöhen, dort eine Assistenzarztstelle zu bekommen."
Eigenverantwortung gehöre natürlich genauso dazu, räumt Traintinger ein. Ein entscheidender Punkt ist seines Erachtens aber jedenfalls die generelle Einstellung zur Lehre und die fange ganz oben an: "Die Turnusärzte sind einfach davon abhängig, dass ihnen der zuständige Oberarzt oder die Abteilung in der sie arbeiten, auch effektiv etwas beibringen wollen - so wie das glücklicherweise bei mir war." In diesem Fall könne man massiv profitieren und dann sei es „auch nicht so schlimm, nebenbei ein paar Infusionsflaschen anzuhängen". Andernfalls könne das aber sehr ernüchternd sein.
Was muss sich also verbessern? In seiner Funktion als Sprecher der jungen Ärzte in Ausbildung erneuert Karlheinz Kornhäusl die Forderung der Ärztekammer, attraktive und akzeptable Ausbildungsverhältnisse für den aus seiner Sicht nach wie vor durchaus motivierten Medizinernachwuchs zu schaffen. Voraussetzungen dafür seien unter anderen eine Entlastung in der Bürokratie mittels Administrationsassistenzen, eine entsprechende Work-Life-Balance zu gewährleisten sowie moderne Arbeitszeitmodelle einzuführen. "Die Turnusärzte sind kein jammernder Haufen", betont Kornhäusl, "aber gegen die überlangen Dienste, die überbordende Verwaltung und die Degradierung zu Systemerhaltern und Spritzenschanis muss dringend etwas unternommen werden, um einem chronischen selektiven Ärztemangel in Österreich vorzubeugen. "
Abgesehen von der verbesserungswürdigen Situation in den Spitälern gelte es vor allem auch bei den Lehrpraxen anzusetzen. Die Lehrpraxis wird als Teil der Ausbildung bei einem niedergelassenen Allgemeinmediziner absolviert. Zwar gibt es in Österreich derzeit theoretisch 2.129 dieser kleineren Ausbildungsstätten, in der Praxis fehle jedoch schlichtweg das Geld für die Lehre in den Ordinationen, welche Turnusärztesprecher Kornhäusl aber verpflichtend in der Ausbildung zum Allgemeinmediziner verankert sehen will. Dies sei ein Grund dafür, „dass speziell am Land viele junge Ärzte lieber im Spital bleiben und schon jetzt einige Ordinationen nicht mehr nachbesetzt werden können". Laut Berechnungen der ÖÄK wären für die Finanzierung der Lehrpraxen rund elf Millionen Euro jährlich zusätzlich notwendig - dem gegenüber stünden derzeit rund eine Million Euro Budgetmittel des Bundes. Die Politik müsse nun endlich reagieren, schließt Kornhäusl. (Gudrun Wolfschluckner, derStandard.at, 31.8.2012)
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Deshalb sollte der Turnus so breitgefächert, wie möglich, Praxis bieten, damit dann der Allgemeinmediziner auch tatsächlich einer ist und souverän der Vielfältigkeit der künftigen Patienten, deren Leiden und Krankheiten gegenüber stehen kann.
Ansonst kommt es so weit, dass die langjährige Ordinationshilfe sicherer (be-)handeln, diagnostizieren kann und besser weiß, was zu tun ist, als der Herr oder die Frau Doktor.
Eine Überprüfung, ob alle Turnusausbildungspunkte auch eingehalten werden, wäre angebracht. Wie auch das Gesetz zum Turnusdienst selbst überdacht und der heutigen Zeit angepasst werden sollte.
Kompetente Allegemeinmedizinier braucht das Land!
Deswegen nennt man sie auch FACHärzte. Der Kardiologe muss keine nennenswerten Orthopädiekenntnisse haben und umgekehrt. Eine Spitalsabteilung bzw. Facharztordination ist keine Autowerkstatt.
Ohne das gesamte medizinische Wissen und Erfahrung kann weder ein Kardiologe, noch sonst ein Facharzt eine glaubwürdige Diagnose stellen. Wenn Sie, (hoffentlich), irgendwann mal etwas versierter sind, werden Sie Bescheid wissen, wie wichtig das interdisziplinäre Denken ist
Was soll sich ein Kardiologe um die chronischen Rückenschmerzen seiner Patienten scheren? Kardiologische Ursachen ausschließen und fertig ist sein Auftritt. Oder meinen Sie, er soll die Infiltration übernehmen?
Jacksons "Kardiologe" war übrigens Anästhesist, aber das nur nebenbei.
Unsinn, im Spital brauchen sie ständig zahlreiche Konsiliarbefunde, (kostet viel Geld), und im Nachtdienst ist das ganze noch viel krasser (die Turnusärzte sollten es bestimmen, wenn sie z.B. innere Krankheiten absolviert haben), oder doch Fachärzte von anderen Abteilungen, einfach lächerlich (auch für TÄ), und ich war auch damals vor 15-20 Jahren TA, und ich weiß, wovon ich rede (arbeite immer noch im niedergelassen Bereich), habe aber noch viele Kontakte zu Spitalsärzten, sowohl privat, als auch beruflich.
Mit allem Respekt, was Sie vor 15-20 Jahren in Studium und Turnus gelernt haben nehmen wir heutzutage im Medizinstudium innerhalb von 2 Jahren durch.
Nach dem Studium hat man mittlerweile einen guten Überblick über das, wie Sie es nennen, "gesamte medizinische Wissen". Jede Fachrichtung Perfekt zu beherrschen ist Utopie, aber wissen welches Krankheitsbild wo hin gehört ist Programm.
Der Turnus dient eher dazu das erworbene Wissen wieder zu verlieren, fragen Sie einmal Ihre jungen Kollegen.
Und ob absolvierter Turnus oder nicht, kein Orthopäde wird Ihnen nach 1-2 Jahren Berufserfahrung anständig ein EKG befunden können.
Sie sollten von Ihrem hohen Ross steigen, wieder einmal verschiedenen fachärztlichen Morgenbesprechungen beiwohnen hilft.
genau der selbige war doch schon vor 3 Monaten im online Standard zu lesen, aber NEIN, es ist ein neuer Artikel, es handelt sich um die einmal im Quartal erscheinende brandneue Erkenntnis, das der Turnus eine Pseudoausbildung ist. Zeitverschwendung den Artikel zu lesen, das Posten eigentlich auch.
denn die jungärztekollegen sind scheinbar unfähig sich selbst und die öffentlichkeit zu mobilisieren. seit 20 jahren geht das gejammere schon, passiert ist nix. ärztekammer kümmert sich einen dreck, ÖMU-studentenvertretung organisiert lieber parties, und wenn die jungärzte mal drinnen sind in dem hamsterrad dann halten sie schnell den mund weil man will sich ja seine karriere nicht versauen.
und weil das immer so war und immer so bleiben wird ändert sich nix.
dabei würde das system binnen 2 streiktagen zusammenbrechen.
gut ist einzig dass viele junge kollegen mittlerweile ins ausland gehen. vielleicht kann ein ärztemangel ja etwas bewirken, siehe deutschland.
Der Einzustellende soll tunlichst jegliches Wissen schon bei Anstellung mitbringen und damit auch selbst bezahlt haben, darüber hinaus wird kein Wissen mehr vermittelt. Kostet schließlich Geld und Zeit.
Man darf sich dann selbstständig durch das Chaos und gegen die Dummheit und Intriganz der Kollegen wurschteln und muss darauf hoffen auch durch völlige Planlosigkeit mitzubekommen worum es geht und vor allem wie es geht.
Oft wundere ich mich, das hier überhaupt noch etwas funktioniert, bei der Inkompetenz der leitenden Stellen, die mehr verhindern als fördern. Ich führe das auf den Einsatz einiger weniger zurück, die trotz der Widrigkeiten willens sind, Leistung zu bringen, obwohl es sich nicht bezahlt macht.
1) sich zusammenraufen und das system binnen weniger streiktage zum zusammenbruch bringen,
oder
2) ins ausland gehen.
ich hatte mich vor 8 jahren, als es in Ö einfach keine turnusplätze gab (gottseidank sag ich heute) ins ausland verdrückt (skandinavien) und habe dort sowohl den allgemeinmediziner als auch den facharzt gemacht.
ich würde auch wieder dorthin zurückgehen wenn es in Ö weiter so den bach runtergeht. gottseidank ist man halt als facharzt um einiges besser dran, weil die hierarchien immer noch so vertrottelt archaisch sind wie im mittelalter.
österreich könnte ein so herrliches land sein wenn es sich nur mal ein bisl weiterentwickeln würde! und das betrifft nicht nur die ärzteausbildung...
Mit Krankenbehandlung und Versorgung sollten keine Geschäfte gemacht werden .... Dienst am nächsten sollte es sein und von der Gemeinschaft als gemeinsames Interesse finanziert werden, dann würden die meisten Fehlentwicklungen gar keinen Nährstoff haben. So ist es eben ein Geschäft mit allen Konsequenzen die dazugehören!
nur keine Ausbildung zum/zur ÄrztIn für Allgemeinmedizin. Letztere findet international v.a. in der allgemeinmedizinischen Praxis statt. Heutzutage gibt es nur mehr ein Land in dem mann/frau AllgemeinmedizinerIn werden kann, ohne jemals in einer allgemeinmedizinischen Praxis gearbeitet zu haben ... dreimal dürfen Sie raten um welches arme Land es sich dabei handelt ...
die "Interessensvertretung" hauptsaechlich aus Leuten besteht, die selbst Nicht-Turnusaerzt sind, welche nunmal selbst kein Interesse haben, dass sich daran was aendert, denn es ist praktisch, wenn der Turnusarzt die unbeliebte Arbeit macht.
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