Schnellerer Abschied vom grauen Star

Felicitas Witte
27. August 2012, 08:18
  • Mit der Lasertechnik kann die neue Linse exakter positioniert werden.
    foto: apa/charles rex arbogast

    Mit der Lasertechnik kann die neue Linse exakter positioniert werden.

Mit einer neuen Lasertechnik wird die getrübte Linse leichter entfernt

Die Umgebung wird weniger scharf, helles Licht blendet mehr als früher, und das Lesen strengt an: Beim grauen Star (Katarakt) trübt die Augenlinse ein, unbehandelt schreitet die Krankheit immer weiter fort. Mehr als 60 Prozent der Menschen über 65 Jahren bemerken diese Sehstörung. Bisher kann man die Krankheit nicht verhindern und nicht mit Medikamenten behandeln. Nur eine Operation stellt das Sehvermögen wieder her. Dabei entfernt der Augenarzt die trübe Linse aus dem Auge und ersetzt sie durch eine Linse aus Kunststoff.

Seit kurzem bieten vor allem Augenärzte in der Schweiz und Deutschland eine neue Operationsmethode an. Hierbei führt der Arzt bestimmte Operationsschritte nicht wie bisher mit Pinzette oder Ultraschall durch, sondern mit dem Femtosekundenlaser. Das ist ein neuer Laser mit extrem kurzen Lichtpulsen, der auch zur Korrektur von Weit- oder Kurzsichtigkeit eingesetzt wird. "Die Technik wird die Kataraktchirurgie revolutionieren", sagt Eduard Haefliger, Chefarzt der Laser Vista Augenlaserzentren in der Schweiz. "Damit kann ich die neue Linse viel genauer positionieren. Außerdem ist die Operation sicherer, weil die Laserschnitte präziser sind."

Fokussierter Laser

Bei der neuen Methode schneidet der Arzt mit dem Laser ein kreisrundes, vier bis fünf Millimeter großes Loch vorn in die Linsenkapsel (siehe Grafik), die die Linse einhüllt. Dann zerkleinert und verflüssigt der Laser den Kern der getrübten Linse. Beim herkömmlichen Verfahren wird die Kapsel mit einer Mini-Pinzette geöffnet und die Linse mit Ultraschall bearbeitet. "Die Ultraschallwellen bergen das Risiko, dass sie die Hornhautzellen schädigen", erklärt Haefliger, "der Laser arbeitet so fokussiert, dass die umliegenden Gewebe nicht geschädigt werden." Die letzten Schritte sind bei der neuen Methode genauso wie bei der herkömmlichen: Über das Loch werden die Reste der Linse abgesaugt, und die neue Linse wird in die leere Linsenkapsel eingebracht.

Mediziner vom Moran Eye Center in Salt Lake City, USA, gaben kürzlich einen Überblick über Studien zu der neuen Technik. Untersuchungen an etwa 50 operierten Augen zeigen, dass sich die Kunstlinsen nach der Laser-Operation nicht so oft zur Seite verschoben. Außerdem waren die Schnitte in der Kapsel exakter. "Wir haben aber noch zu wenige Daten, was die bessere Positionierung für die Patienten bedeutet", sagt Thomas Kohnen, Direktor der Augenklinik an der Uni Frankfurt. Die bisherigen Studien sprechen dafür, dass der Laser der konventionellen Technik ebenbürtig ist: Das Sehvermögen lässt sich damit genauso gut wiederherstellen, und Komplikationen wie Hornhautschäden oder Entzündungen traten nach einjähriger Beobachtungsdauer ähnlich selten auf.

"Wir kennen die Langzeitfolgen noch nicht", sagt Kohnen, "interessant wäre zu wissen, ob die gelaserten Patienten auch nach Jahren noch besser sehen, weil ihre Linsen exakter platziert wurden." Hierfür braucht man große, randomisierte Studien, bei denen Patienten zufällig der einen oder anderen Behandlung zugeteilt werden. So eine Studie will Günther Grabner in Kürze starten, Vorstand der Augenklinik an der Paracelsus Med-Uni Salzburg. Den Femtosekundenlaser will die Uniklinik in einigen Monaten anschaffen. Eine teure Investition - das Gerät kostet etwa eine halbe Million Euro. "Ich bin zuversichtlich, dass sich das lohnt", sagt Grabner.

Beschränkter Einsatz

Manche Patienten kommen für die neue Technik nicht infrage. Ist zum Beispiel die Augenhöhle sehr eng, lässt sich die Ansaug-Vorrichtung des Lasers am Auge nicht sicher genug befestigen. Und bei fortgeschrittenem grauen Star ist das Innere der Linse oft so verhärtet, dass es durch den Laser nicht aufgeweicht werden kann. "Es gibt aber schon neue Laser, mit denen man auch solche Patienten gut behandeln kann", sagt Grabner. Ein weiterer Ausschlussgrund könnte der Preis sein: Diese Operation kostet mindestens 800 Euro mehr. (Felicitas Witte, DER STANDARD, 27.8.2012)

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4 Postings
Leider fehlt eine Beschreibung zur Geschichte des Starstechens.

Alles was hier so einfach dargestellt wird und auch operativ schnell bewerkstelligt wird, erfordert im Hintergrund und vor allem in der Vorarbeit ungeheures Wissen und Können. Es ist ein Himalaya an Wissen und an Technik auf dem dann letztlich diese Operation beruht und leider ist das nicht zu sehen.

Liebe Standard-Redaktion...

... im Artikel wird zum besseren Verständnis auf eine Grafik verwiesen. Die würde sicher helfen - so sie denn vorhanden wäre...

Grafiken usw.

Hallo Munin,

bewegte Bilder zur Kataraktchirurgie in Österreich findet man beispielsweise hier: http://www.vielgesundheit.at/themen/au... tchirurgie

Danke, recht interessant.

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