Kaske ist der Falsche für die AK

Eric Frey
26. August 2012, 22:12

Der Arbeiterkammer braucht neue Ideen – die von einem Gewerkschaftshardliner wie dem vida-Chef nicht kommen werden

Rudolf Kaske (links im Bild) hat zu Recht eine steile Karriere in der Gewerkschaftsbewegung gemacht. Der gelernte Koch ist seit fünfeinhalb Jahren Chef der großen Dienstleistungsgewerkschaft vida. Er ist intelligent, eloquent und kann im persönlichen Gespräch auch sehr einnehmend wirken.

Nun soll der 57-Jährige nun Nachfolger von Herbert Tumpel (rechts) als Präsident der Arbeiterkammer werden. Für diesen Posten aber ist Kaske der falsche Mann.

Das hat zwei Gründe:

Der erste: Der AK-Chef kommt traditionell aus der Gewerkschaft, schließlich soll er ein gestandener Arbeitnehmervertreter sein. Doch dieser Automatismus verhindert, dass die AK ein eigenständiges Profil entwickelt, das über die reine Klassenkampforganisation hinausgeht.

Die AK wirkt heute nach außen hin wie ein verlängerter Arm des ÖGB und die linke Vorfeldorganisation der SPÖ.  Wer ihre Magazine und ihre Presseerklärungen liest, findet nie originelle oder auch nur zeitgemäße Gedanken über eine sinnvolle Modernisierung der Arbeitswelt. Hier werden stur bestehende Arbeitnehmerrechte verteidigt oder neu eingefordert –gleichgültig, ob sie zur wirtschaftlichen Realität passen oder nicht.

Das untergräbt ihre Glaubwürdigkeit als parteiungebundener, sozial orientierter Thinktank, den sie etwa in den späten siebziger Jahren hatten, als etwa der spätere Finanzminister Ferdinand Lacina die volkswirtschaftliche Abteilung der AK leitete.

Und die AK versagt dadurch bei der Vertretung von hunderttausenden Arbeitnehmern, die nicht SPÖ wählen, nicht reflexhaft links denken, und in der Ausweitung teurer Arbeitnehmerrechte den falschen Weg für den Wirtschaftsstandort Österreich sehen.

Deshalb wäre es wünschenswert, wenn Tumpels Nachfolger einmal nicht aus der Gewerkschaft käme. Die AK ist ein großartiger Dienstleistungsbetrieb, die sich gerade darin von der kollektivvertragstauglichen Gewerkschaft unterscheiden sollte – ebenso wie die Wirtschaftskammer von den Arbeitgeberverbänden.

Und nun das zweite Argument gegen Kaske:

Selbst unter Gewerkschaftern ist Kaske ein Hardliner mit einem Anstrich von Dinosauriertum. Als vida-Chef muss Kaske den jüngsten Wahnsinnsakt der Gewerkschaft verantworten: Die Kündigung des Kollektivvertrags der Tyrolean Airways, mit der die vida den hochbezahlten Alt-Piloten der AUA bei der Verteidigung ihrer Privilegien half, dabei aber die Position der gesamten AUA-Belegschaft massiv schwächte.

Dass Kaske anders als Tumpel nicht studiert hat, wäre noch kein Ausschließungsgrund. Auch Tumpels Vorgänger waren keine Akademiker.

Aber Kaskes Stärke ist die Agitation, nicht die Analyse (mehr dazu in unserem Kopf des Tages). Unter ihm wird die AK das bleiben, was sie unter Tumpel war – oder noch parteiischer und voraussehbarer werden. Das ist eine vergebene Chance.

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ist das der typ,

der gesagt hat : österreich muss brennen ?

genau, herr frey!

am besten wäre natürlich ein iv'ler als ak-chef. der würde dann die arbeitnehmerInnen - nach ihren vorstellungen - "zeitgemäß" vertreten. oder frank stronach vielleicht? oje...

ohne rudolf kaske gänzlich unkritisch zu sehen, würde ich mal behaupten: wenn's eric frey aufregt, kann's für die arbeitnehmerInnen nicht so schlecht sein!

zum herrn frey und seinem artikel

fallen mir leider nur nicht veröffentlichbare kommentare ein! er will offenbar, dass sich die ak neben wko und iv einreiht und ebenfalls die unternehmerInnenseite vertritt ...

herr kaske

ist überall falsch am platz.

Herr kaske past perfekt zur ak, vertriet die gut bezahlten aua piloten anstatt sich gegen die hungeröhne in der gastronomie zu stemmen. Auch die ak sorgt sich immer nur um die mitarbeiter in geschützten bereichen wie post, öbb, stadtwerke, energieversorger!

Da frage ich mich, welche Arbeiterkammer Eric Frey meint.

Wenn Eric Frey etwas dagegen hat, dass sich Arbeitnehmer organisieren, frage ich mich, ob er ein Organisationverbot auch über die Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund verhängen möchte. Oder sollen es lediglich die Beschäftigte sein, die den Fight ums Geld nur als Einzelpersonen den großen Arbeitgeberorganisation gegenüber führen dürfen. Nur autoritäre Regine pflegen Gewerkschaften aufzulösen, Herr Frey! Wäre das in Ihrem Sinne?

"Wenn Eric Frey etwas dagegen hat, dass sich Arbeitnehmer organisieren"

Wo steht das auch nur andeutungsweise?

herr fray erzählen sie doch welche gruppen die vida vertritt, sie kennen wahrscheinlich gar nicht alle

berufssparten die die vida vertritt, und bei der von ihnen so geschmähten AK, geht es um huntertausende €, wenn nicht gar um mio €, die die AK für arbeitnehmer vor gerichten erstreitet, von der konsumentenabteilung gar nicht zu sprechen, und ja auch auf die rechte zu achten, denn ihre neoliberalen freunderln, versuchen mit der salamitaktik die rechte der arbeitenden bevölkerung stück für stück uns wegzunehemen, ganz unauffällig, ob tumpel oder kaske, die ak wird von muhm geführt, aber dass wissen sie wahrscheinlich nicht, sie armer

Gewerkschaftshardliner

Also ein Gewerkschaftshardliner müsste Leute zu einen Generalstreik aufstacheln, mit gleichgesinnten die Villen der Ausbeuter brandschatzen oder mit Arbeitslosen marodierend durch die Strassen ziehen.

Solche Leute gibt es ja in Österreich gar nicht.

Der Artikel erinnert an jene atheistische Religionskritiker, die kritisieren, dass nicht der coole, liberale Befreiungstheologie aus Brasilien Papst geworden ist.

Kaske ist eben der Mann der Mehrheitsfraktion in der AK, die dumm wäre, wenn sie nicht ihre demokratischen Möglichkeiten ausschöpfen würde.

Im Gegenteil es würden sich die Wähler und Unterstützer zu Recht verkauft vorkommen, wenn jetzt plötzlich ein Liberaler präsentiert würde.

Es ist legitim die Analysen/Ansichten von AK/FSG nicht zu mögen, aber dieser Vorwurf ist es nicht.

Während sich die Arbeitgeber internationalisieren, noch mehr professionalisieren, haben sich die Arbeitgebervertreter nationalisierz und kommen noch immer in der blauen Montur daher. Da ksnn nix draus werden!

Das erinnert doch gerade an die alten, naiven Wunschträume:
"Internationalismus muss durch Internationalismus beantwortet werden und die Arbeiter der ganzen Welt sollen gegen den Kapitalismus zusammenstehen. Und in der sozialistischen Zukunftsweltgemeinschaft gibt es dann keine Klassen, Völker"

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerverbände müssten in Wahrheit dazu gezwungen werden sich um nationale Interessen zu kümmern und der Einfluß globaler Banken/Rating Agenturen/Fonds gehört zurückgedrängt. Das wäre einmal etwas neues.

Wenn die Firmen immer global agieren, dann nützt es den Arbeitervertretern nicht, lokal zu agieren, denn Produktionsstätten werden dorthin verlagert, wo der Profit am größten ist. Und so werden auch Staaten unter Druck gesetzt.
Wenn Sie aber in alter Manier gegen die lokalen, kleinen Firmen kämpfen wollen, die ihre Steuern bezahlen und lokale Arbeit schaffen, die nicht verlagert werden kann ....

ich kenne rudi kaske seit einigen jahren

wir sind beide im wiener "ak-parlament", jedoch in unterschiedlichen fraktionen.
hr frey, sie vergessen, dass die gewerkschaften immerhin die größte freiwillige arbeitnehmervertretung ist (ca 1,2 mio mitglieder), warum also sollte eine person (eine frau wäre mir natürlich lieber) nicht aus dieser organisation kommen? sie ist nach wie vor, bei aller kritik an ihrer zu kompromisslerischen politik, die wahrhafte interessensvertretung der arbeitnehmerInnen.
was bedeutet ihr unterschwelliger angriff auf kaskes nicht-akademikertum? sie haben offenbar noch immer nicht kapiert, dass nicht-gstudierte auch gscheite leute sein können, die agitieren wie analysieren können.
ausserdem ist rudi kaske ein sympathischer kerl.

wollen sie mich beleidigen?

Frey hat keine Ahnung

Arbeitnehmerrechte werden in Österreich deshalb erfolgreicher verteidigt als anderswo, weil es mit AK und ÖGB zwei starke Organisationen gibt, die gemeinsam vorgehen und sich nicht Konkurrenz machen. Kaske als Hardliner zu bezeichnen zeugt nochmals von der Ahnungslosigkeit des Schreiberlings. Naja, wir verdienen wahrscheinlich keine bessere Presselandschaft in Österreich.

Ich frage mich auch, wofür Eric Frey seinen Lohn bekommt. Dafür, dass er sich ausreichend informiert, worüber er schreibt, offenbar nicht. Er muss andere Stärken haben, die mir verschlossen blieben.

erfolgreich?
warum haben wir dann einen so hohen reallohnverlust?

und weil bestimmt gruppen arbeitender (systematisch?) ignoriert werden...

Ah ja

Der Frey sieht die Zukunft der AK offensichtlich darin, zuzuschauen, wie Arbeitnehmerrechte abgebaut werden, um den "Wirtschaftsstandort" voranzubringen.
Lieber Herr Frey: Sie haben die AK offenbar mit der Wirtschaftskammer verwechselt. Schauen Sie lieber mal im AK-Gesetz nach, was denn die Aufgaben der AK sind. Nur so als Tipp.

die besten arbeitnehmer rechte

sind wertlos wenn es keine arbeit mehr gibt. dann können damit ihr klo tapezieren.

Wer ihre Magazine und ihre Presseerklärungen liest, findet nie originelle oder auch nur zeitgemäße Gedanken über eine sinnvolle Modernisierung der Arbeitswelt.

Das stimmt! Vor allem das AK Aktuell wirkt wie eine Synonymsammlung der Wortes "Nein" und "Dagegen". Dazu kommt, dass der Tumpel zu ca. 200.000 Themen gleichzeitig was zu sagen oder gemacht hat. Also entweder ist er der größte Tausendsassa oder wieder so ein Experte für eh ois... Es würde reichen, das Heft halbjährlich erscheinen zu lassen und statt dessen die Beträge den Mitglieder zu lassen, da hätt ich mehr davon.

Ich denke nicht, dass die Mitgliederzeitung der wesentliche Output der Ak ist. Die ExpertInnen der AK sind mit unterschiedlichen Medien, Vereinen, NGOs gleichermaßen im Kontakt wie mit der unabhängigen Lehre und anderen ExpertInnen. Nicht zu vergessen die Schulung und Unterstützung von BetriebsrätInnen, die interessenpolit. Arbeit in div. Gremien der öff. Verwaltung, empirische Untersuchung von wesentl. sozialpolit. Themenstellungen und last but not least - der vermutl größte Brocken: Beratungen und jurist. Beistand für die KundInnen/Mitglieder. Das Wirken der AK an der Zeitung festzumachen finde ich da nicht grad ausgewogen.

Klar, der Ideale AK-Präsident käme natürlich von der Industriellen-Vereinigung

Wohlstand für (fast) alle gab es in Europa erst, nachdem sich die Arbeitnehmer ihre Rechte erkämpft hatten.

Aber heute kommen überall die neoliberalen Propheten raus gekrochen und wollen uns einreden, dass es besser für uns wäre, wenn wir auf diese Rechte wieder verzichten würden.

Die Arbeitnehmerrechte gehören nicht bei uns abgebaut, sondern in den Ländern in denen es diese noch nicht gibt aufgebaut!

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