Kaske ist der Falsche für die AK

Der Arbeiterkammer braucht neue Ideen – die von einem Gewerkschaftshardliner wie dem vida-Chef nicht kommen werden

Rudolf Kaske (links im Bild) hat zu Recht eine steile Karriere in der Gewerkschaftsbewegung gemacht. Der gelernte Koch ist seit fünfeinhalb Jahren Chef der großen Dienstleistungsgewerkschaft vida. Er ist intelligent, eloquent und kann im persönlichen Gespräch auch sehr einnehmend wirken.

Nun soll der 57-Jährige nun Nachfolger von Herbert Tumpel (rechts) als Präsident der Arbeiterkammer werden. Für diesen Posten aber ist Kaske der falsche Mann.

Das hat zwei Gründe:

Der erste: Der AK-Chef kommt traditionell aus der Gewerkschaft, schließlich soll er ein gestandener Arbeitnehmervertreter sein. Doch dieser Automatismus verhindert, dass die AK ein eigenständiges Profil entwickelt, das über die reine Klassenkampforganisation hinausgeht.

Die AK wirkt heute nach außen hin wie ein verlängerter Arm des ÖGB und die linke Vorfeldorganisation der SPÖ.  Wer ihre Magazine und ihre Presseerklärungen liest, findet nie originelle oder auch nur zeitgemäße Gedanken über eine sinnvolle Modernisierung der Arbeitswelt. Hier werden stur bestehende Arbeitnehmerrechte verteidigt oder neu eingefordert –gleichgültig, ob sie zur wirtschaftlichen Realität passen oder nicht.

Das untergräbt ihre Glaubwürdigkeit als parteiungebundener, sozial orientierter Thinktank, den sie etwa in den späten siebziger Jahren hatten, als etwa der spätere Finanzminister Ferdinand Lacina die volkswirtschaftliche Abteilung der AK leitete.

Und die AK versagt dadurch bei der Vertretung von hunderttausenden Arbeitnehmern, die nicht SPÖ wählen, nicht reflexhaft links denken, und in der Ausweitung teurer Arbeitnehmerrechte den falschen Weg für den Wirtschaftsstandort Österreich sehen.

Deshalb wäre es wünschenswert, wenn Tumpels Nachfolger einmal nicht aus der Gewerkschaft käme. Die AK ist ein großartiger Dienstleistungsbetrieb, die sich gerade darin von der kollektivvertragstauglichen Gewerkschaft unterscheiden sollte – ebenso wie die Wirtschaftskammer von den Arbeitgeberverbänden.

Und nun das zweite Argument gegen Kaske:

Selbst unter Gewerkschaftern ist Kaske ein Hardliner mit einem Anstrich von Dinosauriertum. Als vida-Chef muss Kaske den jüngsten Wahnsinnsakt der Gewerkschaft verantworten: Die Kündigung des Kollektivvertrags der Tyrolean Airways, mit der die vida den hochbezahlten Alt-Piloten der AUA bei der Verteidigung ihrer Privilegien half, dabei aber die Position der gesamten AUA-Belegschaft massiv schwächte.

Dass Kaske anders als Tumpel nicht studiert hat, wäre noch kein Ausschließungsgrund. Auch Tumpels Vorgänger waren keine Akademiker.

Aber Kaskes Stärke ist die Agitation, nicht die Analyse (mehr dazu in unserem Kopf des Tages). Unter ihm wird die AK das bleiben, was sie unter Tumpel war – oder noch parteiischer und voraussehbarer werden. Das ist eine vergebene Chance.

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