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Multinationale Konzerne und Abmahnanwälte machen sich auf die Jagd nach Urheberrechtsverletzern, Netzaktivisten wiederum entlarven Plagiatoren. Und, ja, klar gibt es auch dreisten Diebstahl geistigen Eigentums und schamlose Plagiatoren. Aber es zieht auch so ein Originalitäts- und Akkuratesse-Puritanismus ein, der in etwa besagt: alles, was jemand schreibt, muss von ihm original erdacht sein, oder er muss akkurat seine Quellen offen legen. Dabei gilt sowohl für Literatur, Musik, aber auch Journalismus: sie leben von der Umformung von Gedanken, die andere ausbrüteten, und der Verarbeitung von Erfahrungen, die man aus zweiter Hand hat. Immer schon sind Texte Material für andere Texte. Entsprechend der Bertolt-Brecht-Maxime, der bekanntlich eine "Laxheit in Fragen des geistigen Eigentums" hatte, erklärt auch FS Misik: Klar, ich klau! Und nicht zu knapp! Und holprige Fussnoten werden schon einmal weggelassen, wenns der Schönheit des Textflusses dient! Und das wird auch weiter so gemacht!
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und wie war das bei Guttenberg? Der fand wohl auch die Arbeit eines anderen ziemlich toll....
Klar, eine Glosse oder ein Blog ist keine Doktorarbeit, eingermassen korrekte Quellenangaben sind fuer mich aber schon ein wuenschenswertes Kriterium fuer Qualitaetsjournalismus.
"Aber es zieht auch so ein Originalitäts- und Akkuratesse-Puritanismus ein …"
ich denke, darum geht es. ich kann beispielsweise den herrn guttenberg absolut nicht ausstehen. aber was da alles mittransportiert wurde! Als ob guttenberg mit dem tag, wo bekannt wurde, dass er geschwindelt hat, ein anderer mensch geworden wäre, oder ein anderer politiker. plötzlich schrieen alle schwindler auf, und sind sowas von rechtschaffen und empört. das nützt doch nur den selbsternannten vertretern der tüchtigen und anständigen. selbstverständlich haben wir alle irgendwo geschwindelt, geben täglich gedanken anderer als unsere eigenen aus. ich habe angst vor diesen rechtschaffenen robespierre-nachkommen!
"Heute", beklagte sich Herr K., "gibt es Unzählige, die sich öffentlich rühmen, ganz allein große Bücher verfassen zu können, und dies wird allgemein gebilligt. Der chinesische Philosoph Dschuang Dsi verfaßte noch im Mannesalter ein Buch von hunderttausend Wörtern, das zu neun Zehnteln aus Zitaten bestand. Solche Bücher können bei uns nicht mehr geschrieben werden, da der Geist fehlt. Infolgedessen werden Gedanken nur in eigner Werkstatt hergestellt, indem sich der faul vorkommt, der nicht genug davon fertigbringt. (…)nur mit dem kümmerlichen Material, das ein einzelner auf seinen Armen herbeischaffen kann, errichten sie ihre Hütten!Größere Gebäude kennen sie nicht als solche, die ein einziger zu bauen imstande ist!"
war man recht stolz darauf von anderen zu klauen, man nannte das zitieren. und ganz ohne fussnote, denn wenn der gegenueber darauf hingewiesen werden musste das dieses zitat von aristoteles war oder sokrates hat man den gegenueber gleich als ungebildet hingestellt.
Wenn ich einen schlauen Satz von Sokrates in meinem Aufsatz einbaue oder eine Textzeile aus einem Ohrwurm um meinen Aufsatz zu verbessern bewege ich mich in dem hier beschriebenen Kontext.
Wenn ich aber eine wissenschaftliche Arbeit erstelle und Erkenntnisse von jemand anderem _NICHT_ mit Quellenangaben versehe verkaufe ich das somit als meine eigene Arbeit.
Also bitte nicht pauschalisieren oder bagatellisieren -- die seriöse Wissenschaft hat es eh schon schwer genug.
wenn jemand wissenschaftliche arbeiten zitiert oder heranzieht um was zu verbessern oder zu erweitern ist das gar kein problem. wer eine komplette arbeit stiehlt um sie als seine auszugeben ist was anderes, da es dann kein zitieren mehr ist.
aber es geht hier darum was fuer unsinn es im copyright gibt.
nur um ein beispiel zu nehmen ist nun auch das die Patriot Scientific 13 firmen verklagt weil sie ein patent auf ein CPU designe hat das Charles Moore gemacht hat wo der CPU einen schnelleren taktgeber verwendet als die I/O schnittstelle. unnuetz zu erwaehnen das die firmen diese technologie verwendet haben um neue technologien zu erstellen, Patriot Scientific hingegen hat nichts geschaffen oder was in planung mit diesem verfahren.
Da wirft der Misik schon Plagiat, wissenschaftliche Arbeiten, geflügelte Worte und frei interpretierte aber dennoch erkennbare Zitate in einen Topf, und Sie garnieren das ganze auch noch mit dem gänzlich anderen Schlachtfeld namens Patentrecht...
Hr. Misik lässt Wichtiges aus. Selbstverständlich leben Texte immer auch von anderen Texten und sollte öffentliches Schreiben einen ästhetischen Anspruch haben. Nonaned.
Aber deshalb Plagiieren generell zu befürworten ist in Zeiten des Copy and Paste-Studierens und -Forschens bedenklich.
Denn es kommt auf den Kontext an, in dem das geschieht. Wenn ich eine wissenschaftliche Studie NICHT selbst verfasst habe, das aber behaupte, bin ich ein Betrüger.
Und wenn ich mithilfe dieses Betruges und daher unrechtmäßig erworbenen akademischen Titels meine gesellschaftliche Macht vergrössere, ist das extrem ungerecht und auch fahrlässig.
Dass Hr. Misik sich mit jemandem wie Guttenberg gemein macht, wer hätte das je gedacht?
Wenn man im akademischen Kontext hohen Wert auf ausführlich korrektes zitieren legt, hat das mit dem Rest der Welt eigentlich recht wenig zu tun.
Sogar in der Wissenschaft wird man noch draufkommen, dass die heutige Form übertrieben ist. Aber derzeit ist es eben für gutes wissenschaftliches Arbeiten notwendig.
Ich schau mir Ihre Reaktion an, nachdem Sie eine medizinische Untersuchungsmethode verpasst bekommen haben, die auf Studien mit ungenau zitierten Daten beruht od. wenn Ihnen ein Dach auf den Kopf fällt, weil die Statik NICHT mit exakten wissenschaftlichen Methoden berechnet wurde.
Wenn Sie dann leider fast drauf gehen und den Grund dafür zufällig erfahren, werden Sie darauf bestehen, in Zukunft nur nach exakt wissenschaftlich abgeprüften Verfahren behandelt zu werden od. in Häusern mit wissenschaftlich präzis berechneten Dächern zu wohnen.
Vielleicht wollen Sie sich doch einen Ruck geben & informieren, WAS Wissenschaft alles ist. In dem anti-intellektuellen Klima Österreichs ist das viel verlangt, aber Sie selbst profitieren davon. Sehr.
haben Sie gemeint:
"Sogar in der Wissenschaft wird man noch draufkommen, dass die heutige Form (des wissenschaftlichen Zitierens, d.V.) übertrieben ist."
ICH habe Sie also korrekt zitiert. Sie sich selbst leider nicht.
Na selbstverständlich stellt man in einem Zeitungsartikel keine wissenschaftlichen Ansprüche. SIE haben sich aber auf die Wissenschaft und das Zitieren generell bezogen. Und darauf habe ich geantwortet. In einem Leserbrief ZU einem Zeitungsartikel.
Quod erat demonstrandum, wie wichtig es ist, z.B. mit korrektem Zitieren die vielen verschiedenen Ebenen auseinander zu halten. Alles Gute!
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