Neue Chefs für Pariser Großparteien

Im Hintergrund lauern Royal und Sarkozy

Die aktuelle Vorsitzende des Parti Socialiste (PS), Martine Aubry, gab am Sonntag in La Rochelle bei der Sommertagung ihrer Partei zu verstehen, dass sie ihren Posten beim nächsten Kongress im November abgeben wird. Zu dem starken Applaus meinte sie, es sei "sicherlich" ihre letzte Rede als Parteichefin bei einer der jährlichen Sommeruniversitäten. Sie dankte den Delegierten und fügte an: "Ich bin und werde immer ein militantes Mitglied bleiben."

Zwei Nachfolgekandidaten stehen bereit: Harlem Désir (53), bisherige Nummer zwei der Partei, und der Ex-Trotzkist Jean-Christophe Cambdélis (61) haben in La Rochelle bereits diskret Wahlkampf betrieben. Die Wahl dürfte schon im September, einen Monat vor dem nächsten Parteikongress in Toulouse, fallen.

Aubry zieht mit ihrem Rücktritt die Konsequenzen aus ihrer parteiinternen Niederlage gegen François Hollande bei der Nominierung für die Präsidentschaftswahlen. Sie rief die Partei auf, alles zu tun, damit Hollande zwei Fünfjahresmandate im Élysée absolvieren kann.

Auffälligste Abwesende bei der Sommertagung war Ségolène Royal, die 2007 die Präsidentschaftswahl gegen Nicolas Sarkozy und im Juni ihren Parlamentssitz im Wahlkreis bei La Rochelle verloren hatte. Sie schob ein Treffen der Internationalen Sozialisten in Südafrika vor, um der PS-Tagung fern zu bleiben. Nahestehende trauen ihr zu, dass sie versuchen könnte, den Parteivorsitz als Außenseiterin zu erobern.

Bei der Union für eine Volksbewegung (UMP) stehen seit Sonntag ebenfalls die beiden Kronkandidaten für die Parteileitung fest. Nach Premierminister François Fillon (58) kündigte der amtierende Parteisekretär Jean-François Copé (48) am Sonntag in Châteaurenard an, er wolle eine "totale Opposition" verkörpern. Die Wahl wird beim Parteikongress im November stattfinden.

Fillon, der einen klassischen Gaullismus vertritt, kommt auf doppelt so hohe Beliebtheitswerte; der eher als Hardliner geltende Copé kontrolliert hingegen das interne, nicht völlig durchsichtige Wahlverfahren.

Copé berief sich am Sonntag offen auf Sarkozys Erbe. Seine 2000 Anhänger riefen: "Er wird wiederkommen" - womit sie eine weitere Präsidentschaftskandidatur Sarkozys im Jahr 2017 meinten. Zugleich skandierten sie aber auch "Copé président".

Der politische Herbst in Paris wird damit rechts wie links eine ähnliche Konstellation erleben: Hinter den Duellen Désir/Cambadélis und Fillon/Copé agieren die zwei prominenten Schattenfiguren Royal und Sarkozy. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, 27.8.2012)

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