"Wenn der Mond lacht, zwinkern Sie Armstrong zu"

26. August 2012, 18:00
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Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, ist nach einer Herzoperation verstorben

Er war 82 Jahre alt, der erste Mann auf dem Mond, und doch kam sein Tod überraschend. Am 7. August, zwei Tage nach seinem Geburtstag, hatte sich Neil Armstrong in einer Klinik in Cincinnati einer Bypass-Operation unterzogen. Zunächst schien er sie gut verkraftet zu haben, hieß es aus dem Kreis seiner Familie. Am Samstagnachmittag Ortszeit folgte die traurige Nachricht: "Wir sind untröstlich, mitteilen zu müssen, dass Neil Armstrong an den Folgen eines Herzeingriffs verstorben ist."

In der Öffentlichkeit hatte man den Astronauten sowieso nur selten gesehen. Aber das lag an seiner reservierten, bescheidenen Art, die so gar nicht zum Zeitgeist passen wollte. Mit Reportern sprach er so gut wie nie, weshalb ihn die Presse den Eremiten von Cincinnati nannte. Er muss es gehasst haben, das Scheinwerferlicht eines Medienauftritts. Man konnte es sehen, als die Raumfahrtbehörde Nasa 2009 40 Jahre Mondlandung feierte und Armstrong über weite Strecken durch Abwesenheit glänzte, während sein Kollege Edwin "Buzz" Aldrin das Erinnerungsprogramm fast alleine bestritt.

Es war am 20. Juli 1969, als Armstrong Geschichte schrieb, um 21.56 Uhr Central Standard Time (CST). In Europa dämmert bereits der nächste Morgen. Armstrong klettert auf der schmalen Leiter einer Raumfähre hinab, bevor Aldrin ihm folgt. Seine Füße berühren den pulverweichen Mond boden, dessen Konsistenz er mit Holzkohlenasche vergleicht, als Nächstes sagt er einen Satz für die Ewigkeit: "That's one small step for man, one giant leap for mankind." Auf der Erde sind sie überrascht, wie poetisch der große Schweiger sein kann.

"Der Adler ist gelandet"

Am 16. Juli war die 110 Meter hohe Saturn V, konstruiert von Wernher von Braun, dem einstigen Raketenbauer Adolf Hitlers, in Cape Kennedy in Florida gestartet, um das Raumschiff Apollo 11 ins All zu bringen. Am 20. Juli, um 13.47 Uhr CST, meldete die Besatzung: "Der Adler hat Flügel." Bald folgte: "Der Adler ist gelandet." Gemeint war die spinnenbeinige Raumfähre, die das letzte Stück zurücklegte, von der Apollo-Kapsel im Orbit zur Mondoberfläche.

Zurück auf der Erde, wurden die Helden im kollektiven Gefühl des Stolzes herumgereicht. Bereits 1976 wollte der Mondpionier entnervt wissen, wie lange es denn noch dauere, "bis ich aufhöre, der Weltraummann zu sein". Der schüchterne Beamtensohn aus Wapakoneta in Ohio, im Koreakrieg Kampfflieger, hatte längst genug von dem Rummel. Er kaufte eine Farm in ländlicher Idylle, Autogramme gab er keine mehr.

Schließlich war es die Sorge um die Zukunft amerikanischen Forscherdrangs, die den Abgeschiedenen seine Zurückhaltung für kurze Zeit aufgeben ließ, wenige Monate nach der Wahl Barack Obamas. Die Finanzkrise, gepaart mit exorbitanter Staatsverschuldung, ließ kaum Spielraum für neue Riesensprünge ins All. Ergo ließ Obama kurzerhand streichen, was Vorgänger George W. Bush angepeilt hatte: bis 2020 auf den Mond zurückzukehren, um von dort neue Missionen in kosmische Fernen zu starten. Auf dem Mond sei man ja bereits gewesen. Armstrong protestierte. Im US-Senat äußerte er Skepsis angesichts der neuen Politik, bei der staatlichen Raumfahrtbehörde zu sparen und stattdessen auf billigere private Anbieter zu setzen.

Sein Tod lässt den Streit der letzten Jahre zur Fußnote werden. "Neil war einer der größten amerikanischen Helden, nicht nur zu seiner Zeit, sondern für alle Zeiten", erklärte Obama. Armstrongs Angehörige richteten an alle, die den Verstorbenen ehren wollen, eine einfache Bitte. "Wenn Sie das nächste Mal in einer klaren Nacht nach draußen gehen und der Mond zu Ihnen herunterlacht, denken Sie an Neil Armstrong und zwinkern Sie ihm zu." (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 27.8.2012)

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    Der erste "Mann auf dem Mond" bei einem seiner seltenen Vorträge. Armstrong war der erste von insgesamt zwölf US-Astronauten, die von 1969 bis 1972 auf dem Mond spazierten.

  • Armstrong am 20. Juli 1969, nach dem  Aufpflanzen der  US-Fahne, auf dem Rückweg zur Raumfähre.
    foto: nasa/buzz aldrin

    Armstrong am 20. Juli 1969, nach dem Aufpflanzen der US-Fahne, auf dem Rückweg zur Raumfähre.

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