Phantomverkehr für A5-Verlängerung

26. August 2012, 17:53

Verkehrsprognosen für die Autobahn bis zur tschechischen Grenze scheinen gezielt hoch angesetzt

Wien - Die Verlängerung der Nordautobahn A5 geht in die Zielgerade. Morgen, Dienstag, endet die Einspruchsfrist für die aus Kostengründen notwendig gewordenen Änderungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) von 2009. Die vorgelegten Planungsdetails werfen freilich mehr Fragen auf, als sie beantworten. Vor allem aber gewähren sie einen tiefen Einblick in die Planungspraxis des Autobahnbauers Asfinag und des Verkehrsministeriums.

Der Grund: Die verwendeten Zahlen und Verkehrsprognosen sind teilweise extrem widersprüchlich und sprechen damit im Prinzip gegen einen Ausbau. So registriert die Asfinag an diversen Zählstellen in Hobersdorf, Wetztelsdorf und Drasenhofen - alle an Brünner Straße (B7) - seit 2007 kontinuierliche Rückgänge im Werktagsverkehr. In den Plan "Bestand 2010" fand dieses Faktum freilich ebenso wenig Eingang wie in die Prognosen für den Planfall 2025. Im Gegenteil, der Bestand wird unvermindert mit einer täglichen Belastung von 27.310 Kfz angenommen und der Planfall konsequent mit rund 55.000 Kfz - mit oder ohne Anschlussstraße R52 in Tschechien.

Schwer nachvollziehbar

Letzteres ist allein deshalb schwer nachvollziehbar, als die Verlängerung der bis dato nur von Wien bis Schrick realisierten A5 stets von den tschechischen Ausbauplänen für die R52 abhängig gemacht wurde. Nun hat das Höchstgericht in Tschechien im Juni aber den Raumordnungsplan Südböhmen gekippt, womit selbst die zuletzt vagen Ausbaupläne für die R52 vorerst obsolet sind.

Unlogisch klingt auch, dass bei Schrick, wo die A5 derzeit endet, 22.757 Kfz pro Tag gezählt wurden, in Erdberg (bei Poysbrunn) allerdings vor zwei Jahren bereits um 4550 Autos mehr - obwohl das Verkehrsaufkommen gen Norden abnimmt.

Warnsignale aus der Slowakei

Warnsignale gegen die A5-Verlängerung auch aus der Slowakei: Bratislava plant den sechsspurigen Ausbau der nur gut 60 Kilometer östlich verlaufenden Transitroute D2 von Bratislava nach Breclav, bereits jetzt der schärfste Konkurrent der A5 im Rennen um Mautzahler und EU-Gelder aus dem Etat für Transeuropäische Netze (TEN). Zudem plant Bratislava den Umfahrungsring D4, der sowohl Kittsee als auch Marchegg an die D2 anbindet. "Damit ist eine Verbindung Wien-Brünn überflüssig, der Transit muss gar nicht über Ostösterreich und Wien rollen", sagt Renate Vacha von der Bürgerinitiative A5-Mitte in Poys brunn. Die A5 sei für Prag wichtig, werde sich langfristig auf jeden Fall rechnen. Die Straße in Tschechien sei eh gut ausgebaut.

Indizien, dass die verlängerte A5 finanziell wohl kein Renner wird: Das Kfz-Aufkommen auf der bestehenden A5 ist geringer als beim Bau erhofft, und Drasenhofen bekommt eine Umfahrung, keinen Vollausbau. Zufall oder nicht: Niederösterreichs Verkehrslandesrat Karl Wilfing war Bürgermeister in Poysdorf. (ung, DER STANDARD; 27.8.2012)

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Gerecht fertig oder nicht ...

PPP Privatisiert verdient wird Prächtig Steuerzahler Garantiert (10% ?) Profit viele Jahre
die PPP/Privat Verträge sind geheim
kriegt nicht mal der Rechnungshof oder nur Teile
zu sehen
darum Auch Öffis Verkehr Vernichtung
erst die Poysdorfer Bahn
(Zibu ist ein ÖVP Poysdorfer Partei Günstling mit
Steiler, zukünftiger LH ? Karriere)
dann NÖ Bahnen und Aktuell wird der VOR Ruiniert
http://www.oekonews.at/index.php... id=1044894
Gerechtigkeit, übliches Bla, Bla
Wahrheit Fahrgast Vertreibung Busse Bahnen
entleert, bla, bla einstellen müssen
Auto müssen PPP Privatisiert mit Steuergeld Profit zahlen müssen
kein Steuerg. mehr alle Österreicher
nur mehr 100% Steuerg. Privat Profit ÖVP+Freunde

Erich Ungehorsam
www.mikesdesign.at

A5 nicht gerechtfertigt- auch ohne Slowakei-Lufttschlösser

Der erste Teil des Beitrages trifft voll ins Schwarze und es ist seit Jahren klar: eigentlich ist der Ausbau der A5 nicht gerechtfertigt aber wir sind in dem Land in dem "Des Kaisers neue Kleider" in Permanenz aufgeführt wird.

Dafür braucht es aber gar nicht die Slowakei als Ausrede, deren Planungen einer Spurerweiterung bzw. eines D4 Rings inklusive milliardenschwerem Karpathentunnel ebenso vage sind, wie die Anbindung nach Marchegg und auf österreichischer Seite das Prestigeprojekt S8. Marchfeld und March-Thaya Auen sind viel zu wertvoll um eine Entwicklung zur Transitregion zuzulassen, und es braucht auch nicht ein Ausspielen S8 vs. A5. Es bedarf lediglich dem Kaiser zu sagen dass er nackt ist.

Ich sehe das so:
Verkehr ist zweischneidig. Ich habe gerne die Möglichkeit, mit Auto, Bahn oder Flugzeug schnell von A nach B zu kommen. Aber den Lärm will ich nicht.
Und indirekt ist es ebenso. Ich will eine große Auswahl in vielen Geschäften in der Nähe, aber billig soll es sein.

Daher:
Sinnlose Prestigebauten sind abzulehnen. Wie die S1 von der A22 weg. Das wohl extremste Beispiel.
Aber die A5 ist an und für sich gerechtfertigt. Eine Stadt mit etwas über 2 Mio Einwohnern (ja, international zählen immer nur "Metropolregionen") braucht auch eine hochwertige Verbindung nach Norden.
Ob man die Autobahn sofort mit 12,5m Fahrbahnbreite bauen muss oder wirklich bis zur Grenze ist was anderes.

"unlogisch"

Eine Zählung kann nicht „unlogisch“ sein, sondern eventuell falsch.
Der Autor kennt offensichtlich die örtlichen Gegebenheiten nicht, bzw. hat er sich nicht einmal die Mühe gemacht die Landkarte anzusehen.

In Erdberg werden vermutlich mehr Autos gezählt, weil dort einerseits alle KFZ fahren die von Mistelbach aus nach Norden wollen - und anderseits alle KFZ fahren die von Poysdorf in die Bezirkshauptstadt wollen.

Das kann gar nicht sein. Weil der lokale Verkehr nach Poysdorf ist marginal und fährt häufig auch über den Mistelbacher Wald, weil schneller. Die B7 war immer schon eine Strecke mit viel hausgemachtem Verkehr - das war auch der Grund warum bis zur Schricker Kreuzung mit der B46 die alte Bundesstraße überbreit war. Bei Schrick fährt mindestens ein Drittel runter nach Mistelbach. Früher zählte man 20.000 Autos auf Höhe Wolkersdorf abnehmend Richtung Norden. In Drasenhofen waren vor der A5 nicht mal 10.000 Autos unterwegs.

Die B7 war bis zum Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks nur für den regionale Verkehr vorhanden - das hat sich jedoch verändert...

Das ändert aber nix daran, dass auf der A5 der Großteil des Verkehrs hausgemacht ist, sprich aus den Bezirken Mistelbach und Gänsernsdorf kommt, und ab Schrick signifikant abnimmt. Durch Wolkersdorf sind vor der Umfahrung doppelt soviele Autos gefahren wie heute durch Poysdorf fahren.

weil sie wolkersdorf erwähnen

die wolkersdorf umfahrung war der größte straßenbauschwachsinn der letzte 20 jahre

eine irre streckenführung hat zu sehr vielen, schweren unfällen geführt

die verantwortlichen Politiker muessen schizophren sein auf den einen Seite reden sie immer davon dass sie wollen dass mehr Menschen mit dem OEV fahren und mehr Gueter mit der Bahn transportiert werden sollen aber auf der anderen Seite wollen sie Autobahnen bauen.
Diese Regionen benoetigen einen guten oeffentlichen Verkehr die Autobahn entwertet diese Region nur.

D´accord

auch für die A4 die selbe Argumentation (3-spuriger Ausbau). Die Tschechen wickeln (Stand 2009) rund 75% ihres in Hamburg ein/ausgehenden Außenhandels mit der Bahn ab *). Was spricht in Österreich dagegen diese Option aufzunehmen und die Nordbahn auszubauen, anstatt die A5 Betreiber Bonaventura? Die lt einer Meldung aus dem Februar 2012 von der Vergütung UND Fahrzeugfrequenz weit hinter den plänen sind. http://diepresse.com/home/wirt... nenVerlust

*) http://www.hwwi.org/fileadmin... itim_B.pdf

Hätte, sollte, könnte

Ja, man hätte die A5 generell als Schnellstraße bauen können und auf Ortsumfahrungen setzen - das wurde ja auch breit diskutiert.

Jetzt ist es nunmal so, dass wir die A5 bis Schrick haben und noch 30km bis Drasenhofen fehlen. - Von der UVP bis zu den Grundablösen, den archäologischen Arbeiten,... ist alles abgeschlossen. - Dass man das nicht auf einmal durchgezogen hat, bzw. jetzt langwierig umplant wird wohl nicht gerade Unmengen einsparen.

Fakt ist, der (nord) Osten Österreichs ist schlecht ausgebaut und wurde Jahrzehnte lang vernachlässigt. Wenn man bedenkt, was der Tunnel-km in den Alpen kostet, kann man sich das vielleicht auch noch leisten. - Passieren muss etwas!

Die abgeschlossene UVP

für Schrick-Poysbrunn
2006 war die mündliche Verhandlung
2009 gab es den Bescheid.
muss jetzt (nahezu) komplett wiederholt werden. Änfderungsvorhaben neu eingereicht und jetzt die öffentliche Auflage mit Einwendungsfrist.

das problem an umfahrungen in nö ist leider,

dass sie bereits 5 - 7 jahre nach der eröffnung neue umfahrungen benötigen. denn schon am tage nach baubeginn, sichern sich billa, hofer, spar und forstinger sowie diverse andere billig-läden die verkehrsgünstig gelegenen grundstücke an den umfahrungen. und machen die umfahrung damit sinnlos.

Da sind aber nicht die Firmen "schuldig", sondern die Ortspolitiker bzw. die Landespolitiker, die haben mit dem Flächenwidmungsplan ein mächtiges Instrument in der Hand - nutzen dieses jedoch nicht, bzw. falsch.

ich hab ja auch nicht

die firmen "schuldig gesprochen" sondern ausschließlich fakten festgehalten...

Wer's nicht glaubt, soll sich am Freitag Nachmittag mal ein Packerl Soletti vom Billa holen und dazu ein gutes Flascherl Saurüssel vom Weinmarkt.

Und sorry, aber die Anspielung auf Wilfing ist eher unnötig. - Der hat sich seit 15 Jahren für die Autobahn eingesetzt und auch gerade deshalb nach Pröll die meisten Vorzugsstimmen bei der Landtagswahl in NÖ geholt!

Und wenn man bedenkt, dass die alte B7 die Hauptverkehrsanbindung an Brünn war - und man jetzt für den Koralmtunnel mit 10Mrd rechnen muss - ist die Diskussion wohl eher peinlich.

Kann man auch so sehen

Weil Wilfing sich ein Denkmal setzen wollte und unbedingt auf A-Level spielen wollte hat die Bevölkerung (auch die in "seinem" Poysdorf) jahrzehntelang auf eine Verkehrsentlastung warten müssen und muß dies weiterhin tun

Dieser Artikel bestätigt meine Meinung

Ich bin diese Strecke auf Geschäftsreisen nach Polen sehr sehr oft seit ca. 30 Jahren gefahren und ich war immer der Meinung, dass eine Konkurrenz zur bereits lange bestehenden Autobahn in der Slowakei sinnlos ist. Eine gut ausgebaute Schnellstraße nach Norden mit Umfahrungen wäre völlig ausreichend. Jetzt scheint sich das ja zu bestätigen.

Außerdem wäre ein Ausbau der Eisenbahnstrecken nach Prag sehr sinnvoll. Die Magistrale nach Polen ist ja schon recht ordentlich ausgebaut. Lediglich in Polen gibt es noch einiges nachzuholen, aber die werkeln schon da und dort herum.

Autobahn - zieht Verkehr an!

Ich plädiere stattdessen für einen Radweg von Schrick biss zur Grenze, und eienn parallel dazu laufenden Schienenstrang ("von der Strasse auf die Schiene").
In den 80er-Jahren wurde z.B. die A22-Verlängerung zwischen Stockerau und Hollabrunn als "Geisterschnellstrasse" tituliert. Seit der Ostöffnung hat sie sich aber zu einer der am stärksten befahrenen Routen im Weinviertel entwickelt, und wurde sogar vor Kurzem zwecks Abkassier-Aktion zu einer Halb-Pseudo-Autobahn ausgebaut.
Eine gute Verkehrsplanung erkennt man daran, dass sie weiter denkt als bis zur nächsten Wahl.

Falsche These

Ja, die Autobahn "zieht den Verkehr an".
Das soll auch so sein, damit die niederrangigen Straßen entlastet werden.

Durch Autobahnen wird der Gesamtverkehr nicht mehr. Gerade im Weinviertel ist wegen des Zusammenbruches des Kommunismus der Verkehr gestiegen.
Der Verkehr auf der Brünnerstraße ist schlagartig stark angestiegen - bevor noch irgendein Ausbau erfolgt ist.

Doch, wird er langfristig gesehen schon. Dann ziehen nämlich Leute nach Poysdorf und Umgebung, von wo aus sie dank Autobahn schneller nach Wien pendeln können. Das kann man wollen oder auch nicht, aber der Verkehr ist nicht gottgegeben, obwohl viele Leute so argumentieren, entweder wird dann argumentiert, dass Gott will, dass der Verkehr mehr wird, oder es wird argumentiert, dass Gott das nicht will - jenachdem, wie man es gerade braucht.

Ja, da waren die Bauverhinderer in den 80er Jahren wirklich unrealistisch und lagen daneben. Von wegen Geisterschnellstraße!

Diesen Denkfehler heute für weitere Verhinderungsversuche zu benützen ist ein bißchen sehr weit hergeholt.
Stattdessen sollte man einfach zugeben daß man sich nicht auskennt, und Planungsfragen denen überlassen, die das beruflich und professionell machen.

Und die Idee, Autobahnen würden Verkehr kreieren ist doch bitte Unsinn. Wo kommen die Autos her? Wachsen sie wie Gräser aus dem Asphalt hervor? Gehns bitte.

Das mit dem "Verkehr anziehen" habe ich von den Grünen, da müssen's die fraagen, wie sie darauf kommen.
Dort, wo man es "besser" wusste und nicht rechtzeitig gebaut wurde, greift heute das Chaos um sich. Man betrachte den wegen der verschleppten S1-Fertigstellung täglichen Sauhaufen auf der A23. Auch da sind die Grünen dagegen, weil es angeblich "keine Entlastung für die A23" bringen würde. Was natürlich Unsinn ist, würde doch der ganze Fernverkehr zwischen A1, A2, A4 A5 wegfallen.
Und dann geht da noch das Gespenst des längst überfälligen Neubaus der Prater-Hochstrasse um - der verkehrstechnische und -politische Untergang Wiens...

"Verkehr anziehen"

Heißt in der Fachsprache induzierter Verkehr und beinhaltet:
Verkehrsverlagerung in richtung "attraktiverer" Straßen (Weniger sog. "Raumwiderstand")
Zusätzliche Fahrten die ohne das neue Netzelement nicht getätigt werden würden
Langfristiger Mehrverkehr durch veränderungen der Raumstruktur (mehr Leute ziehen in den Speckgürtel, mehr Auto statt öffentlichem Verkehr) etc. Die Entlastung für die A23 durch die S1 gibts nur in politischen Ankündigungen. Alle verkehrsunterlagen und Prognosen zeigen dass es sowas bestenfalls sehr kurzfristig gibt. Die erzielten Verlagerungseffekte werden durch Neuverkehr wieder ausgeglichen.

Die Durchflussmenge hängt vom Querschnitt und von der durchschnittlichen Geschwindigkeit ab! Ziele werden auch nach deren Erreichbarkeit gewählt.
Die Südautobahn war ursprünglich 2-spurig, dann 3-spurig und jetzt tw. 4-spurig. Ja woher kam der Autoverkehr?

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