Wie man den ORF nicht verbessert

Kommentar der anderen | Peter Huemer, 26. August 2012, 17:30

Die Beschwerde gegen die Einflussnahme von "Freundeskreisen" auf den ORF wurde abgewiesen, die Kreise waren nicht einmal Thema der Verhandlung. Die Abhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von der Politik bleibt also erhalten

Wie dem STANDARD zu entnehmen war, hat die KommAustria die Beschwerde Bacher/Heller/Huemer wegen Verletzung des ORF-Gesetzes abgewiesen. Das kam nicht überraschend.

In der Verhandlung am 10. Juli gab es eine Schlüsselszene: Der Zeuge Josef Cap wurde einvernommen, doch das Wort "Freundeskreise" spielte dabei keine Rolle. Daraufhin verlor ich die Geduld, unterbrach den Vorsitzenden und fragte Cap direkt, ob ihm die Existenz von Freundeskreisen im Stiftungsrat des ORF bekannt sei, ob er das Wort überhaupt schon einmal gehört habe. Allgemeine Heiterkeit. Cap, unter Wahrheitspflicht stehend, beantwortete meine Frage nicht, weil er offensichtlich über die Funktion von Freundeskreisen im Stiftungsrat nicht reden wollte - obwohl genau das, das Verhalten dieser Freundeskreise, im Zentrum unserer Beschwerde stand. Der Vorsitzende hat daraufhin eine andere Frage gestellt, die Freundeskreise kamen in der weiteren Einvernahme nicht mehr vor. In diesem Augenblick wusste ich: Hier wirst du nicht gewinnen.

Die Vorgeschichte: Während ein Sturm der Entrüstung und vor allem der wütende Widerstand der Redakteure Generaldirektor Wrabetz daran hinderte, den Leiter des sozialdemokratischen Freundeskreises zu seinem Büroleiter zu machen, überlegten Gerd Bacher, André Heller und ich eine Popularbeschwerde, gestützt auf die Teilnahme von mindestens 120 Gebührenzahlern, in der es um die für uns offensichtliche Abhängigkeit der beiden Freundeskreise von den Regierungsparteien SPÖ respektive ÖVP ging.

Niko Pelinka kam in unserer Beschwerde deswegen vor, weil er die Unvorsichtigkeit begangen hatte, die sozialdemokratischen Stiftungsräte "zu einer fraktionellen Besprechung im Klubvorstandszimmer der SPÖ im Parlament" für 13. Jänner 2012 einzuladen und Laura Rudas und Josef Cap dazu. Dort sollte "die weitere Zusammenarbeit im Freundeskreis besprochen" werden. Als der Kurier diesen Sachverhalt aufdeckte, wurde Laura Rudas wieder ausgeladen und die Sitzung aus dem SPÖ-Klub an einen neutralen Ort verlegt. Dort hat Josef Cap die Stiftungsräte seiner Fraktion über den Fall Pelinka "informiert". Mehr nicht. Alles ganz harmlos. Doch für einen kurzen Augenblick war der tatsächliche Zusammenhang zwischen Stiftungsrat und Partei aufgeblitzt und versank dann wieder im Nebel freundlicher Rhetorik.

Während der Verhandlung am 10. Juli ließen einige Stiftungsräte durch ihren Anwalt mitteilen, sie seien gekränkt durch die Unterstellung der Beschwerdeführer, zwischen ihrem Verhalten im Stiftungsrat und den Interessen ihrer Partei bestehe ein Zusammenhang.

Das mag für Außenstehende merkwürdig klingen. Aber es ist ja nicht auszuschließen, dass es Stiftungsräte gibt, die zufällig immer das denken, was ihre Partei auch denkt. Die brauchen dann auch keine Anweisungen. Was allerdings auffällt, ist das im Regelfall geschlossene Abstimmungsverhalten der Fraktionen. Da kommt ganz naiv der Gedanke auf: Das kann kein Zufall sein.

Die Klauen der Parteipolitik

Entscheidend ist jedoch, dass die KommAustria die Existenz von parteipolitischen Fraktionen im Stiftungsrat, genannt "Freundeskreise", die ihr Abstimmungsverhalten absprechen, für unbedenklich hält. Damit entfällt jede Chance, dem Stiftungsrat gesetzwidriges parteipolitisches Verhalten nachzuweisen, solange es nicht die rauchende Pistole in Form einer schriftlichen Anweisung aus der Parteizentrale gibt. Und die wird es nie geben. Es ist daher sinnlos, den ORF auf dem Rechtsweg aus den Klauen der Parteipolitik befreien zu wollen.

Andere Rechtsmeinungen haben keine Chance. Prof. Walter Berka von der Universität Salzburg, Kapazität im Medienrecht, hat darauf hingewiesen, dass nicht einmal die tatsächliche Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausreicht. Diese müsse nach außen so deutlich sichtbar sein, dass jeder Zweifel an der Unabhängigkeit des Mediums vermieden werde.

Ein hoher Anspruch. Es gab zwar nach dem Abgang von Lindner/Mück 2006 einen Quantensprung in der Unabhängigkeit der politischen Berichterstattung, der von fast allen Redakteuren bestätigt wird. Aber das ist zu wenig für die Glaubwürdigkeit des ORF - sein kostbarstes Gut. So bleibt das Problem, wie es ist, solange der Stiftungsrat mit seinen Freundeskreisen bleibt, wie er ist. (Peter Huemer, DER STANDARD, 27.8.2012) 

Peter Huemer (Jg. 1941), Historiker und Publizist in Wien, war 2006 einer der Proponenten der Protestinitiative "SOS ORF".

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"Aber es ist ja nicht auszuschließen, dass es Stiftungsräte gibt, die zufällig immer das denken, was ihre Partei auch denkt."

Es kommt darauf an, ob DIE PARTEIEN zufällig denken, was sie denken. Aber das ist nicht so, denn sie vertreten INTERESSEN.

Ich finde es erstaunlich, daß Herr Huemer das nicht weiß, aber es ist ja bekanntlich nie zu spät, etwas dazuzulernen!

Der ORF war und bleibt ein politisches Medium

dessen erstes Ziel die Information des Wahlvolks entsprechend der Interessen der jeweiligen Regierungsparteien ist.
Die Existenzberechtigung der Landesstudios basiert einzig und allein auf der guten Zusammenarbeit mit den Landeshauptmännern/frauen.
Die Finanzierung erfolgt durch die Zwangsgebühren, die es dem ORF erlauben auch ohne entsprechendes Publikum seinen Betrieb aufrecht zu erhalten.

Sorry that's it und es wird auch nie anders sein.
P.S: Falls es eines Tages zu wenig TV und/oder Rundfunk-Gebühren geben sollte, wird jeder Internetnutzer die Gebühren als Bildungspauschale begleichen müssen.

Ich habe kein Problem damit,

... dass die Sozialisten einen Privatrundfunk betreiben.
Aber ich finde es ungeheuerlich, dass sie dafür öffentliche Gelder bekommen (und von der ÖVP noch ungeheuerlicher, dass sie da mitmacht).

Und dass der Hauptabteilungsleiter ...

... Herr Dittelbacher irgendwen protegiert, ist natürlich auch nur ein haltloses Gerücht.

Peter Huemer

ist einer der wenigen, die in diesem Land noch anständig geblieben sind. Danke.

Ein sehr bewährter Unabhängiger

Das Bundeskanzleramt meldet in dankenswerter Klarheit am 15.6.1011:

Staatssekretär Ostermayer gratulierte Mag. Michael Ogris, Vorsitzender der KommAustria, der nach der Neuaufstellung als verfassungsrechtlich unabhängige Medienbehörde im Oktober 2010 als Behördenleiter wiederbestellt wurde.

Der war also schon vor der verfassungsrechtlichen Unabhängigkeit als Beamter so verlässlich unabhängig, dass man ihn nun total unabhängig wiederbestellen konnte.

ORF?

ist das die sekte, die die wissenschaft mit der religion vereint hat?

Nona ned

Warum bekommt der ORF eigentlich immer noch Rundfunkgebühren, obwohl da genau der gleiche Schmafu kommt, wie auf jedem popeligem Privatsender? Selbst die ZIB hat kein seriöses Niveau mehr und wirft mit Adjektiven und Adverbien nur so um sich.

Die Entscheidung ist unter

http://www.rtr.at/de/m/KOA140012020 veröffentlicht!

Politisch gesehen gebe ich Herrn Huemer vollkommen recht, aber rechtlich war da meines Erachtens tatsächlich nicht viel mehr drinnen. Und das liegt nicht allein an am Unwillen der entscheidenden Behörde (wie es in diesem Artikel ein wenig unterstellt wird), sondern an der grundsätzlich schwierigen Fassbarkeit informeller Abläufe!

Es ist ähnlich wie mit dem Klubzwang im Parlament. Natürlich ist es kein Zufall, dass die Abgeordneten einer Fraktion fast immer gleich abstimmen. Aber widersprechen Fraktionssitzungen im Parlament der Unabhängigkeit des Mandats?

Wie können Sie es wagen, sich inhaltlich mit dieser Entscheidung auseinanderzusetzen?

So geht das hier nicht, tut leid, informierte Diskussion brauchen wir hier nicht.

Wir wollen die GIS eine Frechheit finden, alle Behörden, die nicht unserer intellektuell verbrämten Stammtischmeinung sind, korrupt und blöde und dann wollen wir uns zurücklehnen im guten Gewissen, die Welt durch unsere Meinung ein bisserl besser gemacht zu haben.

;-))))

den ORF muss man nicht reformieren

sondern abschaffen. Den Sumpf trockenlegen; das ist die einzige Möglichkeit. Es gibt ohnedies keine Rechtfertigung dafür, einen mit Zwangsgeldern finanzierten Staatssender zu haben.

Durfte man sich etwas anderes erwarten?

Erinnert mich an meine eigene Beschwerde gegen die Telekom bei der RTR. War genauso sinnlos wie der Schiedsspruch lächerlich. Diese "Regulierungsbehörde" reguliert vor allem eines: Das ungestörte Fließen in den bestehenden österreichischen Medien- und Kommunikations-Machtkanälen.

Man kann nur kopfschüttelnd resignieren.

Bacher/Heller/Huemer : Durchschnittsalter knapp unter hundert.

Und?

Fossilien als Zukunftsweiser ?

Seit wann ist das Alter eine Garantie für kluges Handeln?

Das jeweilige Alter "garantiert" nichts als den zeitlichen Abstand zur Geburt.

Also war das "Fossilienposting" Unsinn!

Nicht das Alter macht die Herrschaften zu Fossilien !

Was wollen Sie damit ausdrücken?

Dass diese Herren nichts anderes bezwecken als : "Zu unserer Zeit war alles besser."

Besser nicht orf schaun..

Aha. Und welches österreichische Medium vertritt keine Eigentümerinteressen?

und wer ist der eigentümer? die parteien?

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