Hochwasser 2002: "Wir wollten auf Nummer sicher gehen"

Markus Rohrhofer
26. August 2012, 17:48
  • Vier Jahre Bauzeit, 182 Millionen Euro Kosten: Der Machlanddamm in 
Oberösterreich ist das größte Wasserschutzprojekt Europas.
    foto: apa/land oö

    Vier Jahre Bauzeit, 182 Millionen Euro Kosten: Der Machlanddamm in Oberösterreich ist das größte Wasserschutzprojekt Europas.

  • "100 Prozent Sicherheit gibt es nicht. So mancher Damm ist gebrochen." Johann und Margarete Forschum aus Kolbing, Oberösterreich.
    foto: privat

    "100 Prozent Sicherheit gibt es nicht. So mancher Damm ist gebrochen." Johann und Margarete Forschum aus Kolbing, Oberösterreich.

Zehn Jahre nach dem "Jahrhunderthochwasser" 2002 wurde der Machlanddamm in Oberösterreich eröffnet

Linz - Diesen Sommer sei es "irgendwie besonders schwierig", erzählt Margarete Foschum. Die vielen Unwetter - "vor allem der Starkregen". Naturgewalten, die bei Margarete Foschum schlimme Erinnerungen wachrufen. Mit den ersten Tropfen ist plötzlich alles wieder präsent.

Ein schmuckes Einfamilienhaus mit kleiner Landwirtschaft in der Ortschaft Mettensdorf. Margarete Foschum ist hier aufgewachsen, hat sich in dem Dorf mit 46 Häusern gemeinsam mit Ehemann Johann eine Existenz aufgebaut. Eigentlich hochwassersicher. Bis zum 13. August 2002. Es ist der erste Tag des Jahrhunderthochwassers, wie es später genannt werden sollte. Zu Beginn glaubt Johann Foschum noch, er könne "so wie sonst halt auch immer" die Habseligkeiten aus dem Keller und dem Erdgeschoß sicher im ersten Stock verstauen. Doch der Pegel steigt stündlich, in den Abendstunden des 13. August muss das Ehepaar Foschum erkennen, dass es nur mehr gilt, dass eigene Leben zu retten.

"Wir sind auf den Dachboden geflüchtet, wenig später ist der Strom ausgefallen. Da sind wir dann im Dunklen gesessen und haben nicht gewusst, was draußen passiert", kämpft Margarete Foschum im STANDARD-Gespräch mit den Tränen. Ehemann Johann beruhigt: "Geh, Mama, es ist ja alles gut ausgegangen." Seine Frau habe es seit damals "halt a bissi mit den Nerven", sagt der Pensionist fast entschuldigend.

Am 14. August werden die Foschums von der Feuerwehr vom Dachboden geborgen. Die Wassermassen sind inzwischen zurückgegangen, geblieben ist der enorme Schaden. "Überall Schlamm und Dreck. Da musst du schnell handeln. Wenn der Gatsch trocken ist, kannst nix mehr machen." Das Wasser ist weg, der Dreck muss folgen, und das Leben geht weiter - so hat man es in Mettensdorf immer gehandhabt. Johann Foschum fährt noch am Tag der Katastrophe zum örtlichen Installateur: "Ein spezielles Anschlussventil für den Kärcher kaufen." Zeit für Resignation bleibt da nicht. Gedanken an ein Wegziehen? Foschum: "Damals nicht."

Freiwillig abgesiedelt

Die Umsiedlungspläne reifen erst im Jahr 2003. Überflutungsgefährdete Ortschaften wie Mettensdorf, Pitzing, Hütting und Eitzendorf sind da bereits zur roten Zone erklärt worden. Den betroffenen Bewohnern wird eine freiwillige Absiedlung aus dem Hochwassergebiet angeboten.

Gefällt wurde die Entscheidung zum Neuanfang bei den Foschums im Familienrat. "So was machst du nicht allein. Es schmerzt, die Heimat zu verlassen. Unsere Kinder waren da eine große Stütze. Aber wir waren uns einig: Mit dem Hochwasser geht das nicht mehr", erinnert sich Johann Foschum. 80 Prozent des Schätzwertes bekommt die Familie für das alte Haus in Mettensdorf, fast alle Ortsbewohner entscheiden sich so. Nur mehr sieben Häuser hat der Ort heute - umgeben von einem Hochwasserschutzring. Familie Foschum hat ihre neue Heimat im nahen Kolbing gefunden. Ein schmuckes Einfamilienhaus, erbaut auf einem Hügel: "Wir wollten einfach auf Nummer sicher gehen."

Von europaweit 15 Milliarden Euro Schaden beklagte man nach der großen Flut allein im oberösterreichischen Machland eine Zerstörung im Ausmaß von 500 Millionen Euro. Mitteleuropas größtes Wasserschutzprojekt soll solch eine Katastrophe künftig verhindern: Am vergangenen Samstag wurde nach nur vierjähriger Bauzeit der Machlanddamm eröffnet. 182 Millionen Euro ließen sich das Bund, Land und Gemeinden kosten. Johann Foschum ist froh über die Schutzmaßnahmen, aber das Hochwasser 2002 hat ihn zum Skeptiker gemacht: "So gut solche Projekt sind, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. So mancher Damm ist schon gebrochen." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 27.8.2012)

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2002 hat Frau Dungl das Schicksal ihres

Zentrums für Traditionelle Chinesische Medizin bei der Überschwemmung in Gars am Kamp im Fernsehen lauthals beklagt. Nach einer Wanderung am Kamp machte ich einen kurzen Abstecher nach Gars, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen. Das Zentrum liegt in einem leicht abschüssigen Park DIREKT am Kamp - der ist als Teich aufgestaut. 2m darüber die Hotelterrasse. Und ehe man in den Park hineingeht, gibt es oben am Rand alte Häuser. Jede Menge Hochwassermarken - 18 JH, 19 JH. die bis zum ersten Stock reichen.
Soviel zur weitsichtigen Planung in Hochwasserzonen.

naja wenn du dir selbst ein bild gemacht hast !!

aber eins ist auch fakt, wenn je ein donauhochwasser mit der jährlich des hochwassers am kamp gibt, ist die eurokrise, ESM, etc. unsere kleinere sorge.

weil dann ist linz und wien abgesoffen. donauinsel hin, donauinsel her.

aber kann eh sein, dass das dungl'sche resort schon bei einem 30jährlichen, 50jährlichen hw abgesoffen wäre.

ja wie??

..einerseits baut man um 182 Mio einen Damm, und dann löst man den Leuten die Häuser ab? damit die leeren Häuser dann schön geschützt sind?? .. seeehr toll, meine lieben (Herren) Politiker... wer sich daran nicht doppelt und dreifach saniert hat.. aber wozu hamma denn die ÖVP....

mann, mann !!
man hat ja nicht 1000e abgelöst. das ist ungefähr das schutzgebiet.

nehme an besagte häuser liegen zwischen damm und donau.
also man hat den damm nicht direkt neben der donau gebaut sondern eben im landesinnere, sodass man da noch zusätzliches überschwemmungsgebiet hat (hw-schutztechnisch besser). eigentlich sind bis auf mauthausen/grein (liegen die ortsstadtkerne sehr nahe an der donau) nur schutzbauten/dämme weit innerhalb des landesinneren gebaut.

wenn also so wie ich annehme die 7 häusel die die ablöse/absiedelung nicht annahmen, wieder betroffen sind, habens sie wahrscheinlich pech gehabt. (zumindestens was staatl. hilfe betrifft)

Die Einzelschicksale waren schon traurig beim Hochwasser 2002, aber man sollte trotzdem folgendes beachten:

* Das war schon immer Überschwemmungsgebiet
* Beim Ausgleichen der Schäden wurde sehr viel Betrug begangen

Und was man jetzt Dank des Dammes auch nicht vergessen darf: Es hat seinen Grund warum das Machland sehr fruchtbar ist/war (Wurde regelmäßig überflutet).

Kenne die genaue Situation beim Machlanddamm nicht, aber doch die in Graz und Graz-Umgebung.

Da wird für ein Rinnsal (nicht die Mur) eine rießen Mauer errichtet. (10m hoch, 50m brei) anstatt dass man dem Bach seine Freiräume gibt.
In Sumpfgebiet werden Siedlungen hinbetoniert und dann ist die Aufregung groß wenn der Keller überflutet wird.
Einfach nur zum Kopfschütteln.

Ps: Die meisten Häuser die von der Überschwemmung betroffen waren, wurden in den letzten 10 bis 15 Jahren gebaut.

beim machlanddamm heisst das rinnsal donau ;-).

und ist vermutlich komplett reguliert. :)

eigentlich nicht .. gen Dornach runter sind die Ufer zu einem relevanten Teil an der Nordseite offen und unverbaut.

Ist ein Immobilienmakler zugegen?

Es ist unmöglich in Wien eine Eigentumswohnung zu finden mit folgenden Kriterien:

- ruhig, sehr ruhig
- eine zumindest optisch abgetrennte Küche
- ein Abstellraum
- ein Bad mit Wanne und Dusche
- 80-100 m2
- ein Balkon
- bis 400.000 Euro

wien, wien, nur du allein.
-> kanns ja nicht sein !

ich glaube ja, wien ist das hauptproblem :-).

die welt besteht aus, ja nachdem ob du fläche oder einwohnerbezogen denkst, aus 99,9997% bzw. 99,98% NICHTWIEN !!

Warten bis die Krise zuschlägt und der Euro nicht krachen geht. Kommt zusätzlich noch eine Besteuerung von Nicht-Hauptwohnsitzen (Spekulanten, Betongold), dann werden die Immobilienpreise wieder massiv sinken (20-30%).

Dann wird das auch was.

oder man kann die wohnung dann für brot und ein bissl benzin bekommen. je nachdem wie hart die krise zuschlägt. ;)

Ne, auch wenn die EU versucht mit allen Mitteln dieses Ziel durchzusetzen (Privaten Waffenbesitz verbieten bzw. unmöglich machen, Einkommen der Unselbstständigen reduzieren etc.).

das bis 400.000 wird das Problem sein.

vielleicht ist ja die maklergebühr gemeint, dann könnt sichs ausgehen...

O Sprache!

Zur Mitteilung gedacht und logisch soll sie auch noch sein: Der Wolkenbruch - klarologo wie können Wolken denn brechen! - wird durch dieses unsägliche Vokabel "Starkregen" ersetzt, aber was tut man nicht alles zur Rettung der Sprache, dafür werden Dämme neuerdings "eröffnet", wiewohl funktionsfolgernd eher sich eine Schliessung, so wie "Schlussstein setzen" o. Ä. aufdrängt…

Wie wäre es damit

in Überschwemmungszonen nicht mehr zu bauen.
Ach ja ich vergaß. kurzfristiges denken, Gier und Dummheit.

haben Sie schon mal daran gedacht dass viele dieser Häuser schon ein wenig älter sein könnten?

Die meisten überfluteten Häuser werden in ca einem Jahrzehnt davor gebaut. Das war nordwestlich von Wien damals nicht anderst.

Auch im Süden von Stockerau, unterhalb des Bahndammes, nahe der Au, wurden von zeit zu zeit Häuser ohne Keller gebaut, da damals der Kellerbau in dem gebiet verboten war. Dann haben sich alle dagegen gewehrt und seither sind die meisten Keller mindestens einmal im Sommer überschwemmt. Danach war die Gemeinde Schuld daran, weil sie hätte ja was sagen können.

"Ein schmuckes Einfamilienhaus mit kleiner Landwirtschaft in der Ortschaft Mettensdorf. Margarete Foschum ist hier aufgewachsen [...]"
Klingt, angesichts des geschätzten Alters von Frau Foschum (nebenstehendes Foto), nicht nach einem Neubau in den 80 oder 90ern ...

http://www.ff-schoenegg.at/uploads/p... chen01.JPG

hier sieht man auch schön die modernen neubauten !
man beachte den zentralen turmähnlichen bau.

von der grundstruktur erinnert er ein bissal an den viele jahrhunderte älteren stephansdom in wien.

wozu in unseren tagen jedoch solche ursprünglich anmutenden sakralbauten gebaut werden ist mir unbekannt.

das ist hier auch ein einzelbeispiel. aber mindestens die hälfte der betroffenen häuser ist jünger als 30 jahre. es ist auf jeden fall zu beobachten, dass sich leute in hochwassergebiete ansiedeln und danach von eben diesen betroffen sind. im kamptal sind seit jeher die gleichen ortschaften direkt am kamp betroffen und trotzdem haben sich die meisten gegen einen umzug entschieden.

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