Samsung geht gegen Urteil in Berufung

Südkoreaner wollen Milliardenstrafe nicht hinnehmen

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung will das Urteil im Patentstreit mit dem US-Konkurrenten Apple anfechten.

Gang vor das Bundesgericht möglich

Wie das Unternehmen am Samstag in Seoul mitteilte, will es zunächst vor dem Gericht im kalifornischen San José gegen die am Freitag verhängte Strafzahlung von mehr als einer Milliarde Euro (knapp 800 Millionen Euro) vorgehen. Sollte dies nicht zum Erfolg führen, werde ein US-Berufungsgericht eingeschaltet.

Das Gericht in San José hatte Samsung der Verletzung von Apple-Patenten für schuldig befunden. Apple hatte von Samsung 2,75 Milliarden Dollar Schadenersatz gefordert, weil Samsung das Design mehrerer Produkte illegal kopiert haben soll. Samsung wies die Vorwürfe zurück und warf seinerseits Apple Patentverstöße im Bereich der Mobilfunktechnologie vor. Das südkoreanische Unternehmen forderte dafür 422 Millionen Dollar von Apple, was das Gericht jedoch ablehnte.

Experten prognostizieren nur wenig Schaden für Samsung

Samsung mag zwar im bitteren Patentstreit mit Apple eine teuere Niederlage erlitten haben. Allerdings könnte das Urteil nach Ansicht von Experten langfristig sogar dabei helfen, die Führung der Koreaner auf dem weltweiten Markt für Smartphones zu sichern.

Verkraftbares Strafmaß

Zunächst muss die vom US-Gericht festgelegte Schadenersatz-Summe von etwa einer Milliarde Dollar in Beziehung gesetzt werden zu den 21 Milliarden Dollar, die der weltgrößte Elektronik-Konzern auf der Hand hat. Die Summe macht zudem gerade 1,5 Prozent von Samsungs jährlichem Umsatz in der Telekom-Sparte aus. Samsungs Nettogewinn allein im Quartal von April bis Juni betrug 4,5 Milliarden Dollar.

Auch ein etwaiges Verkaufsverbot für gewisse Samsung-Produkte wäre ein begrenztes Problem. Die Koreaner gelten als "fast executioners" - sie dürften in der Lage sein, schnell angepasste Produkte auf den Markt zu bringen, sollte ein Verbot tatsächlich greifen. In früheren Fällen hatte Samsung bereits neue Versionen fertig, bevor die Gerichtsverfahren abgeschlossen waren.

"Auswirkungen werden sehr begrenzt sein"

"Die Auswirkungen auf Samsung werden sehr begrenzt sein", sagt daher auch der Patentanwalt D.J. Jung von SU Intellectual Property. Die betroffenen Modelle seien meist älter und bei den neuen Varianten sei das Design schon verändert worden. "Trotzdem, es ist eine umfassende Niederlage im wichtigsten Markt. Es ist unvermeidlich, dass Samsungs Marke in Mitleidenschaft gezogen wird", sagt Jung. Samsung werde nun als Nachahmer gesehen. Dagegen steht, dass dieser und ähnliche Prozesse Samsungs Bekanntheit deutlich erhöht haben. In einer Umfrage zum Branding im asiatisch-pazifischen Raum lag Samsung jüngst an erster Stelle, vor Apple.

Verfahren könnte noch Jahre dauern

Der Analyst CW Chung von Nomura geht sogar davon aus, dass die Koreaner ihre Stellung stärken könnten. Mit allen Berufungen werde das Verfahren wohl noch Jahre dauern, sagt er. Am Ende könnten sich Apple und Samsung gegenseitig Lizenzen gewähren, um gemeinsam eine hohe Patentmauer um ihren Teil des Smartphone-Marktes zu errichten - ein Markt mit einem Volumen von mehr als 200 Milliarden Dollar. Für die anderen Bewerber wäre dies eine Bedrohung.

Weiter: Rechnet man die Schadensersatz-Summe auf einzelne Geräte um, verlangt Apple von Samsung etwa zehn Dollar je Mobiltelefon. Sollten die Amerikaner ähnliche Klagen gegen andere Hersteller von Android-Handys anstreben, könnten deren Gewinnmargen angesichts des laufenden Preiskampfes empfindlich getroffen werden. Samsung könnte als einer der wenigen Konzerne diese Kosten auffangen - und damit seine Vormachtstellung sichern. (APA, derStandard.at, 25.ß8.2012)

 

 

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