Tunesiens Präsident stellt sich gegen regierende Islamisten

Marzouki wirft Ennahda-Partei zunehmendes Kontrollstreben vor

Tunis - Der tunesische Präsident Moncef Marzouki hat die an der Regierungskoalition beteiligte islamistische Ennahda-Partei scharf kritisiert. Er habe zunehmend das Gefühl, dass die Partei eine "Kontrolle der administrativen und politischen Operationen des Staates" anstrebe, schrieb Marzouki in einem Brief, der am Freitag zu Beginn eines dreitägigen Parteitags seines linksnationalen Kongresses für die Republik (CPR) verlesen wurde. "Dieses Verhalten erinnert uns an die vergangene Ära", schrieb Marzouki mit Blick auf den Anfang 2011 gestürzten langjährigen Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali.

Marzoukis säkulare Mitte-links-Partei CPR bildet gemeinsam mit der islamistischen Ennahda und der Mitte-links-Partei Ettakatol die Regierungskoalition in Tunesien. Die als moderat geltende Ennahda stellt die Mehrheit in der Koalition. Zuletzt hatte es Kritik aus der Zivilgesellschaft und von Oppositionellen an Marzouki gegeben, dass dieser den zunehmend autoritären Bestrebungen der Ennahda nicht stärker entgegentrete. Innerhalb der Koalition gibt es in verschiedenen Bereichen Unstimmigkeiten, insbesondere über die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. (APA, 25.08.2012)

  • Tunesiens Präsident Marzouki auf einem Archivbild aus dem Juli.
    foto: reuters/mark wilson/pool

    Tunesiens Präsident Marzouki auf einem Archivbild aus dem Juli.

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