Anti-arabischer Extremismus kommt nicht von irgendwo

Blog | Andreas Hackl
25. August 2012, 21:31
  • Israelis demonstrieren in Tel Aviv gegen eine Arabisch-Jüdische Veranstaltung.
    foto: andreas hackl

    Israelis demonstrieren in Tel Aviv gegen eine Arabisch-Jüdische Veranstaltung.

Israel müsste in eine multikulturelle Gesellschaft investieren, anstatt rigide Trennung zu fördern

Dass eine Gruppe Jugendlicher vor kurzem einen Araber in Jerusalem bewusstlos geschlagen hat, schockierte nicht nur die arabische Minderheit in Israel, sondern hat auch einige Fragen aufgeworfen. Woher bekommen 15-jährige einen derart extremen Hass auf Angehörige einer nationalen Minderheit? "Ginge es nach mir, er hätte sterben sollen. Er ist ja nur ein Araber", sagte einer der jugendlichen Angeklagten im jüngsten Vorfall.

Dabei schien das Zusammenleben in Jerusalem am Wochenende nach der Schlägerei blendend zu laufen, als hunderte Palästinenser zum Ramadan-Fest anstatt in der überfüllten Altstadt lieber durch die Fußgängerzone in Westjerusalem spazierten. Arabisch war dabei genauso oft zu hören wie Hebräisch. Das schien niemanden zu stören. Auch anderswo ging das Leben harmonisch weiter. In einem seltenen Nebeneinander haben jüdische und palästinensische Familien in der Wiese eines Stadtparks Grillfeiern abgehalten. Und der Spielplatz im Park kochte von der wilden Feiertagsenergie arabischer und jüdischer Kinder.

Wo es normalen Kontakt gibt, scheint er auch zu funktionieren. Doch davon gibt es in Israel leider zu wenig. Die Trennung zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung ist seit Staatsgründung Teil des israelischen Selbstverständnisses. Und das macht rassistisch motivierte Gewalt um einiges wahrscheinlicher. Denn Feinbilder und Vorurteile sind immer anerzogen. Bekämpft werden sie am besten durch zwischenmenschliche Erfahrung.

Getrennte Welt

Doch an einer wirklichen Integration zwischen Arabern und Juden hatte die israelische Politik in den Jahrzehnten nach der Staatsgründung wie auch heute wenig Interesse. Dass arabische und jüdische Staatsbürger bis auf wenige Ausnahmen in getrennte Schulen gehen, dürfte über die Jahrzehnte nicht zum gegenseitigen Verständnis beigetragen haben. Immerhin leben die meisten ohnehin schon in getrennten Städten oder Stadtvierteln. Während das jüdische Schulsystem stets versucht hat, die Verbindung zur israelischen Nation zu stärken, versuchte der Staat den Nationalismus bei Arabern zu unterdrücken. Als Palästinenser durften sie sich nicht sehen, aber Juden waren sie auch keine. Zur Trennung beigetragen hat über die Jahre bestimmt auch, dass Araber in Israel keinen Militärdienst leisten. Der bildet bei vielen jungen Männern und Frauen erst das zentrale Element des nationalen Zusammenhalts. Doch gleichzeitig schafft er bei vielen auch ein großes nationalistisches Ego, in dem Araber keinen Platz haben. Letztlich werden Minderheit und Mehrheit auch getrennt, weil es in Israel weiterhin keine standesamtliche Eheschließung gibt, sondern stattdessen nur die religiöse.

Die Trennung von jüdischen und nicht-jüdischen Staatsbürgern schafft indirekt auch Voraussetzungen für Vorurteile und Segregation. Das Dogma der Trennung wird dann von extremistischen Organisationen ausgenutzt und letztlich zum Rassismus missbraucht. So hat der Übergriff auf die arabischen Jugendlichen von letzter Woche - der begonnen hatte, nachdem sich ein jüdisches Mädchen bei Freunden über Belästigung durch einen Araber beschwert hatte - die rechte Gruppierung "Lehava" dazu gebracht, folgendes Flugblatt in Umlauf zu bringen: "Lieber Araber. Wir wollen nicht, dass du verletzt wirst. Unsere Töchter sind uns wichtig. So wie du nicht willst, dass Juden mit deiner Schwester ausgehen, werden wir auch nicht akzeptieren, dass Araber mit den Mädchen unserer Nation ausgehen."

Irgun Lehava setzt sich "gegen Assimilierung" ein und versucht zu verhindern, dass jüdische Frauen mit arabischen Männern Kontakt haben. "Letzte Woche dachte ein Araber, er könne ein jüdisches Mädchen finden, und wurde verletzt. Wir wollen dir nicht auch noch weh tun", heißt es im Flugblatt weiter. Lehava verbreitet auch Karten des Jerusalemer Mahane Yahuda Marktes, auf denen alle Geschäfte eingezeichnet sind, in denen Araber arbeiten. Man solle dort nicht einkaufen, sondern lieber in Geschäften shoppen, in denen nur Juden arbeiten. Die Organisation hat immerhin 1200 "likes" auf Facebook.
"Der israelische Staat toleriert keinen Rassismus, oder die Kombination von Rassismus und Gewalt", erklärte Premierminister Benjamin Netanyahu zu der jüngsten Gewalttat jüdischer Jugendlicher. Präsident Shimon Peres wurde deutlicher: "Kindern sollten Werte beigebracht werden, diese werden in Israel aber nicht genug betont. Es stimmt, dass das Land für uns alle heilig und wichtig ist. Aber Menschenleben sind nicht weniger wichtig."

Wenn sie ihre Worte über Werte und Bildung ernst meinen, kann der erste Schritt nur sein, Organisationen wie Lehava scharf zu verurteilen, und in eine multikulturelle Gesellschaft zu investieren, anstatt rigide Trennung zwischen Mehrheit und Minderheit zu fördern. Israel hat ein Interesse daran die jüdische Mehrheit im Staat am Leben zu erhalten. Doch das schließt wahre Integration nicht aus. Laut einer Studie der deutschen Friedrich-Ebert Stiftung (FES) vom letzten Jahr seien arabische Jugendliche viel überraschen stark am Zusammenleben zwischen Juden und Arabern interessiert. Das sollte als Chance, und nicht als Bedrohung gesehen werden.

Die FES-Studie hat aber auch gezeigt, wohin sich der Trend weiterbewegt, wenn nichts getan wird: rund 25 Prozent der befragten jüdisch-israelischen Jugendlichen meinten, dass der Gedanke an Araber bei ihnen "Hass" auslöst.

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Was der Hr. Hackl nicht alles weiß...

"Die Trennung zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung ist seit Staatsgründung Teil des israelischen Selbstverständnisses."

Nach Haifa z.B. dürfte es der Hr. Korrespondent offenbar noch nicht geschafft haben...

Israel ist Multikulti ...

... wie kaum ein anderes Land. Dort leben moslemische Araber, Juden (aus aller Herren Länder, die sich nicht automatisch verstehen, nur weil sie alle Juden sind) und christliche Araber oft auf engen Raum zusammen (Jerusalemer Altstadt).

Nicht einmal New York ist multikultureller als Israel. Israels offenbar mindestens so gut funktionierende Gesellschaft wie in N.Y oder anderswo setzt sich aus Menschen aus unzähligen Erdteilen Ländern und Kulturen zusammen : Von Australien bis Norwegen Indien bis Kalifornien haben Menschen binnen sehr kurzer Zeit einen Staat wiederaufgebaut. Und dann kommt ein ahnungsloser Herr Hackl und gibt denen Etzes.

was genau meinen Sie mit

"wieder aufgebaut"??

So lange sie Juden sind - und so ganz stimmt das auch nicht - Diskriminierung von Seharden und schwarzen Juden ist nicht selten.

Die FES-Studie hat aber auch gezeigt

http://www.kybeline.com/2010/04/1... zu-hassen/

Immer schön brav weiter die pösen Juden verurteilen lieber Herr Hackl und schön einseitig berichten. Der Link oben ist nur ein kleines Beispiel dafür, was Islamgelehrte denken. Würde mich freuen, auch von Ihnen über sowas zu hören und mal aufs Schärfste die hasspredigende Lehre auf seitens des Islams zu verurteilen. Aber wenn ich ihren Lebenslauf so lese, dann kann ich nachvollziehen, dass Ihnen das schwerfallen muß. Doch auch sehr einseitig Ihr CV.
http://www.diemaske.at/pdf/CVDeu... sHackl.pdf

"Immer schön brav weiter die pösen Juden verurteilen "

Was genau wollen Sie eigentlich zum Ausdruck bringen?
Etwa dass der jugendliche Araber doch selbst Schuld sei???

Versuch drei

Was die jüdischen Jugendliche mit den muslimischen Jugendlichen gemacht haben, ist schändlich und gehört bestraft. Nur was ich bemängele ist, dass Herr Hackl dieses Ausnahmeereignis als gefundenes Fressen sieht, wieder seine Abscheu gegen Israel auszuleben. Da er im Allgemeinen nicht unparteisch und ausgewogen recherchiert und rein nur die j. israelische Seite verurteilt, verurteile ich seinen einseitigen Blog. Er versucht Israel und die Israelis zu dämonisieren, während er gemütlich dort seinen Alltag verbringt. Schade finde ich, dass derStandard, solchen unfairen Journalisten eine Plattform bietet. Natürlich ist nicht alles was in Israel passiert richtig und es passieren dort Fehler wie auch anderswo. Ausgewogene Artikel wünsche ich mir!

"Natürlich ist nicht alles was in Israel passiert richtig und es passieren dort Fehler wie auch anderswo"

nur in der zeitung schreiben darf man es halt nicht, wenns nach ihnen geht...

Wie dumm kann man sich eingentlich stellen?

Ja woher mag dieser unerklärliche Hass bloß kommen? JAHRZEHNTE von Krieg, Terrorismus und Unsicherheit können es nicht sein, das ist vollkommen ausgeschlossen. Eher ist die Schuld irgendwo bei den Juden zu suchen. Die waren mir auch schon immer suspekt....

gefrährlich sind immer menschen die sich ständig als opfer von irgentwas ansehen. und staaten wie israel und armenien sind mit diesen opfergefühl gegründet bzw. dient als ideologische grundlage für diese staaten.

was ist wenn israel einmal nicht opfer ist oder bedroht wird vernichtet zu werden? dann hat es laut der opfer ideologie kein existensgrund.

Ich finde auch, dass das ewige sich als Opfer darstellen der Arabischen Seite jeglicher Problemlösung im Weg steht. Es ist so bequem immer Israel, die USA, Freimaurer usw. verantwortlich zu machen wenn man ökonomisch, politisch und militärisch nie etwas auf die Reihe bekommt.

Es sind doch die Israelis, die sich trotz ihres militärisch übermächtigen Gewaltmonopols in diesem Konflikt immer völlig unpassender weise als Opfer darstellen .

Was wirklich mehr als daneben ist.

Schön gesagt, danke. Durch den riesigen Verliererkomplex, unter dem die arabische Welt leidet, neigt man eben leicht zum Beleidigtsein und sich als Opfer darstellen.

????

halten Sie sich damit wirklich für ernst genommen?
I. braucht keinen Opfermythos: die Feinde bekommt es freihaus gratis geliefert.

ja und ohne feinde schafft man es nicht diesen staat aufrecht zu halten, und demokratisch erst recht nicht. stellen sie sich mal vor, die menschen die man aus ihrem land vertrieben hat, wjl und gaza so wie die araber in israel dürften mit wählen.

wenn israel keine feinde haben will, dann soll es endlich den menschen ihr land wieder geben und sie frei reisen und wählen lassen. so behandelt man die araber bzw palästinenser wie vieh!

laut dunkler triade könnte man israel schon als narzistisch bezeichnen. immer recht haben wollen und sich immer besser als die araber darzustellen. dieses gedankengut ist importiert aus dem dritten reich. leider schadet es damit den juden indem es ihr symbol auf der staatsflagge aufgenommen hat.

wenn ich in einem Land leben würde,

das gleich zur Staatsgründung von mehreren arabischen Nachbarn angegriffen wurde (1948), dann Jahre darauf noch einmal (1967) und wenig später noch einmal (1970)und noch einmal (1973), zusätzlich seit nunmehr gut 40 Jahren terroristischen Attacken ausgesetzt ist, wobei sämtliche Friedensbemühungen zumeist zurückgewiesen bzw mit überzogenen Forderungen (vererbliches Rückkehrrecht für durch einen Angriffskrieg der arabischen Staaten bedingte Flüchtlingsströme zB, aber auch Arafats Auftritt in Camp David 2001) wäre ich und sonst niemand in diesem Forum wohl auch kein sonderlicher Fan.

Die demokratische Reife

...eines Landes zeigt sich gerade dann, wenn die demokratischen Werte bedroht sind. Menschenrechte gelten universell und werden nicht durch "die äußeren Umstände" außer Kraft gesetzt.

schön gesagt

aber was hat das damit zu tun, dass Israel von seinen arabischen Nachbarn seit Staatsgründung in seiner Existrwenz bedroht wird=?

Ach, "anti-arabischer Extremismus kommt nicht von Ungefähr". Was für eine Erkenntnis! Darin unterscheidet er sich natürlich vom völlig willkürlichen und dämonischen Hass auf diverse andere Menschengruppen.

Die Israelis findens also nicht super, dass die Araber

sie die ganze Zeit irgendwie vernichten wollen. Sowas aber auch.

Das ist normal, wenn man religiös geeiferte Gruppenbildung fördert. Es findet praktikable Anwendunng in jeder Ecke der Welt.

"Lehava verbreitet auch Karten des Jerusalemer Mahane Yahuda Marktes, auf denen alle Geschäfte eingezeichnet sind, in denen Araber arbeiten. Man solle dort nicht einkaufen, sondern lieber in Geschäften shoppen, in denen nur Juden arbeiten."

man könnte fast meinen, das sei von irgendwo abgeschaut

hmm..

hm?

Wenn ein P. nur sagen wir ein Brot bei einem jüd. Bäcker kauft, gilt das bei den radikalen P. schon als Beweis für Kollaboration.
Meinen sie das?
BTW: solche dummen Aktionen stammen nicht von der isr. Öffentlichkeit, sondern sind Privataktionen radikaler isr. Randgruppen. Lustiger Weise wird dennoch dafür wieder der gesamte isr. Staat in Kollektivhaftung genommen.
Ja ja, das kommt mir aber schon bekannt vor.

Die israelische Regierung hat kürzlich verboten, sich an Forderungen nach Boykott zu beteiligen - den hat aber wohl nicht im Auge.

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