Banken sind keine Facebook-Freunde

Der Facebook-Deal ist ein Lehrstück für Interessenkonflikte an den Finanzmärkten.

Man kann den Facebook-IPO getrost als Flop bezeichnen. Aktuell notiert die Aktie drei Monate nach der Erstnotiz knapp fünfzig Prozent unter dem Ausgabekurs beim Börsengang. Während Altaktionäre wie paypal-Gründer Peter Thiel oder IT-Riese Microsoft ordentlich Kasse machen konnten, müssen private und institutionelle Anleger nach dem IPO durch die Finger schauen.

Die Liste derer, die sich bei dem Börsen-Hype um das soziale Netzwerk die Finger verbrannt haben, ist lang. Sie reicht von dem "Marktmacher" und Finanzdienstleister Knight Capital, der Börse Nasdaq bis zur Schweizer Großbank UBS.

Geld verloren haben auch Bankkunden. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Emissionsbanken des Facebook-IPO, also jene, die den Börsengang begleitet haben.

Die US-Bank Morgan Stanley sticht dabei heraus. Sie hat sich sicher nicht mit Ruhm bekleckert. Nicht nur, dass die Bank für das Chaos am ersten Handelstag hauptverantwortlich sein soll. Zusätzlich haben sich von Morgan Stanley verwaltete Fonds mit Facebook-Aktien vollgesogen (WSJ). Acht der neun Fonds, die am stärksten in Facebook-Aktien investiert sind, werden von Morgan Stanley verwaltet. 

Morgan Stanley hat als Emissionsbank das Interesse, dass beim Börsengang die Aktien an den Mann gebracht werden. Als Vermögensverwalter aber sollte das Kundeninteresse im Vordergrund stehen. Da es sich bei den Fonds mit dem hohen Facebook-Anteil um institutionelle Anlage-Klassen handelt, sind also andere Investmentprofis, etwa von Pensionsfonds, betroffen. Nehmen diese ihre Pflicht ernst, das Kundenvermögen nach bestem Wissen und Gewissen zu veranlagen, sollten sie Morgan Stanley gehörig die Leviten lesen. Die Bank hatte im Vorfeld des Börsengangs die Einschätzung von Facebook wegen lahmender Geschäfte gesenkt, gleichzeitig aber den hohen Ausgabekurs durchgeboxt. Die Großanleger von Facebook ließen das geschehen, obwohl sie wussten, wie fragil das Geschäftsmodell war, weil sie sich damit eine goldene Nase verdienen konnten.

Von Papieren und Preisen

Was man trotz der Interessenkonflikte nicht vergessen darf: Gerade Privatanleger sind an die Facebook-Aktie oftmals mit der rosaroten Brille herangetreten. In dieser Geschichte des Wall Street Journal, ein paar Tage vor dem IPO veröffentlicht, schwingt ein gehöriges Maß an "irrationalem Überschwang" mit. Es gilt wieder einmal, Albert Edwards von Société Générale zu zitieren: Es gibt keine toxischen Wertpapiere, es gibt nur toxische Preise. Wer zu viel für ein Werpapier zahl, zahlt immer drauf. 


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