Banken sind keine Facebook-Freunde

Lukas Sustala
24. August 2012, 19:16

Der Facebook-Deal ist ein Lehrstück für Interessenkonflikte an den Finanzmärkten.

Man kann den Facebook-IPO getrost als Flop bezeichnen. Aktuell notiert die Aktie drei Monate nach der Erstnotiz knapp fünfzig Prozent unter dem Ausgabekurs beim Börsengang. Während Altaktionäre wie paypal-Gründer Peter Thiel oder IT-Riese Microsoft ordentlich Kasse machen konnten, müssen private und institutionelle Anleger nach dem IPO durch die Finger schauen.

Die Liste derer, die sich bei dem Börsen-Hype um das soziale Netzwerk die Finger verbrannt haben, ist lang. Sie reicht von dem "Marktmacher" und Finanzdienstleister Knight Capital, der Börse Nasdaq bis zur Schweizer Großbank UBS.

Geld verloren haben auch Bankkunden. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Emissionsbanken des Facebook-IPO, also jene, die den Börsengang begleitet haben.

Die US-Bank Morgan Stanley sticht dabei heraus. Sie hat sich sicher nicht mit Ruhm bekleckert. Nicht nur, dass die Bank für das Chaos am ersten Handelstag hauptverantwortlich sein soll. Zusätzlich haben sich von Morgan Stanley verwaltete Fonds mit Facebook-Aktien vollgesogen (WSJ). Acht der neun Fonds, die am stärksten in Facebook-Aktien investiert sind, werden von Morgan Stanley verwaltet. 

Morgan Stanley hat als Emissionsbank das Interesse, dass beim Börsengang die Aktien an den Mann gebracht werden. Als Vermögensverwalter aber sollte das Kundeninteresse im Vordergrund stehen. Da es sich bei den Fonds mit dem hohen Facebook-Anteil um institutionelle Anlage-Klassen handelt, sind also andere Investmentprofis, etwa von Pensionsfonds, betroffen. Nehmen diese ihre Pflicht ernst, das Kundenvermögen nach bestem Wissen und Gewissen zu veranlagen, sollten sie Morgan Stanley gehörig die Leviten lesen. Die Bank hatte im Vorfeld des Börsengangs die Einschätzung von Facebook wegen lahmender Geschäfte gesenkt, gleichzeitig aber den hohen Ausgabekurs durchgeboxt. Die Großanleger von Facebook ließen das geschehen, obwohl sie wussten, wie fragil das Geschäftsmodell war, weil sie sich damit eine goldene Nase verdienen konnten.

Von Papieren und Preisen

Was man trotz der Interessenkonflikte nicht vergessen darf: Gerade Privatanleger sind an die Facebook-Aktie oftmals mit der rosaroten Brille herangetreten. In dieser Geschichte des Wall Street Journal, ein paar Tage vor dem IPO veröffentlicht, schwingt ein gehöriges Maß an "irrationalem Überschwang" mit. Es gilt wieder einmal, Albert Edwards von Société Générale zu zitieren: Es gibt keine toxischen Wertpapiere, es gibt nur toxische Preise. Wer zu viel für ein Werpapier zahl, zahlt immer drauf. 


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Auf die Bewertungsmethode kommt es an!

Die angelsächsische Bewertungslehre hat sich seit Anfang der 1990er Jahre in der Wirtschaftspraxis durchgesetzt. Dahinter steht ein realitätsfernes Gedankengebäude als einer der bedeutendsten Ursachen für die Überbewertung von Unternehmen, so wie es auch beim Börsengang von FACEBOOK geschehen ist. Eine geeeignete Alternative bietet die Funktionale Unternehmensbewertung. In diesen Tagen erscheint das streng an dieser funktionalen Bewertungslehre orientierte HANDBUCH UNTERNEHMENSBEWERTUNG: http://www.valuation-in-germany.blogspot.de/2012/10/h... rtung.html

Dieses Handbuch ist aus Kooperationen zwischen Wissenschaftlern und Praktikern entstanden.

ich gehör' zu den stolzen facebook-aktien-profiteuren

hab' in dieses papierl nichts, aber auch schon gar nichts investiert - bin ja nicht mein eigener feind.

(und hab' somit keinen luckerten cent verloren - da drauf gönn' ich mir ein krügerl)

war aber nicht ueberraschend ...

Wie soll ein Unternehmen das 3Mrd Umsatz, davon immerhin 1Mrd Gewinn (eh eine top Spanne) 100Mrd Dollar wert sein? auch wenn man jetzt zwaeistelligen Wachstum p.a. annimmt ist der ROI im Nirvana. Gratulation an die Verkaefer - alles Richtig gemacht - das eine Vielzahl der Banken und Privatinvestoren freiwillig ueberzahlt haben.

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