Und Teheran bewegt sich doch nicht

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  • Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad (vorne) besichtigt im April 2012 neu aufgestellte Uran-Anreicherungszentrifugen in Natanz. 
    foto: apa/epa

    Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad (vorne) besichtigt im April 2012 neu aufgestellte Uran-Anreicherungszentrifugen in Natanz. 

Keine Ergebnisse bei technischen Atomgesprächen zwischen IAEA und Iran in Wien

Teheran/Wien - "Durchbruch nicht zu erwarten" tönten die Titel zur Iran-Atomgesprächsrunde am Freitag in Wien: Das war insofern richtig, als das Treffen in Wien einmal mehr eines auf technischer Ebene war - und ein "Durchbruch" im Sinne einer Lösung im iranischen Atomstreit kann nur auf politischer stattfinden. Und da wartet man noch immer auf einen Termin für ein Treffen der beiden politischen Verhandler, des Chefs des iranischen Nationalen Sicherheitsrates, Saeed Jalili, und Catherine Ashton, EU-Außenpolitikchefin, als Vertreterin der EU3+3 (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, USA, Russland und China).

Wobei man jedoch in Wien weiterkommen hätte können, sind Fragen, die die Inspektionen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) von iranischen Atomanlagen betreffen - und solchen, die unter Verdacht stehen, trotz fehlender Deklaration im Zusammenhang mit dem Atomprogramm zu stehen. Im konkreten Fall ist das die Militäranlage Parchin, die Schauplatz von Experimenten gewesen sein soll. Aber auch zu dieser Art von Durchbruch kam es am Freitag nicht.

In Parchin gehen, wie Satellitenaufnahmen zeigen, substanzielle Aufräumarbeiten vor sich, die auch eine Abtragung der oberen Erdschicht - die vieles dar über aussagen kann, was an einem Ort gemacht wurde - involvieren. Da jedoch der Auftrag der IAEA im Fall Iran auch lautet, die vergangene Dimension des Atomprogramms aufzuklären, würde der Verdacht stehen bleiben, auch wenn Inspektoren in ein Parchin hineingelassen würden, das sich "clean" zeigt.

Ein weiterer offener Punkt mit der IAEA ist die Weigerung Teherans, das "Additional Protocol" anwenden zu lassen - einen Zusatz zum Abkommen zwischen Iran und IAEA, das die Überwachung iranischer Atomanlagen und -materialien regelt. Das Additional Protocol sieht bissigere Kontrollrechte für die IAEA vor.

Eigentlich hatte man ja erwartet, dass sich Teheran bei den Inspektionsfragen schon zu Beginn der wiederaufgenommenen Verhandlungen bewegen wird: IAEA-Chef Yukiya Amano wurde im Mai offensichtlich mit dieser Aussicht nach Teheran gelockt. Man konnte sich damals nicht vorstellen, dass der Japaner - der viel mehr als sein Vorgänger Mohamed ElBaradei bereit ist, die in den westlichen Hauptstädten geäußerten Wünsche zu erfüllen - nach Teheran reist, ohne dies mit den USA oder den EU-3 abgesprochen zu haben. Von Diplomaten wird einem aber versichert, dass genau dies der Fall war: Dementsprechend groß war die Blamage Amanos, der mit leeren Händen wieder aus Teheran zurückkam.

In wenigen Tagen wird der nächste "geheime" IAEA-Bericht - der fünf Minuten nach Erscheinen geleakt werden wird - zum Iran vorgelegt werden. Er wird bestätigen, dass der Iran trotz eigener technischer Probleme und Cyberattacken von außen sein Uran-Anreicherungsprogramm stetig ausbaut, und zwar auch die Anreicherung auf 20 Prozent und die Herstellung von nuklearen Brennstäben für den Forschungsreaktor in Teheran (TRR). Das, was dem Iran wegverhandelt werden muss, um ihm seine "breakout capacity" - ab der er, wenn er auch alle anderen technischen Aspekte gemeistert hätte, den Bau von Waffen aufnehmen könnte - zu negieren, wird immer mehr. Was vor allem Israel verlangt, das mit einem Militärschlag droht.

Die Positionen sind ungefähr so: Der Iran würde wohl auf die 20-Prozent-Anreicherung verzichten und wahrscheinlich auch das bereits produzierte 20-Prozent-Uran außer Landes bringen lassen, wenn man ihm das Recht auf die 3,5-Prozent-Anreicherung verbrieft und die Sanktionen aufhebt. Die EU3+3 haben es auch auf die - inzwischen massiven - Stock piles von 3,5 Prozent abgesehen, und die Sanktionsaufhebung wäre ein Prozess, an dessen Ende - vielleicht - die Anerkennung steht. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, 25.8.2012)

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Teheran hat auch überhaupt keinen Grund, sich zu bewegen,

weil Teheran im Recht ist.

Teheran hat den Atomwaffensperrvertrag (im Gegensatz zu USA und Israel) unterschrieben und erfüllt bis heute alle Verpflichtungen (Kontrollen, Berichte) bis zum heutigen Tag auf Punkt und Beistrich.

Die Ausspionierung von nicht-atomaren, militärischen Anlagen (Militäranlage Parchin) ist im Atomwaffensperrvertrag nicht vorgesehen und würde auch kein anderes Land gestatten.

Iran hat NOCH NIE atomwaffenfähiges Material abgezweigt und es gibt nach wie vor keine Indizien, für ein iranisches Atomwaffenprogramm - was ja auch alle US-Geheimdienste in ihrem letzten Bericht bestätigten.

Die substanzlose Behauptung, Iran würde heimlich an Atomwaffen bauen, ist daher an den Haaren herbeigezogen.

Die liebe Frau Harrer ist sehr nett..

aber wenn ich täglich sage, ich werde Ihn Ihr Haus einbrechen. Und als Druckmittel sage "Ich werde Ihr Haus ausräumen wenn sie mir nicht Ihre Alarmanlage erklärt" Wird sie dann so nett sein, mit die Alarmanlage erklären, damit ich leichter einbrechen kann.

Israel und uSA bedrohen den Iran nun schon seit zig Monaten mit einem Angriff. Und als "Vertrauensbeweis" damit sie es "vielleicht" nicht tun, verlangen, sie das sie die Militäranlagen besichtigen können? hat ja auch schon super geklapt der IAEA die Liste der Atomwissenschafter zu geben.

Das Regime in Teheran ist ein Verberecherregiem, aber dzt. bewegt es sich mehr innerhalb der Vereinbarungen des NPTs als Amerika es tut.

so lasst ihnen doch die bombe, dann können wir sie ihnen "wegnehmen".

macht ja keinen sinn den iran mit allen unwägbarkeiten zu bombadieren, wenn der nur ein paar vorstufen zur a-bombe hat.

warten bis sie sie testen und dann ordentlich das potential zur herstellung vernichten, sodass es sich der iran und andere länder genau +berlegen ob sie solche kosten eingehen wollen.

Mhm, und wie stellen Sie sich das Wegnehmen vor?

Wenn Iran die Bombe hat, wird ihn niemand mehr angreifen. Isr. und Europa liegen in Reichweite iranischer Rakteten, die USA hat ihre 5. Flotte vor seiner Haustür stationiert.

Genau das ist ja der Sinn einer atomaren Bewaffnung: sich unantastbar machen.

wieso ?! sollte er nicht angegriffen werden.
realistischerweise hat der iran raketen von max. 2200 km reichweite (laut wiki).

und mit einem sehr sehr unterlegenen atompotential, dass es ja am anfang ist, ist man natürlich nicht unangreifbar.

das ist mMn eine falschannahme. wenn ich gezielt/massiv konventionell versuche die raketen auszuschalten, dann dem land aber selbst glaubhaft die totale vernichtung erspare, dann wäre es doch sinnlos, diese "stille" vereinkunkft zu brechen und sich atomar zu wehren, und die totale vernichtung zu riskieren.

Das hieße aber, den handelnden Personen Rationalismus zuzugestehen.

Und genau das passiert im Fall Iran ja nicht, hier wird argumentiert, die Mullahs wären nicht rational und würden die Bombe auch um den Preis der eigenen Vernichtung einsetzen.

Wobei ein Test nicht sein muss, heute wird das durchwegs auf Computern simuliert. Ein Test soll vielmehr aussagen, daß man zu den großen Jungs zählt. Bei "kluger" Politik hat man dann die entsprechende Bewaffnung schon auf Halde.

Ad Reichweite: nach Manama sind´s gerade mal 200 km.

Die IAEA hat nicht gerade Vertrauen verdient

Die IAEA hat aus iranischer Sicht einige Schwächen, vor allem, dass sie ihren eigentlichen Aufgaben nicht nachkommt: http://irananders.de/home/news... icht.html.
Der Geheimnisverrat an Geheimdienste der zur Ermordung iranischer Bürger führt, ist dabei sicherlich auch nicht unbedeutend. "breakout capacity" wäre übrigens auch nicht im Widerspruch zum NPT - die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen bedeutet nicht, dass man welche baut. Gibt genug Ländern die diese Fähigkeit besitzen, ohne das zu benutzen. Aber die Iraner sind erstens durch das religiöse Verbot ihres Staatsoberhauptes in dieser Hinsicht ausgebremst und wissen außerdem, dass Atomwaffen ihnen sowieso nichts nützen würden.

Bekannt seit Februar 2012

http://www.globalresearch.ca/index.php... &aid=29431

Darf man das nicht veröffentlichen? Passt das nicht ins Bild? (Global Research )

Ein Einlenken wäre die Überraschung ...

... doch der Iran lenkt nur ein, wenn er merkt, dass die Konsequenzen fatal wären. Die meisten arabischen Nachbarn wären sehr froh, wenn Israel den dirty job erledigen würde. Werden ja sehen, was in den nächsten 12 Monaten wirklich passiert. Ich hoffe auf eine Revolution im Iran, um diese Mullahs wegzufegen. Diese Revolution kommt bestimmt, die Jugend im Iran brodelt und es ist nur eine Frage der Zeit, dass eine nächste "grüne Revolution" kommt, die dann vielleicht von den Mullahs nicht mehr weggefegt werden kann.
Freiheit für den Iran!

Revolution im Iran...

... Sofern sie tatsächlich von der eigenen Bevölkerung ausgeht und so unblutig wie möglich von statten - ist eine Revolution dann und wann keine schlechte Sache!

Allerdings steht zu befürchten, wie schon in Libyen und jetzt in Syrien - dass "von aussen" stark bis überwiegend "nachgeholfen" wird bei solchen Revolutionen.

Abgesehen davon, mag man vom Mullah Regime halten was man möchte, die Zustände sind jedenfalls besser als beispielsweise bei den Saudis.

Auf jeden Fall ...

... sind die Saudis noch eine Stufe weiter unten.

Wenn "demokratieerfahrene" Politiker gebraucht werden...

... im Iran oder Saudi Arabien um nach einer Revolte demokratische Strukturen zu etablieren.

Ich glaube wir haben derzeit einen ganzen Haufen von solchen, die für Österreich entbehrlich sind.

Abgesehen davon wäre bei diesen Politikern der Übergang von Diktatur zur Demokratie nicht ganz so krass.

Korruptionstechnisch gesehen schenken die sich nicht soviel.

Gott sei Dank besitzt Israel etwa 200 Atomsprengköpfe!

Woher wissens denn das?

Haben sie die Bomben gezählt?

Keine Ergebnisse bei technischen Atomgesprächen

War doch schon immer klar - der Iran will nur Zeit schinden um inzwischen weiter anzureichern.

Na hoffentlich

...tun sie das.

Und hoffentlich bauen sie bald "DIE BOMBE"

Dann wären nämlich mit einem Schlag alle Kriegspläne vom Tisch.

ABER
Ich glaube nicht daran!

Wessen Kriegspläne? Glauben Sie, dass die Ayatollahs die Bombe nur dazu wollen, um Frieden zu schaffen? Die Bärtigen in Teheran haben schon in den späten 90er Jahren ihre Marschroute festgelegt und die wird verfolgt, weil sie als richtig und konsequent - natürlich nur für den Iran - betrachtet wird.

Der Iran hat ein Bündel an Problemen zu lösen, das war schon damals klar. Eines der Probleme ist, dass das iranische Öl ein Enddatum hat. Deshalb wird nix mehr in die Verladeanlagen investiert, die alten tun es auch. Deshalb benötigt der Iran Kernkraftwerke, deshalb benötigt er auch die Bombe, um Nachbarstaaten (zB die Saudis) von der Last des dort vorhandenen Öls zu befreien. Israel? Wer oder was ist Israel? Das ist bloss ein Scherz!

Pläne

Ich glaube erstmal dass IRAN die Bombe NICHT baut.

"...deshalb benötigt er auch die Bombe, um Nachbarstaaten (zB die Saudis) von der Last des dort vorhandenen Öls zu befreien."

DAS glauben Sie ernsthaft?
*facepalm*

Bekanntlich muss man eine Atombombe nicht mehr zur Explosion bringen. Nukleare Drohung nennt man das. Und ob ich was glaube oder nicht, das ist völlig irrelevant - Ayatollah Rafsanjani hat schon Ende der 90er Jahre in einer Sitzung des Technischen Rates die Führung eines Atomkriegs durch den Iran für möglich gehalten, die Mitschrift seiner Rede fand den Weg nach aussen. Zu diesem Zeitpunkt war von einer iranischen Bombe noch nicht mal ein Plan am Tisch. Nicht nur ich sondern auch die USA halten es für unwahrscheinlich, dass Israel angegriffen würde, wozu denn? Aber es liegen genügend Hinweise vor, dass der Iran zu gegebenem Zeitpunkt im Nahen Osten einen Eroberungskrieg führen wird.

Gibts da auch was reales dazu?

"Aber es liegen genügend Hinweise vor, dass der Iran zu gegebenem Zeitpunkt im Nahen Osten einen Eroberungskrieg führen wird."

..oder ist das ein Propagandaschmäh?

Wann hat denn der Iran den letzten Angriffskrieg geführt?

das zeigt doch gerade wie gut die US-Politik funktioniert!

Welchen Krieg hätte der Iran denn führen können?

Quizfrage

In welchem Land dieser Welt ist es möglich:
...das mit vorgeblich demokratischen Wahlen ein "Präsident samt Militärjunta" die Macht ergreift
...die Bürgerrechte eingeschränkt/abgeschafft werden
...das Militär im eigenen Land eingesetzt wird
...Angriffskriege gegen andere souveräne Staaten vom Zaun gebrochen werden?
...weltweit beliebig Personen entführt und ohne Anklage und Verfahren beliebig lange eingesperrt werden
...eigene Bürger nach belieben verhaftet und ohne Anklage und Verfahren beliebig lange eingesperrt werden

Kleiner Tipp: Es ist nicht der Iran.

SO funktioniert US-Politik, aber ob das gut ist?

Und hat es einen Sinn 2 Verrückte zu vergleichen?
Ich würde trotzdem tausendmal lieber in den USA leben als im Iran.

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