Sofias neue Bobo-Welt

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Als Touristenattraktion ist Bulgariens Hauptstadt reichlich unterbelichtet. Ein neuer Mini-Stadtplan für Besucher zeigt den Einzug des Öko-Chics in Sofia.

Es gab eine Zeit, da hat man Bukarest eher nach Bulgarien verortet und Sofia eben dann nach Rumänien, weil Budapest doch weithin bekannt als Hauptstadt Ungarns feststand. Diese kleinen geografischen Unsicherheiten sind natürlich seit der Lüftung des Eisernen Vorhangs und der Einführung diverser Millionenshows vorbei, wiewohl Australier oder US-Amerikaner in der Regel einen verdächtig leeren Blick bekommen, schweift das Gespräch einmal auf Bulgarien und die bulgarische Hauptstadt Sofia ab. Aber die betrachten Europa ohnehin als eine Art Spaghettihaufen und sind entschuldigt.

Heute also Sofia als globale Touristendestination, immer noch unbekannt und wenig geschätzt. Wenn auf einer rein imaginären Touri-Hitliste mit 100 Punkten Paris oben und - jetzt nur einmal angenommen, liebe Bielefelder - Bielefeld in der deutschen Region Ostwestfalen-Lippe unten stünde, dann wäre Sofia wohl mit fünf Punkten dabei: Es liegt nicht allzu ungünstig für Weiterfahrten, und das Bier ist billig.

Ein Blick auf den thorn tree von Lonely Planet bestätigt diese Einschätzung: Da haben wir etwa BlurPauline, die eine Reise in diese Ecke Europas tun will, genauer gesagt im November, nach Istanbul und nach Izmir und nach Thessaloniki und Meteora, und ganze dreieinhalb Tage sind für Sofia vorgesehen. Das thorn tree Forum lehnt das geschlossen ab. Als Umweg auf der Fahrt zum Rila-Kloster ist Sofia noch akzeptabel, heißt es. Plovdiv sei die besser Wahl, sagt ein anderer. Oder Melnik. Nur Forumschreiber botsko empfiehlt ganz heiß das Historische Museum in Sofia. Nun ja.

Klassische Reiseführer wie Frommer's malen Sofia in den wildesten Farben: "It is as run-down as you would expect from a country that suffered under Communist rule, and it continues to be short of civic pride due to the high levels of corruption, a poor judicial system, and Oliver Twist-like bands of street thieves. But step away from the traffic chocked boulevards and drab gray concrete towers and into the cobbled streets east of the central square, and you'll find the hard edges of the city softened by untended but verdant parks and towering trees filled with the unexpected sound of birdsong..."

Aber genau so ist Sofia oder ungefähr genau so. Trotz Dauer-Wirtschaftskrise, Bauboom-Blase und minimaler Zivilgesellschaft entwickelt sich die Stadt allerdings auch unentwegt, wie ein neuer Stadtplan für Touristen zeigt, der derzeit in Läden und Restaurants in Sofia ausliegt. Die "Sofia Cartoon Map" der Grafikerin Pollina Stojanova ist kleiner als eine Visitenkarte und passt in jede Hosentasche. Auf der einen Seite listet sie Überlebenstricks für Sofia aus (Rezept für миш маш/Mischmasch, Umgang mit Straßenhunden, Einkaufen in den Kellerläden für Wodka und Schokoriegeln - den "Kleck"-Läden), auf der anderen Seite die neue Bobo-Welt der bulgarischen Hauptstadt: Läden für Organic food, Hostels für den intellektuellen Backpacker, eine Boutique für "Antifashion", Konditoreien ohne Buttercreme-Ungetüme, ein Restaurant ohne Dauerbeschallung in der Angel-Kanchev-Straße ("Made in Home"). Dort, zwischen Buchmarkt auf dem Slaveikov-Platz und dem Vitoscha-Boulevard, haben sich in den vergangenen Jahren schon Bistrots und Boutiquen abgewechselt, die einmal das Markenzeichen des Berliner Öko-Chics waren. Zona Urbana, der Laden, der die Sofia Cartoon Map herausgibt und sich sonst der Produktion und dem Vertrieb von Recyclingwaren widmet, liegt dort auch.

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