Running Reagenzgläser im Wiener Donauspital

27. August 2012, 13:01
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2500 Röhrchen laufen im Wiener Donauspital täglich per Förderband durchs Labor und werden automatisch getestet. Den Workflow hat das völlig umgekrempelt, langweilig wird den Mitarbeitern dennoch nicht

Wien - Die Förderbänder surren gleichmäßig. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Doch hier werden keine Autos produziert und auch keine Running Sushi verkauft. Im Donauspital im 22. Bezirk fahren seit ein paar Monaten Blut- und Harnproben vollautomatisch durch das Labor. In der ersten Laborstraße Österreichs, und man traut sich's ja kaum laut zu sagen in so einem kleinen Land, aber eigentlich ist es sogar die modernste Analysestraße Europas.

Was früher viele Hände erledigen mussten, passiert nun fast wie von selbst. Per Rohrpost kommen die Proben aus dem ganzen Krankenhaus ins Labor. Derzeit werden sie dann von Hand in die Straße eingestellt, selbst das soll aber in einigen Monaten automatisiert werden. Ein Barcode teilt der Maschine mit, was mit der Probe passiert: Welche Befunde stehen an? Welche Abbiegung muss das Reagenzglas auf dem Förderband nehmen? Und, nicht zuletzt: Zu welchem Patienten gehört es? Verwechslungen von Proben seien mit dem System praktisch auszuschließen, betont der Vorstand des Instituts für Labormedizin, Walter Krugluger.

Analyse rund um die Uhr

Außerdem geht jetzt alles viel schneller: Etwa 95 Prozent der Proben werden vollautomatisch analysiert, rund um die Uhr. Während früher 50 Prozent der kleinen Röhrchen innerhalb von acht Stunden unter die Lupe genommen wurden und 50 Prozent innerhalb von einer Stunde, so ist nun jede Probe in maximal einer Stunde diagnostiziert. Sogar das Entstöpseln der Reagenzgläser erledigt die Maschine, bevor es zu den Testgeräten geht. HIV, Leberwerte, Hepatitis, Cholesterin - 400 verschiedene Tests haben die Geräte auf Lager.

450 Proben pro Stunde können theoretisch in der Laborstraße abgewickelt werden. Tatsächlich laufen etwa 2500 Röhrchen pro Tag durch, die allermeisten davon am Vormittag; an ihnen werden durchschnittlich 14.000 Einzelanalysen durchgeführt. Zwei Geriatriezentren und die Rudolfstiftung bringen Proben zur Analyse am Nachmittag, wenn es im Donauspital etwas ruhiger zugeht.

Personalstand blieb gleich

Dass der Personalstand im Labor des Donauspitals, das rund 1000 Betten hat, trotz der Automatisierung gleich geblieben ist, hat damit zu tun, dass die Zahl der komplizierteren Verfahren steige, sagt Krugluger. Leukämie- oder Gentests würden nach wie vor von Menschen durchgeführt, die 22 Biomedizinischen Analytiker in seiner Abteilung hätten damit - und mit der Betreuung der Maschinen - nach wie vor alle Hände voll zu tun. Den alten Workflow des Labors hat man jedenfalls in einem mehrere Monate dauernden Prozess völlig über den Haufen geworfen.

Ein Prozess, der auch in den anderen Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) ansteht. Das Donauspital war der Pilot, in den kommenden Jahren sollen aber alle Häuser mit so einer Anlage ausgestattet werden - als Nächstes ist das Wilhelminen spital in Ottakring dran. Die Ausschreibung im Vorjahr für das Haus in der Donaustadt gewann übrigens Siemens. 1,5 Millionen Euro hat der KAV für die Anlage bezahlt. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 25./26.8.2012)

  • Ab geht's aufs Förderband: Im Wiener  Donauspital werden seit  
einigen  Monaten mehr als 95 Prozent aller Laborproben vollautomatisch 
durchgeführt.
    foto: standard/hendrich

    Ab geht's aufs Förderband: Im Wiener Donauspital werden seit einigen Monaten mehr als 95 Prozent aller Laborproben vollautomatisch durchgeführt.

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