Bürgerwehr fordert "Orthodoxie oder Tod"

24. August 2012, 17:42
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Nach Pussy-Riot-Urteil formiert sich orthodoxe Bürgerwehr in Russland

Der Prozess und das Urteil gegen die Punkband Pussy Riot hat in Russland Wellen geschlagen. Mit zahlreichen Aktionen haben Unterstützer der Gruppe während des Prozesses ihren Protest gegen die strafrechtliche Verfolgung zum Ausdruck gebracht. Doch jede Aktion bewirkt eine gleich große Reaktion, wusste schon der englische Physiker Sir Isaac Newton. Und so machen auch die Gegner mobil.

Der Leiter der russisch-orthodoxen Bewegung "Heilige Rus", Iwan Otrakowski, fordert die Gründung "orthodoxer Bürgerwehren" in Moskau. "Es ist Zeit, alle Gottesleugner daran zu erinnern, dass wir die Herren unserer Erde sind. Alle blasphemischen, beleidigenden Handlungen und Aussagen gegenüber dem orthodoxen Glauben und unserem Volk sind zu verbieten. Egal ob es sich dabei um ‚Kunst‘, Kundgebungen, Übungen oder alles andere handelt, was Gotteslästerung, Ketzerei und moralische Verkommenheit beinhaltet", schrieb Otrakowski in seinem Blog.

Er rufe alle orthodoxen Gläubigen dazu auf, sich in Bürgerwehren zusammenzufinden, um vor den Kirchen zu patrouillieren. "Wir rufen nicht zu physischer Gewalt, sondern zu einer gerechten Bestrafung auf", betonte Otrakowski. Der Zulauf ist groß. Angeblich bekommt Otrakowski täglich etwa 2000 Aufnahmeanträge.

Obwohl offiziell noch gar nicht gegründet, üben die ersten Bürgerwehren schon. Dabei sind die Mitglieder den im Internet aufgetauchten Fotos nach bewaffnet und alle mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Orthodoxie oder Tod" bekleidet.

Extremistischer Slogan

Die russischen Behörden hatten den Spruch schon vor zwei Jahren als extremistisch eingestuft. Die russisch-orthodoxe Kirche nimmt freilich keinen Anstoß daran. Der Spruch sei gegen niemanden gerichtet, erklärte der Pressechef des Moskauer Patriarchats, Wladimir Wigiljanski. Auch die Idee einer orthodoxen Bürgerwehr wird in der Kirche grundsätzlich begrüßt.

Dafür stößt sie an anderer Stelle auf Ablehnung. Der Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin nannte den Vorschlag "schrecklich" und forderte ein Eingreifen der Behörden.

Auch dort gibt es Widerstand. Alexej Majorow von der Moskauer Stadtregierung sagte, die Bürgerwehr sei der falsche Ansatz. Bürgerpatrouillen dürften nicht nach nationalen oder religiösen Aspekten zusammengestellt werden. "Das spaltet die Gesellschaft", begründete er. (André Ballin aus Moskau /DER STANDARD, 25.8.2012)

  • 1. Orthodoxes  Regiment  namens  "Heeresführer der Himm lischen Kräfte" bei taktischen Übungen im Wald vor Moskau.
    foto: standard/vkontakte otrakowski

    1. Orthodoxes  Regiment  namens  "Heeresführer der Himm lischen Kräfte" bei taktischen Übungen im Wald vor Moskau.

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