Nicolas Sarkozy hat 3000 Freunde

25. August 2012, 12:00

Der Geist eines ehemaligen Präsidenten wirbelt durch Frankreich

Nicolas Sarkozy mischt aus dem Hintergrund sowohl die Regierung als auch die Rechtsopposition auf, ohne freilich - zumindest vorerst - persönlich in Erscheinung zu treten.

 

Das französische Internetklatschportal Pipole.net muss es ja wissen. "Sie kennt ihren Nicolas", legt es der ehemaligen First Lady Carla Bruni in den Mund. "Sie weiß, dass er - was immer er gesagt haben mag - nur für die Politik lebt. Heute hat sie Angst, dass er sich langweilt, und dabei ist sie nicht die Einzige."

Noch verlebt das ehemalige Präsidentenpaar stille Tage in der Luxusvilla der Brunis am Cap Nègre an der Côte d'Azur. Sarkozy tut so, als lebe er Lichtjahre von der Politik entfernt, so wie es sich für Altpräsidenten geziemt.

In Nizza hat sich am Freitag allerdings ein "Verein der Freunde von Nicolas Sarkozy" getroffen. Gründungsmitglieder sind Exminister und andere Getreue des Exstaatschefs. Sarkozy soll dem Vernehmen nach nicht darunter sein, zumindest vorerst. Doch er hat es gar nicht nötig, persönlich in Erscheinung zu treten.

Expräsident plant Comeback

"Sarkozy ist in allen Köpfen", schreibt Lucien Pambou, einer von tausenden Stadträten der konservativen Union für eine Volksbewegung (UMP) in seinem Blog. 53 Prozent der UMP-Mitglieder halten schon heute ihr Exidol für den besten Rechtskandidaten bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2017. Diese Umfrage wurde in Hinblick auf den UMP-Kongress im Herbst erstellt.

Im Vorfeld liefern sich der aktuelle Sekretär Jean-François Copé und Expremierminister François Fillon einen harten Zweikampf um den Parteivorsitz, der als Sprungbrett für die Präsidentschaftskandidatur gilt. Sarkozy bewirbt sich nicht - er hat seine Niederlage gegen den Sozialisten François Hollande noch nicht verdaut und zeigt sich nicht vor TV-Kameras. Freunden gegenüber soll er immerhin erklärt haben: "In einem Jahr werden mich die Franzosen wieder anbeten."

Diesen Moment gilt es vorzubereiten. "Er ruft ständig seine Freunde und Vertrauten an", plauderte ein Weggefährte anonym aus. Im August unterhielt sich Sarkozy etwa mit Abdel-Basset Sieda, einem Anführer der syrischen Opposition. Und konnte nicht länger den Mund halten: In einem Kommuniqué warf er Hollande unverblümt Passivität gegenüber dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad vor und sprach von "großen Ähnlichkeiten mit der libyschen Krise", deren militärische Lösung er für sich in Anspruch genommen hatte.

Die Sozialisten erinnerten zwar daran, dass Sarkozy Assad während seiner Amtszeit zweimal in Paris empfangen hatte. Doch die Attacke des Expräsidenten trifft einen wunden Punkt Hollandes, der von vielen Seiten der Passivität auch in der Innen- und Wirtschaftspolitik gerügt wird und in den Umfragen an Boden verliert.

Ganz offensichtlich wittert Sarkozy eine Chance, den betont "normalen" Auftritt Hollandes - eine bewusste Reaktion auf die nervöse Amtsführung seines Vorgängers - gegen diesen zu kehren und sich als den großen Reformer in Erinnerung zu rufen, der er in Wirklichkeit gar nie war.

Freundschaftsverein

Wie weit Sarkozy seinen Freundschaftsverein lanciert hat, ist nicht bekannt. Ehemalige Vertraute wie Nadine Morano, Claude Guéant, Christian Estrosi oder Eric Woerth hatten Grund genug, die Initiative von sich aus zu ergreifen, da sie ohne ihren Polit-Guru zweifellos in der politischen Versenkung verschwänden.

Die Anziehungskraft Sarkozys bleibt in seinem Lager immerhin so groß, dass sich das gesamte UMP-Establishment nach Nizza bemühen muss. Nur Fillon fehlt wegen eines Beinbruchs. Er distanziert sich vorsichtig von seinem früheren Mentor, indem er von sich sagt, er trete "gelassener und pragmatischer" an. Sein Rivale Copé wird beim Treffen der Sarkozy-Freunde erscheinen. Am Sonntag will er aber seine Wiederkandidatur für den UMP-Chefposten ankündigen, in der Annahme, dass Sarkozy nicht selbst in die Polit-Arena zurückkehrt. Zumindest Carla Bruni scheint da anderer Ansicht zu sein. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, 25.8.2012)

Share if you care
22 Postings
Kein Wunder

Wenn man mit einer Italienerin verheiratet ist, dann hat man sicherlich eine große Familie hinter sich.

oje, der arme.

hat wohl keine Freunde vom Hollande zur Wahl geschenkt bekommen

Vorsicht vor kleinen Männern mit großen Plänen ...

anbeten ?

da hat er wohl das lateinische wort für beten " orare" wieder wohl mit der Betätigiung seiner Ehe/frau verwechselt.

sarkozy, der fleisch gewordene minderwertigkeitskomplex :)

typen wie sarkozy sind nicht ungefährlich!

vermutlich u.a. durch seine kleinwüchsigkeit leidet er wohl an einem enormen minderwertigkeitskomplex! jetzt muss er sich und allen anderen beweisen wie wichtig/mächtig/groß/überlegen er ist, sonst fühlt er (sich wie ein) nichts. der mensch wird nie eine ruhe geben (können). süchtig nach anerkennung, wird er alle kalt stellen, die ihm im weg stehen.

ein extrem unguter mensch. und wäre frankreich nicht doch eine recht gefestigte demokratie... wer weiß was ihm alles einfallen würde...

Schlechteste Schlagzeile seit langem!

"In einem Jahr werden mich die Franzosen wieder anbeten."

Da hat sich wohl das Wort wieder versehentlich eingeschlichen :)

"In einem Jahr werden mich die Franzosen wieder anbeten."

Der hat wirklich viel Zeit und wohl ein Buch über Napoleon gelesen.

Und schon wieder einer der von sich selbst nicht genug kriegt :)

Hollande ist wie Gusenbauer 2006

Mit nicht einhaltbaren Versprechen - man könnte sie auch Wahlkampflügen nennen - hat er die Wahl gewonnen.

Aber ebenso wie Gusenbauer werden ihn die gebrochenen Versprechen einholen.

Die französischen Linken haben aber anders als die SPÖ nicht die Möglichkeit das Problem noch vor einer Wahl durch Austausch des Spitzenkandidaten zu lösen.

Wobei Gusenbauer ein neoliberaler Spekulant ist.

Das korrupte Netzwerk will und will nicht aufgeben.

Schade das Demokratie derart unterwandert ist.

2017.

gähn.

3000 Freunde

Fantomas und seine Freunde die Phantomasi.

es gab schon einmal

einen kleinwüchsigen franzosen mit grössenwahn, dessen comeback phänomenal in die hose gegangen ist. bevor der sarkozy noch sein persönliches waterloo erlebt, soll er sich lieber auf eine insel zurückziehen - und dort bleiben. aber ich befürchte, bis es soweit kommt, wird man vom brändle noch haufenweise mit überflüssigen hofberichten belästigt.

LOL,

erinnert mich an die Selbstvermarktung der unsäglichen Ferrero-Waldner.

Hollande hat im Wahlkampf einfach zu viel versprechen müssen um gegen Sarkozy zu gewinnen. Wenn auch der kleine Franzose das erkennt, kommt Sarkos Comeback ganz schnell. Und das kann dann böse enden (siehe Italien...)

"Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd."
Otto von Bismarck

Mehr brauch man eigentlich nicht sagen. Da spielt es keine Rolle ob der Kandidat links ist, rechts ist, aus der Mitte kommt, oder irgendeiner Komplementärfarbe anhängt.

leider wird nach der Wahl auch relativ schnell wieder vergessen

sonst wäre die SPÖ heute nicht mehr in der Regierung.

"In einem Jahr werden mich die Franzosen wieder anbeten."

Puuh, ganz schön selbstverliebt der Herr.

Er hat Grund darauf zu vertrauen, denn er hat sein Netzwerk das für ihn arbeitet.

Das hat er wohl mit seinem Freund Berlusconi gemeinsam....

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.