Glück spielt "unerfreuliche Rolle" für wissenschaftliche Karrieren

FWF-Chef Kratky: "Insgesamt sind die Aussichten alles andere als gut"

Alpbach - Begeisterung, Begabung und Mut sind nach Ansicht des Präsidenten des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, notwendig, um den "Klettersteig in die wissenschaftliche Karriere" - so auch der gleichnamige Titel eines am Freitag stattgefundenen Arbeitskreises bei den Alpbacher Technologiegesprächen - zu bewältigen. Allerdings benötige man auch "viel Glück - und dass das eine Rolle spielt, ist unerfreulich", sagte Kratky. Denn er würde sich wünschen, dass "alle, die sehr gut und sehr begabt sind, es schaffen".

Tatsächlich würde es "sicherlich nur ein Bruchteil" jener, die in den Klettersteig einsteigen, bis zum Gipfel schaffen, "insgesamt sind die Aussichten alles andere als gut". Dennoch sei Wissenschafter kein so elitärer Beruf mehr. In Österreich gebe es rund fünf bis sechs Wissenschafter auf 1.000 Erwerbstätige, "das ist fast schon ein Massenberuf", so Kratky.

Risiko Prekariat

An Universitäten seien Tausende Wissenschafter angestellt und Tausende stünden vor der Türe, die in dieses System hineinwollen. "Und das sind nicht nur die Versager, sondern auch begabte Menschen, die vielleicht in Fächern tätig sind, die nicht so nachgefragt sind." Das größte Risiko im Klettersteig sei der Absturz, "dass man mittendrin feststellt, es geht nicht so weiter. Mit 35, 40 Jahren einen Berufswechsel unter sehr erschwerten Bedingungen machen zu müssen, kann sehr schmerzhaft sein".

Auch das Prekariat sei ein Risiko in einer wissenschaftlichen Karriere. "An jeder Universität gibt es diese Wolke an prekär beschäftigten Personen, und es ist schmerzhaft für die zu sehen, dass es im System einen Haufen Leute gibt, die wissenschaflich viel schlechter sind, weniger engagiert, weniger produktiv sind, aber auf fixen Dauerstellen sitzen", so Kratkys Befund.

In Österreich sei die arbeitsrechtliche Situation an den Unis "nach wie vor verworren". Viele Dauerstellen würden den Markt verkleinern. Solche Dauerstellen per se seien nicht das Problem, guten Leuten müsse man das anbieten. "Das Problem liegt in den Instrumenten zur Qualitätssicherung, die häufig nicht funktionieren oder stumpf sind."

Dauerstellen: "Wer immer im System ist, den beißt man nicht hinaus"

Jungwissenschafter müssen derzeit eine Qualifikationsvereinbarung erfüllen, ehe sie ein unbefristetes Dienstverhältnis bekommen. "Das funktioniert nicht. In den USA schaffen es 50 bis 60 Prozent auf eine Dauerstelle, bei uns sind es 99,9 Prozent. Das ist die österreichische Kultur - wer immer im System ist, den beißt man nicht hinaus", sagte Kratky.

Der Faktor "Glück" für eine wissenschaftliche Karriere lasse sich durch Planung minimieren. "Mit Planungen erhöht man die Chance, eine wissenschaftliche Karriere erfolgreich zu absolvieren, aber nicht unbedingt in Österreich".

Die Bereitschaft zu Mobilität sei aber ohnedies eine Voraussetzung für eine wissenschaftliche Karriere, wenn auch "keine triviale Erfordernis", so Kratky, der auf Partner und Familie von Wissenschaftern verweist, deren Wünsche und Pläne nicht unbedingt parallel gehen müssen. (APA/red, derStandard.at, 25. 8. 2012)

  • FWF-Präsident Christoph Kratky
    foto: reuters/herwig prammer

    FWF-Präsident Christoph Kratky

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