Eine Art Fahrwind

  • DER STANDARD-Schwerpunktausgabe "Die Zukunft der Mobilität"

    DER STANDARD-Schwerpunktausgabe "Die Zukunft der Mobilität"

  • "Ich schaute in die dunkle Welt der Stadtlichter wie in ein tiefes Meer, mit Wogen und Wellen."
    foto: (schwedenplatz wien) robert newald

    "Ich schaute in die dunkle Welt der Stadtlichter wie in ein tiefes Meer, mit Wogen und Wellen."

  • Martin Prinz, geb. 1973, ist Schriftsteller und Ex-Bergläufer. 
Sein Roman "Der Räuber" wurde 2010 von Benjamin Heisenberg verfilmt. 
Zuletzt: "Über die Alpen", die Schilderung seiner Wanderung von Triest 
nach Monaco (Bertelsmann)
    foto: corn

    Martin Prinz, geb. 1973, ist Schriftsteller und Ex-Bergläufer. Sein Roman "Der Räuber" wurde 2010 von Benjamin Heisenberg verfilmt. Zuletzt: "Über die Alpen", die Schilderung seiner Wanderung von Triest nach Monaco (Bertelsmann)

Seit seinem Roman "Die Räuber" gilt Martin Prinz als Spezialist für literarische Bewegung. DER STANDARD hat ihn um einen Text zum Thema "Gehen" gebeten. Hier ist seine Erzählung

Es war das Rauschen, meinte ich am Ende der ersten Woche im Hotel zu Gott und fügte zumindest in Gedanken hinzu, dass damit alles begonnen habe. Mit dem Rauschen der Wägen am Donaukanal. Und damit, das es mir vor dem Öffnen der Augen noch ganz normal vorgekommen sei, so gleichmäßig und leise, wie sich Morgenverkehr immer hinter derart dicken Fensterscheiben anhöre. Dann sei es weggewesen, und ich schaute in eine helle Stille.

Ich sei dagelegen in dem riesigen Bett neben der Fensterfront meines Hotelzimmers und schaute in lichtes Rosa, in lichtes Grau, schaute über den Kanal, die Brücken und Häuser, schaute und schaute über eine völlig stille Stadt, bis ein einzelner Wagen auf Höhe der Salztorbrücke auftauchte, so verloren wie ein Spuk auf den leeren Fahrbahnen des Franz-Josefs-Kais.

Keine Spur von einem Rauschen. Ganz im Unterschied zum unablässigen Strömen der Scheinwerfer nachts, das ich am Vorabend so gierig in mich aufgesogen hatte, in ihrem An- und Abschwellen vor dem Rot und Grün der Ampeln, dem Schienenschlagen der Tramway, Folgetonhörnern und all den anderen Geräuschen im Lichtermeer der Stadt neben dem Bett.

So sei ich in der Nacht nach meinem Auszug eingeschlafen, den ich mir so lange erträumt hätte. Ohne je wirklich zu glauben, dass tatsächlich geschehen könnte, wonach ich mich so sehr sehnte: einmal aufzuwachen und dazuliegen mit dem Wissen, ein Reisender zu werden. Ein Reisender im Leben, den kein Alltag mehr ablenkt, den kein Besitz festhält, kein anderer Mensch, kein Geld, der sich alle Hotels und Flüge leisten kann und deshalb nichts mehr bei sich hat, das nicht in einen einzigen Koffer passt.

Dann machte ich die Augen auf, lag im siebzehnten Stockwerk neben den gläsernen Rechtecken der Fensterfront und starrte in die Sonne. Es war ganz still, ich rührte mich nicht, ich blinzelte nicht einmal.

So habe er begonnen, der Tag, den ich mir so oft wie keinen vorgestellt hatte. In einem Bett, dessen weites Weiß im nächtlichen Zimmer noch wie ein Traum geschimmert hatte, während ich auf die dunkle Welt der Stadtlichter wie in ein tiefes Meer schaute, mit Wogen und Wellen so unerreichbar wie nah an meinem schimmernd hohen Strand.

Kein Zucken in den Augen, keine Bewegung der Lider, nicht einmal ein leises Brennen. Nicht nur das Bett sei weiß gewesen, das ganze Zimmer. Boden, Wände, das durch eine verschiebbare Glasfront abgetrennte Bad, Hocker, Sessel, Schreibtisch oder Schrankwand. Weiß, wie alle Zimmer Richtung Westen weiß und Richtung Süden grau gewesen seien. Schwarz waren hingegen die Gänge, und gläsern schwarz die Front.

Irgendwo meinte ich ein Fahrzeug der Straßenreinigung zu hören. Doch in meinen Ohren, in meinem ganzen Körper sei kein Geräusch gewesen.

Ein Mann ging über den Schwedenplatz. Ich deckte meinen Oberkörper ab, während die fast waagrechten Sonnenstrahlen die obersten Geschoße des gläsernen News-Towers unter mir fluteten. Tief konnte ich in die letzten Stockwerke des noch menschenleeren Gebäudes schauen. Schreibtische, Bildschirme, Zettelstöße, Ordner, Zimmerpflanzen. Und ein Blitzen und Leuchten der allesamt durchsichtigen Wände zwischen den einzelnen Räumen.

Aus dem hellen Dunstgrau

Kurz darauf machte ich die Augen noch einmal zu, hörte am Kai eine Straßenbahn, wünschte es mir geradezu und dachte mir, dass es die erste sei an diesem Tag.

Would you like to pass me the butter please ...

Ich schwenkte im Drehfauteuil meines Frühstücksplatzes im gläsernen Obergeschoß des Hotels zur Seite, wusste schon dabei nicht mehr, ob ich mir den Satz nur eingebildet hätte, und schaute über die diesig strahlende Stadt.

Nur die Wienerwaldhügel ragten als langgezogene Inselkette aus dem hellen Dunstgrau. Alles andere gehört mir, das war mir nach einer Woche in dem Hotel so fraglos sicher wie sonst nichts.

Please, antwortete ein mir nicht ganz Unbekannter gegenüber, sprach das Wort ebenfalls im Vorschulenglisch-Übungsfrühstück aus und offerierte mir Marmelade.

Für Marmelade hatte ich jedoch keine Augen und keine Zeit. Auch nicht für ... coffee or tea, sugar and milk ... Da war etwas - doch erst heute weiß ich, was es war.

Es war das Rauschen.

Ich sollte jetzt bald mit einer richtigen Geschichte herausrücken, meinte Gott in verschwörerischem Ton. Und ich erzählte ihm von dem wohl lautesten Zimmer Roms, in dem ich einmal ein ganzes Monat verbracht hatte.

Es sei das jenes Zimmer, erklärte ich ihm, das Österreichs Schriftstellerinnen und Schriftstellern für Arbeitsklausuren im Ausland zugedacht sei. Es befinde sich im zweiten Stockwerk eines Hauses unweit der Piazza Navona. Schräg gegenüber das Caffè della Pace, in dem Hemingway einmal getrunken habe. Dort, in den Seitengassen der Piazza Navona, sorge vor allem im Sommer ein Menschenmeer an Feiernden für einen Geräuschlärm, in dem man trotz verriegelter Läden und Fenster selbst als Müdester keinen Schlaf finden könne.

Das erzählte ich nun meinem Gegenüber am Frühstückstisch und wusste genau, er wollte Deutlicheres.

Gegenüber, in den leeren Redaktionen des Turms, glitzerten die gläsernen Zwischenwände. Ich orderte Orangensaft, die Bestellung von der Eierkarte verschob ich und wunderte mich in meinem luxuriösen Frühstückslehnstuhl inmitten des strahlend zerfließenden Gebäude- und Straßenteppichs ringsum kein bisschen, dass es Gott war, der sich in Jean Nouvels graugläsernem Dachgeschoßrestaurant als der Hotelmanager vorgestellt und an meinen Tisch gesetzt hatte.

Er roch schlecht aus dem Mund.

Marmelade?

Das Grau über der Stadt sei schnell rosa geworden. Am Himmel die ersten Sonnenblitze. Und in meiner Betthöhle habe es sich in diesen Augenblicken des ersten Hotelmorgens so licht und warm angefühlt, so fein und leicht, wie man es sich höchstens vorstellen könne, wenn man im Frühling die ersten Blätter in ihrem unwirklich hellen Grasgrün vor dem Himmel sah oder plötzlich Flieder roch.

Augenblicke, in denen alles wie ein Wunsch war. Ewig in dem Moment. Ohne Angst, Abgrund und Ende.

Die üblichen Blicke

Als hätte die Reise aus meinem bisherigen Leben tatsächlich erst in den Momenten begonnen, in denen ich endlich mit dem Rollkoffer vor meinem alten Wohnhaus gestanden sei: im weißen Hemd, den dunkelblauen Jeans, den braunen Schuhen und dem ebenso braunen Sakko. So wie ich mir das alles am Abend davor im Badezimmer zurechtgelegt hatte.

Die Müllmänner saßen im Schanigarten des Eckwirtshauses bei ihrem Mittagsbier, die türkischen Männer auf den Parktischen bei ihrem Kartenspiel, ihre Frauen auf den Bänken daneben, und die Kinder fuhren auf Dreirädern und Tretrollern durch die Gegend, spielten Fußball oder liefen einander einfach schreiend hinterher.

Ich überquerte die Straße in Richtung des Altglas-Containers, deponierte dort Schlafsack und Matte, kümmerte mich nicht weiter um die üblichen Blicke aus den Häusern und steuerte den Taxistand an der Hauptstraße an.

In meiner Tasche hatte ich drei Flugtickets. Alle drei für diesen Tag, ausgestellt bereits vor Wochen. Eines nach Rom, samt Reservierung im Hassler. Eines nach Nairobi, ebenfalls mit Reservierung im besten Hotel der Stadt. Und ein drittes nach Darwin, an der Nordküste Australiens, wo ich vor drei, vier Jahren vom Balkon eines Hotelzimmers stundenlang dem Mond über dem Meer zugesehen hatte.

An keinen der Orte würde ich an dem Tag reisen, alle drei Tickets ließ ich verfallen. So hatte ich das längst entschieden. 14:50 Abflug Rom. 17:30 Abflug Nairobi. 22:50 Abflug Richtung Darwin.

Alle Buchungen seien notwendig gewesen. Erst danach sei mir klar geworden, was ich mit dem vielen Geld nicht wollte. Gerade weil ich in all den vergangenen Jahren so viele Wünsche an derartige Möglichkeiten gehabt hatte.

Jetzt wünschte ich mir mit dem Geld auf dem Konto nicht einmal mehr etwas so Harmloses wie einen Maßanzug, wollte auch keine neuen Schuhe anfertigen lassen oder mir ein Rennrad leisten. Von einem Haus in den Bergen oder einer Stadtwohnung mit Dachgarten ganz zu schweigen ...

Die Idee mit dem Hotel

Ich sehe ihn noch vor mir am Frühstückstisch. Er spuckte leicht im Reden, beugte sich über den Tisch und fasste mich an der Schulter; seine Hände waren seltsam weich.

Ich tippte auf einen Steirer, der eine niederösterreichische Speckgürtel-Färbung für Hochdeutsch hielt. Es ekelte mich, dennoch wich ich nicht zurück, als ich auf meinen Wangen bereits kleine Tröpfchen spürte.

Alles, was ich mir noch wünschen könne, sagte ich Gott, sei, nichts mehr zu planen und danach wieder nur etwas müssen. Ich wolle nicht einmal mehr etwas wollen, da es der Wirklichkeit immer nur etwas nehme, wenn es doch nie zur Gänze in Erfüllung gehe, oder auch das ausnahmsweise Gelungene im Vergleich zu den Träumen meist etwas Schales habe.

Die neu eröffnete Maison Moschino in Mailand habe es mir kurz noch angetan gehabt, oder die nur eine Handvoll Suiten und Zimmer zählende Riserve Ramatuelle oberhalb von St. Tropez - mit einer Aussicht, in der offenbar tatsächlich nur Himmel und Meer Platz hatten.

Halbherzig spekulierte ich auch mit einem längeren Aufenthalt im Londoner Savoy. Doch mehr als das Abhaken einer Liste sei keine dieser Überlegungen gewesen.

Bis mir die Idee mit dem Hotel in der eigenen Stadt gekommen sei. Als Besucher zu Hause. Nichts anders dürfte es sein. Das sei auf einmal klar gewesen. Und als mir der Concierge des Sofitel die Taxitür geöffnet habe, den Rollkoffer übernahm und mich gefragt habe, wie die Reise gewesen sei, habe ich schmunzeln müssen und mir kurz gedacht, ich sei angekommen.

Am nächsten Morgen habe es dann nur mehr gerauscht. Ich hätte noch zu spüren geglaubt, wie das weiße Bett raschelte, und auch noch die in Pulks über die Ampeln links und rechts des Kanals bretternden Autos. Doch in Wirklichkeit kein Ton.

Das Luftkissenboot aus Bratislava habe angelegt und mich habe gefröstelt. Daraufhin sei ich ins Badezimmer gegangen, habe in mein Gesicht gesehen und gewusst: Bewegte ich jetzt meine Augen, meinen Mund oder den ganze Kopf - es starrte mich einfach nur weiter an. Unaufhörlich, aus einer Art Schacht oder Tunnel, der immer weiter ins Leere wüchse, während es rund um mich nur mehr rauschte.

Irgendwo dahinter war ein Schmerz, so viel wusste ich, ein ständiger Schmerz, der so weit entfernt war, dass ich ihn selbst mit größter Gewalt nie ganz erreichte.

Ich ließ Wasser ins Becken, strich das Messer glatt und schäumte den Pinsel ein. Ich sah mein Gesicht, spürte das Messer und das Rauschen. Eine einzige schnelle Bewegung genügte. Fürchtete ich mich allein vor dem Messer, war alles gut, fürchtete ich mich vor meiner Hand, durfte ich mich nicht rasieren, auch das wusste ich. Zu stark war die Lust nach einer schnellen, festen Bewegung, die mir schon im Vorgefühl schöner als jede andere erschien.

Ich schaute durchs Glas des Badezimmers und erinnerte mich an das Zimmer in Rom, sagte ich zu Gott.

Wie das eigene Blut

In dem Augenblick habe ich endlich gewusst, was es ist. Es sei kein Lärm, so laut es auch sein könne. Gegen das Rauschen sei der größte Lärm vielmehr eine Erleichterung. Ein begreifbares Geräusch. Es sei wie das eigene Blut und gleichzeitig etwas weit Entferntes. Unerreichbar, kühl und abweisend, wie der Hall von Gebirgsbächen im Frühling. Kaum näherte man sich ihnen, rückte das Rauschen weg.

So sei ich dagestanden, erzählte ich Gott, führte das Messer über meinen Hals und spürte den Puls an der Klinge.

Gott blickte weg.

Ich wusste, wohin er schaute.

Es war am Nachmittag des ersten Hoteltags. Ich schaute über die Stadt und fragte mich, was ich hier anfangen wollte, als im Chat ein Fenster mit einer Nachricht aufging.

Zuerst wunderte ich mich nur. Längst hätte ich die Einstellungen so geändert, dass man nicht sah, ob ich online war.

Ob ich mich an sie erinnere? - Ich schaute auf den Namen und ihr Facebook-Gesicht.

Petra Mader. Ich erinnerte mich nicht. Aber wir waren Facebook-befreundet. Ich klickte auf ihre Seite, Hobbys, Freunde, auch hier nichts, das mir etwas sagte.

Sie hatte nicht auf eine Antwort gewartet und schrieb:

darf ich raten, wo sie sind?

Sie dürfen, antwortete ich ihr und glaubte aufgrund des hier unüblichen Siezens, mit ihr zumindest bereits per Du gewesen zu sein, und das nicht nur auf Facebook.

Sicher war ich mir nicht. Es war nur ein Gefühl. Ein Gefühl das ich kannte. Wobei schon das Wort Gefühl falsch war, dachte ich mir in dem Augenblick, genauso wie Trieb. Es war wie ein schweres Tier in mir, ein Tier, das immer größer wurde.

buenos aires, patagonien, rockies, nepal ...

Längst standen ihre Nachfragen im Nachrichtenfenster. Von den Bergen wusste sie also. Das war bei mir keine Kunst.

nein, nein ... kein gebirgszug, keine Stadt in Südamerika, nicht einmal ein anderer kontinent ...

Jetzt war sie scheinbar etwas enttäuscht. Ansprechen wollte sie das offenbar nicht. Stattdessen schrieb sie jetzt ewig an den nächsten Sätzen, wie mir das Chatfenster anzeigte. Und auch die schickte sie dann bloß als kurze, zurechtgestutzte Stummel weg.

Höchste Zeit, den Spieß umzudrehen:

und wo sind sie?

Noch längeres Zögern. Diesmal aber, ohne dass sie gleich zu tippen begänne, das sah ich. Irgendwie war ich mir sicher, dass sie jetzt stolz war. Und dass sie mich ansah.

machen wir es einfach umgekehrt: ich stelle sie mir vor ... darf ich das?

na gut ... schießen sie los!

In Sekundenschnelle war ihre Antwort gekommen. Und während ich bis zu dem Augenblick weder ein Bild von ihr noch eine ungefähre Vorstellung ihres Arbeitsplatzes gehabt hatte, war ich mir nun sicher, schreiben zu können:

hinter einer glaswand.

Das hatte ich noch geraten. Und im selben Moment wusste ich, sie saß im Haus gegenüber. Ich erinnerte mich sogar wieder, für welche Zeitschrift sie arbeitete. In welchem Geschoß die Redaktion war, konnte ich natürlich nicht sagen. Irgendwo dort drüben musste sie sein.

sehen sie auf eine straße und einen fluss?

Jetzt wurde sie vielleicht rot. Ich war überzeugt, dass ich sie hatte: Ich sah eine Frau im roten Pullover, zwei Stockwerke darunter eine im grauen Kostüm, am Eck eine mit grünem Rock. Alle drei konnten es sein.

ich sehe sie in einem eckzimmer. mit einer glasfront nach draußen und glaswänden auch hinter ihnen, den büros anderer ressorts, anderer redaktionen ...

Ich fixierte die Frau mit dem grünen Rock im Eckzimmer des gläsernen Gebäudes. Sie schien etwas zu schreiben. Sie schickte es nicht ab.

Die im grauen Kostüm war verschwunden. Die dritte war zu weit weg. Auch sie schien über etwas nachzudenken. Dabei wirkte sie ganz ruhig.

Die im grünen Rock tippte erneut. Ich starrte hinüber, als könnte ich erkennen, ob sie diesmal auf Enter drückte, und spürte eine beginnende Erektion. Von der Frau, die in meinem letzten Roman auf kaum andere Weise aufgetaucht war, verlangte ich spätestens in dem Stadium ein Bild: ihren Körper im Spiegel, die Beine gespreizt, ihre Scham offen.

Mir schwindelte, wie knapp ich auch jetzt daran war, der Unbekannten eine solche Aufforderung zu schreiben. Ich packte mein Glied, hielt es fest.

Die Frau im Eckbüro löschte ihren Satz offenbar erneut.

sie tragen einen grünen rock, stimmt's?

Ich sah, dass ich recht gehabt hatte. Die Frau im grünen Rock setzte zum Tippen an, hielt kurz inne, dann tippte sie weiter und lehnte sich zurück, als müsste sie sich gewaltsam vor weiterem Buchstabenlöschen abhalten.

Gott starrte mich an.

Es rücke immer näher, sagte ich zu ihm. Es sei ganz durchsichtig, und man könne es nicht hören, trotzdem sei es ein Höllenlärm.

Ob er sich erinnere, was ich ihm von dem Zimmer in Rom erzählte? Natürlich hätte ich dort Ohropax verwendet. Und ganz still schien es in meinen Ohren gewesen zu sein. Trotzdem hätte mich noch zu Hause über Wochen ein viel zu nahes Rauschen verfolgt. Wie ein Phantomschmerz.

Oder eine Art Fahrtwind. Selbst wenn man sich keinen Schritt mehr bewegt.

Dann ist es so weit, sagte Gott. (Martin Prinz, Album, DER STANDARD, 25./26.8.2012)

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10 Postings

schöne erzählung. hat mir gefallen. danke.

vor allem die niederösterreichische speckgürtel-färbung.

Das Monat oder doch eher der Monat? ...

"Und ich erzählte ihm von dem wohl lautesten Zimmer Roms, in dem ich einmal ein ganzes Monat verbracht hatte."

muss wohl das wonnemonat mai gewesen sein.

:)
oder die iden des märz?

Nachdem sich 2 User schon mokiert haben, bitte ich hiermit um Richtigstellung der Überschrift (in der Bildunterschrift stimmt es dann ja wieder).

"Die Räuber" von Schiller...

...nicht von Prinz. Der hat nur einen ;-)

der newald kann doch hie & da gute bilder machen.

nicht doch..

'DER Räuber' heißt es lieber Standard! 'die Räuber' sind von jemand anderem und ein schon etwas älteres Werk ;)

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