Private Mittel an Unis sollen steuerlich absetzbar sein

Interview24. August 2012, 16:36
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Heinrich Schmidinger fordert Entgegenkommen für Unternehmen, die Universitäten fördern

Die finanzielle Lage der Universitäten ist auch nach der Bereitstellung einer Uni-Milliarde alles andere als gesichert. "Das, was uns für die nächste Leistungsvereinbarungsperiode an zusätzlichen Mitteln in Aussicht gestellt wird, reicht gerade, um den Status quo zu erhalten", ist Heinrich Schmidinger, Präsident der Universitätenkonferenz, zerknirscht. Er hofft auf die baldige Einführung von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Auf beides zu verzichten "hält das System einfach nicht aus".

Warum Schmidinger trotzt vorverlegter Inskriptionsfrist keine Angst vor einem Chaos zu Semesterbeginn hat und weshalb er glaubt, dass innerhalb der SPÖ ein Umdenken stattfindet, sagte er zu Rosa Winkler-Hermaden.

derStandard.at: Die Inskriptionsfrist wurde heuer auf den 5. September vorverlegt. Bis jetzt sieht es so aus, als würden sich weniger Studierende einschreiben als in den Jahren davor. Ist das nach der gescheiterten Uni-Voranmeldung vergangenes Jahr der nächste Flop?

Schmidinger: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben es hier mit einem allgemeinen Phänomen zu tun. Die meisten Leute bewerben sich einfach erst gegen Schluss. Es wird heuer kein Chaos entstehen wie im vergangenen Jahr. Denn dieses gab es ja nicht wegen der Fristen, sondern weil sich etliche Studierende an mehreren Universitäten gleichzeitig angemeldet hatten. Dadurch ging der Überblick verloren. Ich rechne damit, dass die Zahl der Inskribierten am 5. September in etwa so hoch sein wird wie im vergangenen Jahr.

derStandard.at: Was machen Sie mit den Studierenden, die Ende September/Anfang Oktober draufkommen, dass sie die Frist verpasst haben?

Schmidinger: Ich habe schon mehrmals an meine Kollegen und Kolleginnen an den anderen Universitäten appelliert, kulant zu sein. Wir haben diese Form der Anmeldung heuer zum ersten Mal. Es ist nicht auszuschließen, dass beim ersten Durchlauf das eine oder andere Versäumnis erfolgt. Es gibt ja Gründe dafür, eine Inskription zu einem späteren Zeitpunkt zuzulassen.

derStandard.at: Der bürokratische Aufwand wird dadurch aber wieder sehr hoch.

Schmidinger: Das ist nicht auszuschließen.

derStandard.at: Die Unis plagen nach wie vor Geldnöte. Rektor Engl hat zuletzt angemerkt, dass seine Uni nur 15 Prozent des Budget der österreichischen Unis erhält, aber über 30 Prozent der Studierenden an seiner Uni studieren. Schön langsam hat man das Gefühl, es kommt zu Verteilungskämpfen zwischen den Unis.

Schmidinger: Ich glaube nicht, dass das zu Verteilungskämpfen führt. Wir sprechen ja auch untereinander ganz offen darüber, was jede Universität braucht. Es ist klar, dass jeder Rektor, jede Rektorin zunächst einmal die Ansprüche anmeldet, die sein bzw. ihr eigenes Haus betreffen.

In der Sache gebe ich Rektor Engl vollkommen recht. Ich fürchte, dass genau das eintritt, was wir schon seit langem sagen: Das, was uns für die nächste Leistungsvereinbarungsperiode an zusätzlichen Mitteln in Aussicht gestellt wird, reicht gerade, um den Status quo zu erhalten. Es wird uns nicht erlaubt sein, darüber hinaus größere Sprünge zu machen.

derStandard.at: Was ist Ihre Forderung?

Schmidinger: Meine Forderung ist die nach zusätzlichen Mitteln. Ich bin auf der Seite von Wissenschaftsminister Töchterle, der sagt, es muss mehr private Mittel geben. Dazu gehören sicher auch die Studienbeiträge. Man weiß, ich bin ein Befürworter der Studienbeiträge. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Universitäten budgetär in den nächsten Jahren über die Runden kommen, wenn sie diese Mittel nicht erhalten.

derStandard.at: Töchterle hat ein neues Modell zur Drittmittelfinanzierung präsentiert. Für jeden Euro, den die Unis einwerben, soll anteilig etwas dazugelegt werden.

Schmidinger: Das ist sicherlich ein sehr guter Ansatz, den ich begrüße. Es schafft Anreiz, sich noch mehr darum zu bemühen, Mittel aus dritter Hand zu erhalten. Aber man muss zugleich sehen, dass die Möglichkeiten für Drittmitteleinwerbung in unserem Land gewisse Grenzen haben. Mir zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass wir eine geringere Kultur der Drittmittelförderung haben, als es sie in anderen Ländern gibt.

derStandard.at: Österreich liegt hier weiter hinter dem OECD- und dem EU-Schnitt. Warum interessieren sich die Firmen nicht dafür, die Unis zu sponsern?

Schmidinger: Wirtschaftsunternehmen können nicht im selben Ausmaß die Universitäten und die Forschung unterstützen, wie dies in Deutschland oder gar in Amerika der Fall ist. Das hat unter anderem mit der Größe des Landes zu tun, man könnte auch sagen, mit der kritischen Masse an förderfreundlichen Unternehmen in Österreich. Aber nicht nur, es ist nicht zuletzt eine Frage der gesetzlichen Regelungen. In Deutschland lässt sich Drittmittelförderung ganz anders als bei uns steuerlich geltend machen. Der Staat fördert es, die Universitäten zu fördern. Das ist bei uns nicht der Fall, jedenfalls nicht im selben Ausmaß.

derStandard.at: Sie fordern, dass man die Mittel steuerlich absetzen kann?

Schmidinger: Zum Beispiel, ja.

derStandard.at: Bei den Studiengebühren muss abgewartet werden, was bei den Klagen der Studierenden gegen die autonomen Studiengebühren herauskommt. Wie schätzen Sie das ein?

Schmidinger: Alle warten jetzt auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs. Ich rechne damit, dass der Verfassungsgerichtshof eher früher als später sein Erkenntnis bekanntgeben wird. Schon wiederholt habe ich appelliert, dass man dieses jetzt abwarten solle. Ich kann es nicht prophezeien, aber ich habe unterdessen den Eindruck, dass innerhalb der Bundes-SPÖ ein Umdenken stattfindet.

derStandard.at: Die SPÖ hat sich zuletzt auch bei den Zugangsbeschränkungen nicht mehr ganz abweisend gezeigt. Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl sagte, sie sei gesprächsbereit bei Zugangsbeschränkungen in Massenfächern.

Schmidinger: Zu dieser Entwicklung kann ich nur weiter ermutigen. Ich glaube, dass man in der SPÖ einzusehen beginnt, dass es so, wie es jetzt läuft, nicht weitergeht. Man kann nicht gegen Zugangsregelungen und zugleich gegen Studienbeiträge sein. Das hält das System einfach nicht aus.

derStandard.at: Beim Thema Uni-Finanzierung gibt es häufig Vergleiche mit der Errichtung neuer Autobahnen und Tunnels. Dafür werde Geld in die Hand genommen, für Unis nicht. Der Ökonom Andreas Schibany hat gemeint, es fehle einfach das Verständnis für die Errungenschaften der Universitäten. Wie können die Unis der breiten Masse beweisen, was sie leisten?

Schmidinger: Wir überlegen natürlich dauernd, wie wir mehr Werbung für uns machen können. Und wir müssen uns ständig vornehmen, diesbezüglich noch mehr zu tun. In den vergangenen Jahren ist es oft so gewesen, dass man auf die Unis nur im Zusammenhang mit Problemen aufmerksam wurde: zu einem großen Teil durch die Probleme aufgrund der finanziellen Situation, zu einem anderen Teil durch die hochschulpolitischen Auseinandersetzungen. Diese Diskussionen werden uns oft aufgezwungen, und wir werden durch sie nicht immer in das richtige und passende Licht gerückt.

derStandard.at: Was meinen Sie damit?

Schmidinger: Die Universitäten stehen fast ausschließlich als Einrichtungen da, bei denen es nur Schwierigkeiten gibt, vor allem, wo das Geld fehlt. Es scheint an ihnen fast ausschließlich Konflikte zu geben, vor allem in politischer Hinsicht. Das ist nicht förderlich.

derStandard.at: Die Wirtschaftsuni Wien will in den sieben deutschsprachigen Masterstudiengängen, die sie anbietet, nur noch 700 Anfänger aufnehmen. Rektor Badelt will dazu denn Notfallparagrafen anwenden. Unterstützen Sie ihn?

Schmidinger: Es ist unmöglich, dass man die WU mit Erwartungen konfrontiert, die ihre Kapazitäten weit überschreiten. Man kann einer Universität nicht uferlos Studierende zumuten, die sie zugleich nicht betreuen kann, weil ihr eben die Kapazitäten dazu fehlen. Ich verstehe die Reaktion von Rektor Badelt und unterstütze sie auch. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 24.8.2012)

Heinrich Schmidinger (58) ist Professor für Theologie und Rektor der Universität Salzburg. Seit Oktober 2011 ist er Präsident der Universitätenkonferenz.

  • Schmidinger nennt als Beispiel für die Drittmittelfinanzierung Deutschland: "Der Staat fördert es, die Universitäten zu fördern."
    foto: standard/cremer

    Schmidinger nennt als Beispiel für die Drittmittelfinanzierung Deutschland: "Der Staat fördert es, die Universitäten zu fördern."

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