Smaragdaugen inmitten von Dreitausendern

Zu den beiden Lanischseen im hintersten Winkel des romantischen Pöllatales. Für die Tour ist gutes Wetter Voraussetzung

Der hinterste Winkel des bei Rennweg beginnenden Pöllatales gilt als einer der schönsten und romantischsten Talschlüsse der östlichen Hohen Tauern. Das Seekar mit den beiden Lanischseen - in der Literatur mitunter als "Smaragdaugen" bezeichnet - ist von Dreitausendern umschlossen und bietet eine hochalpin-wilde Szenerie. Etliche Wasserfälle - darunter der Torbachfall nahe der Ochsenhütte - komplettieren das eindrucksvolle Panorama, nicht zuletzt begeistert der Lieserursprung, deren Fluten direkt aus einer Felswand hervorbrechen und bald darauf zur Stromgewinnung abgeleitet werden.

Auch ohne Gipfelbesteigung lässt diese Tour keinen Wunsch offen, zumal die Landschaft auch eine üppige Alpenflora aufweist, in der selbst das Edelweiß nicht fehlt.

In der Region betrieb man seit dem Mittelalter Bergbau nach Silber und Gold, Namen wie Waschgang weisen heute noch auf die einstige bergmännische Tätigkeit. Die alten Stollen sind jedoch nur noch schwer zu entdecken. Wahrscheinlich auf römische Zeiten geht der Abbau von Arsen zurück, das bis nach Italien exportiert und dort auch als Dopingmittel für die Gladiatoren verwendet wurde - und sicherlich in heimischen Gefilden so manches Familienpro blem löste. Bis vor drei Jahrzehnten stand in der Pölla noch eine Hütte, die der Gewinnung des Giftes diente und die letztlich das Opfer einer Lawine wurde.

Der das Seekar begrenzende Mittlere Malteiner Sonnblick ist mit einer Höhe von exakt 3000 Metern der östlichste Dreitausender der Alpen, dessen Besteigung allerdings nur erfahrenen Bergsteigern vorbehalten bleibt.

Die Tour verlangt gutes Wetter, denn sie führt in hochalpine Regionen, weist allerdings keine besonderen Schwierigkeiten - wie ausgesetzte Stellen etc. - auf. Mit der Ochsenhütte steht auch ein guter Stützpunkt zur Verfügung.

Für ausdauernde Geher bietet sich an, die Wanderung durch den "Erlebnisweg" zwischen dem ersten und zweiten Parkplatz zu verlängern, der an Idylle kaum zu überbieten ist. Man braucht für den Weg in einer Richtung ungefähr 1½ Stunden.

Die Route: Von der Kochhütte - vulgo Kochlöffelhütte - wandert man auf dem rot markierten Güterweg die Lieser aufwärts und gelangt nach etlichen Kehren zum Lieserfall, bald darauf zum Einlaufbauwerk, durch welches das Wasser des Flusses zur Kölnbreinsperre geleitet wird. Es folgt ein steilerer Anstieg zur Lanisch-Ochsenhütte. Gehzeit 2 Stunden.

Auf einem Steig wandert man - meist in der Nähe des Torbaches - in das Seekar und erreicht schließlich den Unteren und dann den Oberen Lanischsee. Gehzeit ab Ochsenhütte eine Stunde.

Der Rückweg erfolgt auf der Anstiegsroute, man braucht bis zur Kochlöffelhütte etwa 2½ Stunden. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 25.8.2012)

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