Schloss Hof, eine kostspielige Liebhaberei

  • Von Prinz Eugen in den 1720er-Jahren als Jagdsitz im Marchfeld errichtet, danach in Besitz von Kaiserin Maria Theresia: das revitalisierte Schloss Hof.
    foto: schloss hof/hurnaus

    Von Prinz Eugen in den 1720er-Jahren als Jagdsitz im Marchfeld errichtet, danach in Besitz von Kaiserin Maria Theresia: das revitalisierte Schloss Hof.

Die Schlösser des Marchfeldes sollten sich ab 2006 selbst finanzieren, statt 26 Millionen Euro Steuergeld flossen 81 - In der Not soll nun Schloss Schönbrunn die Bundes-GmbH übernehmen

Marchegg - Andreas Zabadal grollt. Der Bürgermeister von Engelhartstetten freut sich zwar über jede Tourismusaktivität, die in den Schlössern Niederweiden und Hof, in den 1720er-Jahren von Prinz Eugen als Jagdsitz errichtet, stattfindet. Über das Management der beiden Marchfeldschlösser aber vermag er kein gutes Wort zu verlieren. Denn mit Gerald Plachetzky, dem kaufmännischen Leiter, sei es "ziemlich mühsam".

Der Konflikt artete mittlerweile zum Kleinkrieg aus. Die Gemeinde beschloss letztes Jahr, eine Lustbarkeitsabgabe in der Höhe von zehn Prozent der Einnahmen einzuheben. Die touristische Infrastruktur kostet schließlich Geld, das die kleine Gemeinde nicht hat: "Wir müssen vier Radwege und den Pilgerweg instand halten."

Schlechte Stimmung

Die Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft (MRB) weigere sich aber zu zahlen. Grund für die schlechte Stimmung könnte sein, dass sich 23 Bürgermeister der Region an Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) mit der Bitte wandten, für die kaufmännische Leitung der barocken Schlossanlagen einen erfahrenen Touristiker zu bestellen. Denn es sei geboten, die Besucherzahlen zu steigern.

Was dann folgte, sieht Zabadal als Racheakt an: Seine Frau, die bei der MRB das Qualitätsmanagement leitete, wurde gekündigt. Sie ging vors Arbeitsgericht und bekam Recht. Die Marchfeldschlösser-GmbH berief, Zabadals Frau wurde dienstfrei gestellt. Die Atmosphäre ist jedenfalls vergiftet.

Plachetzky weilt auf Urlaub, Geschäftsführerin Barbara Goess will zum laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen. Aber sie gesteht ein, dass man die Lustbarkeitsabgabe infrage gestellt hat. Denn der Betrieb macht, wie Goess einbekennt, keinen Gewinn. Er verursacht nur hohe Kosten.

Besucherzahlen hinter Erwartungen

Und das ist gegenwärtig das Hauptproblem. Im Mai 2002 wurde per Gesetz beschlossen, die Schlösser Hof und Niederweiden, bis dahin von der Burghauptmannschaft verwaltet, auszugliedern und zu revitalisieren. In der Folge gründeten die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB) und der Tiergarten Schönbrunn die MRB als gemeinsame Tochtergesellschaft. Der Wirtschaftsminister wurde ermächtigt, 26 Millionen Euro bereitzustellen: 22 Millionen für die Sanierungsarbeiten, vier Millionen für die operativen Tätigkeiten in den ersten drei Jahren. Ab 2006 sollte die MRB aufgrund des Fruchtgenussrechts ohne Zuschüsse auskommen. Doch die Ausgaben waren weit höher als dargestellt, die Besucherzahlen blieben hingegen weit unter den Erwartungen. Mit 1. Jänner 2007 kaufte die Republik sämtliche Anteile an der MRB zurück.

Wenige Monate später prüfte der Rechnungshof die GmbH. Er stellte fest, dass 424.168 zahlende Besucher nötig seien, um auf Basis der Kostenstruktur 2006 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erreichen zu können; tatsächlich kam nur ein Viertel (131.836). Der RH nannte auch Gründe: "Es fehlten Marketingkonzepte und Werbebudgets für die Zielmärkte."

Inklusive 2007 hatte das Wirtschaftsministerium bereits doppelt so viel wie vorgesehen, nämlich 54,33 Millionen Euro, investiert - und das Land Niederösterreich zusätzliche 8,22 Millionen. Aufgrund der weiterhin zu erwartenden Betriebsabgänge sei laut RH u.a. "eine Redimensionierung der Anlagen unumgänglich".

Doch nichts passierte: Der Tierpark mit alten Rassen wird nach wie vor gehegt. Die Prognose der MRB, dass bis 2011 insgesamt 72 Millionen zu investieren seien, stellte sich als zu harmlos heraus: Bis dato flossen 81,1 Millionen (davon zwölf vom Land NÖ).

Im Februar dieses Jahres kam die Regierung beim Schnüren eines neuen Sparpakets auf die glorreiche Idee, die Marchfeldschlösser der hoch profitablen Schloss Schönbrunn GmbH zuzuschanzen. Als Ziel wurden "Einsparungen in der Verwaltung im Kulturbereich" genannt.

Kein Vertrag unterzeichnet

Ende April ermächtigte das Parlament Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), die MRB-Anteile zum Nominalwert in Höhe von 70.000 Euro an die SKB zu veräußern. Doch noch immer sind die Marchfeldschlösser auf Subventionen des Wirtschaftsministeriums angewiesen. Denn es gibt nach wie vor keinen Übernahmevertrag: Franz Sattlecker, Geschäftsführer von Schönbrunn, hält es für unverantwortlich, die MRB unter den gegenwärtigen Bedingungen zu übernehmen. Die defizitären Marchfeldschlösser wurden schließlich als "Liebhaberei" eingestuft. Investitionen der SKB können daher nicht abgeschrieben werden.

"Wir müssten bereits versteuerte Gewinne nach Schloss Hof transferieren. Das wäre eine verdeckte Gewinnausschüttung", sagt Sattlecker. Schon jetzt habe er aufgrund des Fruchtgenussvertrags die Hälfte des Gewinns abzuführen. Im Falle eines Besucherrückgangs in Schönbrunn brauche er Rücklagen: "Das Risiko, dann keine Reserven zu haben, kann ich nicht eingehen."

Ernüchternde Zahlen

Waltraud Kaserer, Pressesprecherin von Mitterlehner, sieht kein Problem: "Schönbrunn überweist uns nach der Übernahme weniger Gewinn." Sattlecker vernimmt die Kunde mit Freude, allerdings wäre eine Änderung des Fruchtgenussvertrags notwendig. Dazu habe sich die Regierung bisher nicht entschließen können. Langsam werde es aber eng: "Wir müssten Strategien entwickeln, um das Defizit in der Höhe von gegenwärtig zwei oder 2,5 Millionen Euro zu verringern. Das geht nicht von heute auf morgen. Und das ist ziemlich mühsam, wenn man nicht Eigentümer ist."

Die Situation klingt eher ernüchternd: 2011 zählte man rund 110.000 zahlende Besucher und 80.000 Veranstaltungsbesucher. Immerhin gibt es nun für Fußgänger und Radfahrer eine Marchbrücke von Devínska Nová Ves nach Schloss Hof. Sie erleichtert den Besuch von Bratislava aus. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 24.8.2012)

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