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"Voice off": Auf der "weiblichen" Seite der Projektion zeigt sich eine nebelverhangene Traumwelt.
Wien - Zwischen all den Tricks, die ein schreibendes Individuum anwendet, um sich von der Leere der Seiten abzulenken - rauchen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, ein Nickerchen machen -, liegt oft und gerne auch einmal ein Telefonat.
Der männliche Protagonist in Judith Barrys seit heute im Mumok präsentierter Videoinstallation "Voice off" (1999) hält sich dabei kurz, seufzt ein "Ja, ist nicht so einfach" in den Hörer, legt auf und widmet sich wieder dem von etwas Tippen unterbrochenen, unruhigen Herumpirschen in seinem verstaubten Büro.
Nach und nach wird man gewahr, was den Autor so unruhig macht: Von irgendwoher (Hinter der Wand? Hinter der Projektion im Mumok?) dringt ein Stimm-und Geräuschteppich. Der Mann reißt die Bürotür auf, späht in den Gang. Nichts. Irgendwann greift er zum Golfschläger und drischt ein Loch in die kartongleiche Wand, durch das er, vermutlich Alices Wunderland erwartend, auch hindurchschlüpft: Im Prinzip vergleichbar mit Woody Allens Film "Purple Rose of Cairo", in dem der Darsteller von der Leinwand in die reale Welt hinabsteigt, krabbelt er auf die andere Seite. Unter den Augen des Publikums, das dem Antihelden durch einen Vorhang in der Leinwand folgen kann, stolpert er dort allerdings nur wieder in eine Videoprojektion ...
Die amerikanische Künstlerin Judith Barry, eine Wegbereiterin der Installationskunst, untersucht die Wechselwirkungen zwischen Medien, Architektur, Gesellschaft und Individuum. Ihre Arbeit "Voice off", die mit Raumvorstellungen und Wahrnehmungsebenen spielt, steht stellvertretend für Schenkungen des Sammlerpaars Dieter und Gertraud Bogner ans Mumok. (kafe, DER STANDARD, 24.8.2012)
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