Wolfgang Waldner: "Ich bin kein Marktschreier"

Interview |

Der künftige Kärntner Landesrat kann sich bei der Neuwahl-Kandidatur auch eine ÖVP-Doppelspitze vorstellen

Wolfgang Waldner (ÖVP) war in seinem Leben schon in der ganzen Welt unterwegs. Nun geht er nach Klagenfurt. Warum er das tut und wie er dort die ÖVP erneuern will, sagt er zu Saskia Jungnikl und Rainer Schüller.

STANDARD: Herr Waldner, Washington - New York - Minoritenplatz - Kärnten: ein Auf- oder Abstieg?

Waldner: Ein Kreis, der sich schließt: Vor Washington war Kärnten und jetzt wieder. Ich verstehe gar nicht, dass alle so überrascht sind, dass ich als Kärntner nach Kärnten gehe.

Video: Wolfgang Waldner über den Grund für seinen Gang nach Kärnten, Spitzenkandidatur und die Zusammenarbeit mit der FPK.

STANDARD: Was ist Kärnten für Sie?

Waldner: Mein Heimatbundesland, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Das Land, in dem ich mich wohlfühle, wo ich meine Wurzeln habe und wo mich von der Landschaft bis zu den Leuten Vertrautes umgibt. Der Großteil meiner Familie lebt in Kärnten, und was mir immer bewusster wird: Europa spiegelt sich in Kärnten wider, weil es an einer Schnittstelle von Völkern und Kulturen liegt. Ich freue mich darauf, mich nun in einer innenpolitischen Funktion voll einbringen zu können.

STANDARD: Wann waren Sie das letzte Mal auf dem Villacher Kirchtag?

Waldner: Vor drei Jahren. Heuer ist es sich nicht ausgegangen.

STANDARD: Die Kärntner ÖVP steht schlecht da. Was wollen Sie tun?

Waldner: Die ÖVP Kärnten hat sich innerhalb kürzester Zeit völlig neu aufgestellt. Das müssen andere Parteien erst nachmachen. Ich selbst bin kein Markschreier. Davon hat es in Kärnten genug gegeben. Es sind nicht immer die lauten Töne, die zum Erfolg führen. Ich werde mich in meinem Ressort auf die Sachpolitik konzentrieren.

STANDARD: Wie groß ist das Ressort?

Waldner: Falls die bisherige Referatseinteilung bleibt, bin ich Landesrat für Wirtschaft, Fremdenverkehr, Gemeindeangelegenheiten, Landwirtschaft, EU und die Personalagenden mit 3.500 Beamten und einem Budget von 1,35 Milliarden - mehr als Hälfte des Gesamtbudgets von zwei Milliarden Euro. Ich hoffe, dass ich durch meine Entscheidung andere Auslandskärntner bewegen kann, etwas für dieses Land zu tun.

STANDARD: Sie glauben, Sie sorgen für eine Völkerbewegung?

Waldner: Nein, es geht um das Engagement, um die Kultur. Vielleicht kann ich Leute dazu bewegen, etwas zu tun.

STANDARD: In Klagenfurt gibt es nicht einmal eine Stadtbibliothek.

Waldner: Das bedaure ich sehr. Für mich ist das ein großes Defizit. Ich bin nicht zuständig, werde aber versuchen, etwas zu bewirken. Und obwohl Kultur leider nicht mein Ressort ist, freue ich mich schon darauf, viele Kärntner Künstler persönlich kennenzulernen.

STANDARD: Nachdem Sie auch für Wirtschaft zuständig sind: Ist das Klagenfurter Stadion wirtschaftlich?

Waldner: Das Klagenfurter Stadion ist auch ein Denkmal von Intransparenz und Misswirtschaft in Kärnten. Mit mir wird es nur Projekte geben, bei denen die Wirtschaftlichkeit geprüft und von Experten bestätigt ist. Das Stadion ist eine Entscheidung aus der Vergangenheit, ich will mich mit der Zukunft beschäftigen. Mein Stil ist es, Experten einzubinden, damit bei Projekten die Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit gegeben ist, die wir aus der Bundesverwaltung gewohnt sind.

STANDARD: Werden Sie Spitzenkandidat sein?

Waldner: Gabriel Obernosterer als Parteiobmann und ich als Landesrat sind ein Team. Er hat in der Partei reinen Tisch gemacht. Ich stehe für Sachpolitik. Das ist unser Angebot an den Wähler.

STANDARD: Die vier Wochen bisher haben gereicht, um reinen Tisch zu machen?

Waldner: Ich kenn keine andere Partei, wo innerhalb so kurzer Zeit die gesamte verantwortliche Spitze ausgewechselt wurde. Da beschäftigt mich die Frage nach dem Spitzenkandidaten jetzt nicht.

STANDARD: Können Sie sich auch eine Doppelspitze vorstellen - gemeinsam mit Obernosterer auf den Wahlplakaten?

Waldner: Schauen wir einmal. Ich lasse das auf mich zukommen. Es wird sicher eine Entscheidung geben, aber momentan ist es kein Thema.

STANDARD: Sie sind offenbar ein großer Fan von Obernosterer. Würden Sie also auch an zweiter Stelle hinter ihm antreten?

Waldner: Wir sind ein Team, wir denken ähnlich. Er hat die Entscheidungen in die Wege geleitet, die ich in meiner Funktion weiterführen werde.

STANDARD: Wären Sie dem Ruf von Josef Martinz gefolgt, hätte er Sie nach Kärnten geholt?

Waldner: Sicher nicht.

STANDARD: Wann soll gewählt werden?

Waldner: So bald wie möglich, wir sind da einer Meinung mit Grünen und SPÖ. Es bezeichnend, dass sich die FPK, die im Landtag die Minderheit hat, dagegen wehrt.

STANDARD: Manche sagen, die ÖVP ist über das Hinauszögern der FPK sehr glücklich.

Waldner: Da kenne ich niemanden. Maßgeblich wichtig sind Obernosterer und ich, und wir sagen jeden Tag: Wir brauchen möglichst bald Neuwahlen. Auch wenn das ein Risiko ist. Wir wollen nicht so weitermachen wir bisher, sondern einen Neuanfang.

STANDARD: Die FPK ist aber dagegen, was wollen Sie machen?

Waldner: Wir bleiben bei unserer Linie. Montag ist eine weitere Verhandlungsrunde. Die Einladung an die Freiheitlichen steht.

STANDARD: Eine Zusammenarbeit mit der FPK schließen Sie aber nicht aus?

Waldner: Ich will mich nicht an den Spekulationen beteiligen. Das heißt weder Ja noch Nein, wir wollen das jetzt nicht diskutieren. Wir wissen nicht, wann gewählt wird und welche Kandidaten dann antreten. Wir sind neu aufgestellt, andere müssen sich noch etwas einfallen lassen.

STANDARD: Ihre Entscheidung hängt aber auch nicht davon ab, ob die FPK-Mannschaft sich ändert.

Waldner: Damit beschäftige ich mich jetzt nicht.

STANDARD: Martinz hat das "Schandgeld" zurückgezahlt. Reicht das als Aufarbeitung für die ÖVP?

Waldner: Die Causa Martinz ist vor Gericht, dazu will ich mich nicht äußern. Ich will auch nicht über die Vergangenheit reden. Die Aufarbeitung ist ein Prozess, der noch im Gange ist, aber die wirklich großen Hürden sind jetzt geschafft. Dabei hat mich Gabriel Obernosterer irrsinnig beeindruckt, wie er das angegangen ist. Er ist ein seriöser Mensch, der sich auch durchsetzen kann.

STANDARD: Welches Wahlziel haben Sie?

Waldner: Die Wähler und Wählerinnen zu überzeugen, dass unser Angebot das richtige ist. Wir glauben, dass wir gut aufgestellt sind. Das Ziel ist natürlich, so viele Stimmen wie möglich zu bekommen.

STANDARD: In Prozenten?

Waldner: Das ist so wie die Frage nach den Koalitionen danach. Ich habe jetzt überhaupt keine konkreten Vorstellungen. Es geht jetzt darum, das Ganze möglichst optimistisch, zuversichtlich und professionell anzugehen. (Saskia Jungnikl/Rainer Schüller, DER STANDARD, Langfassung, 23.8.2012)

Wolfgang Waldner (57), geboren in Villach, ist Politiker und Diplomat. Er leitete das Österreichische Kulturforum in New York und anschließend das Wiener Museumsquartier. Ab April 2011 war er Staatssekretär im Außenministerium.

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